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Firmen- und Städteendungen erlaubt: Das Internet bekommt neue Adressen

Firmen- und Städteendungen erlaubt : Das Internet bekommt neue Adressen

Singapur (RPO). Wer bislang im Internet eine Seite auf gut Glück suchte, lag mit den Endungen .com oder hierzulande .de zumeist richtig. Doch das wird bald der Vergangenheit angehören. Denn in Zukunft sind nahezu alle Wörter als Adressendungen erlaubt - wie zum Beispiel .duesseldorf. Für Unternehmen bietet das neue Chancen, für den normalen Internetnutzer könnte es schwieriger werden.

Sechs Jahre hat die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die das Adresssystem im Internet verwaltet, verhandelt, bis sie sich zu dieser Entscheidung durchringen konnte. Am Montag dann das Ergebnis: Ab Anfang 2012 können sich Organisationen und Unternehmen für die neuen Domainendungen bewerben.

Konkret bedeutet das, dass etwa Städte ihren Namen als Domainendungen nehmen könnten oder Unternehmen ihre Marke. Der Verband der Internetwirtschaft eco lobt denn auch die Entscheidung. Der Startschuss für eine neue Ära des Internets sei gefallen, erklärte Thomas Rickert, Direktor des eco Names & Numbers Forum. "Für Unternehmen bieten sich jetzt ganz neue Chancen der Markenbildung, Städte und Regionen können ihren Bürgern übersichtlichere Services zur Verfügung stellen", so Rickert.

Auch chinesische Schriftzeichen erlaubt

Auch ICANN selbst spricht von einer neuen Phase des Internets. "Wenn es keine guten Gründe dagegen gibt, sollten Neuerungen sich frei entwickeln können", so der Vorsitzende des Direktoriums, Peter Dengate Thrush. Und bei der dotBerlin GmbH, die die Einführung der Domain .berlin betreibt, herrscht ebenfalls Freude. In einer Pressemitteilung erklärte Geschäftsführer Dirk Krischenowski: "Wir haben gut sechs Jahre auf diesen Punkt hingearbeitet und sind froh, dass wir uns nun endlich für .berlin bewerben können."

Experten gehen davon aus, dass durch die Neuerung 500 bis 1000 neue Kennungen geschaffen werden - und die dürfen dann auch etwa in arabischen oder chinesischen Schriftzeichen verfasst werden. Bislang gibt es 290 Länderkennungen und 22 freie Bezeichnungen. Doch dem normalen Internetnutzer sind von letzteren wohl nur die wenigsten bekannt.

Genau das könnte auch zum Problem werden. Denn wenn es künftig tatsächlich unzählige Domainendungen gibt, wird sich auch der normale Internetnutzer gewaltig umstellen müssen. Mit der Webseitensuche auf gut Glück dürfte es dann vorbei sein - es sei denn, man sucht tatsächlich insbesondere einen regionalen Aspekt oder etwas von einem Unternehmen. Doch ICANN-Vorstandsmitglied Sebastian Bachollet beschwichtigt. Er sagt, "die verwirrende Anfangsphase wird kurz sein."

Gebühr von 185.000 Dollar

Ganz so einfach wird es aber für die Bewerber nicht, an die neuen Domainendungen zu gelangen. 185.000 Dollar kostet die Gebühr dafür, laut dem IT-Newsportal golem.de fallen danach 6250 US-Dollar pro Quartal an, hinzu kommt eine Transaktionsgebühr von 0,25 US-Dollar ab 50.000 registrierten Domains. Zudem umfasst allein das Regelwerk für die Bewerbungen 360 Seiten.

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Das hat aber auch seinen Grund. Denn es soll verhindert werden, dass sich Betrüger bestimmte Adressen sichern. Unternehmen, die ihren Namen als Endung registrieren lassen, könnten somit deutlich machen, dass hinter dieser Endung nur das Original steckt und hinter anderen Endungen etwa Fälscher.

Übrigens sollen auch Unternehmen in Entwicklungsländern unterstützt werden, die sich die Registrierungsgebühr nicht leisten können. Dafür stellt ICANN zwei Millionen Dollar zur Verfügung.

(das/rm)