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Was man über grüne Anleihen wissen muss

Nachhaltige Geldanlage : Worauf man bei grünen Anleihen achten muss

Nachhaltige Geldanlagen sind bei steigendem Umwelt- und Klimabewusstsein voll im Trend. Aber die Kriterien sind bis beute nicht eindeutig definiert. Worauf Investoren vor dem Kauf achten sollten.

Was der Klimawandel bewirken kann, haben wir in den vergangenen Jahren mehr als einmal erlebt. Unwetter und Flutkatastrophen haben viele Menschenleben gekostet und verheerende Schäden angerichtet. Das Klima ist zu einem Thema geworden, das jeden betrifft: die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft. Und Geldanleger. Denn in Zeiten, in denen der klimaneutrale Umbau der Wirtschaft eines der großen ökonomischen Themen ist, gewinnt auch die sogenannte grüne Geldanlage massiv an Bedeutung. Ein Beispiel sind die sogenannten grünen Anleihen.

Wie definiert man Nachhaltigkeit? Bei der Definition kommt meist der Begriff ESG ins Spiel. Die Abkürzung steht für die englischen Vokabeln Environment (beispielsweise Verringerung von Umweltverschmutzung und Treibhausgasemissionen), Social (Beachtung von Gesundheitsschutz, gesellschaftliches Engagement) und Governance (nachhaltige Unternehmensführung). Geldanlagen, die als nachhaltig gelten wollen, sollten also diese drei Kriterien erfüllen. Nicht dazu gehören beispielsweise der Handel mit Waffen, das Glücksspiel und Geschäfte, bei denen Menschenrechte verletzt werden.

Was sind grüne Anleihen? Bei den Green Bonds handelt es sich wie bei anderen Anleihen auch um festverzinsliche Wertpapiere, bei denen der Käufer einem Staat oder einem Unternehmen für ene bestimmte Zeit Geld leiht und es mit Zinsen nach Ablauf wieder zurückbekommt. Bei Green Bonds verpflichtet sich der Emittent (derjenige, der die Anleihe ausgibt), gegenüber dem Investor, das Geld zur Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Beispiele dafür sind die Elektromobilität, Windkraft, Solaranlagen, die energetische Sanierung von Immobilien.

Wie groß ist das Volumen weltweit? Allein in den 2010-er Jahren hat sich das Volumen auf 250 Milliarden Euro verhundertfacht. Und im vergangenen Jahr wurden Green Bonds im Umfang von knapp 400 Milliarden Euro emittiert. Die Emittenten bewerben ihre Papiere stark, und das Umweltbewusstsein der Menschen hat extrem zugenommen. Gleichzeitig ist der Kapitalbedarf enorm. Nach Einschätzung von Experten werden jährlich vier Billionen Dollar zur Bewältigung des Klimawandels benötigt.

Wer gibt solche Anleihen aus? Sowohl die öffentliche Hand als auch private Unternehmen. Also Staaten, Bundesländer, Industrieunternehmen oder Banken. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat die landeseigene Förderabnk NRW.Bank bereits ein Dutzend solcher Bonds ausgegeben. Auch die Europäische Union hat sich im vergangenen Jahr erstmals an den Markt getraut und in einem ersten Schritt zwölf Milliarden Euro eingesammelt. Bis zum Jahr 2026 soll das Gesamtvolumen der EU bei den grünen Anleihen rund 250 Milliarden Euro umfassen. In Deutschland sind nach Angaben der Bundesbank seit 2020 unter den öffentlichen Emittenten der Bund, die bundeseigene KfW und die Landesbank Baden-Württemberg die größten gewesen, bei den Privaten Unternehmen waren es der Energiekonzern Eon, der Maschinenbauer Schaeffler und der Versicherer Munich Re.

Was bringen nachhaltige Investments der Umwelt? Die NRW.Bank hat sich den Effekt vom Wuppertal Institut berechnen lassen: Jeden Million Euro, den sie aus den Anleihen vergibt, spare jedes Jahr rund 614 Tonnen CO₂ ein. Über die zehnjährige Laufzeit ergeben sich aus einer 2019 ausgegebenen Anleihe mit einem Emissionsvolumen von fünf Millionen Euro mehr als drei Millionen Tonnen weniger Treibhausgase. Das würden im gleichen Zeitraum 33.000 Bürgerinnen und Bürger produzieren.

Wo kann ich als Anleger grüne Anleihen kaufen? Das kann man bei seiner Bank oder Sparkasse machen. Voraussetzung: Man braucht aber ein Wertpapierdepot, das kostet. Weniger zahlt man beispielsweise für ETFs, die es auf grüne Anleihen auch schon gibt. Diese ETFS und gemanagte Fonds sind für Privatanleger zumindest bei Unternehmensanleihen oft die einzige Lösung, weil diese Wertpapiere teils erst ab sechsstelligen Anlagebeträgen zu haben sind.

Was muss man als Anleger sonst noch beachten? Green Bonds weisen in der Regel keine schlechtere Rendite auf als herkömmliche Anleihen. Ein Problem bei grünen Anleihen: Es gibt keinen europaweit geltenden Standard, welche Kriterien ein Green Bond erfüllen muss, um als nachhaltig eingestuft zu werden. Dazu kommt, dass es schwarze Schafe auf dem Markt gibt, die ihre Investments als ökologisch anpreisen, in Wahrheit aber auch in Projekte investieren, die nicht umweltschonend sind. Das kennt man unter dem Namen „Greenwashing“. Wichtig: Ist beispielsweise eine Aktiengesellschaft, die Anleihen ausgegeben hat, insolent, wird der Anleihe-Gläubiger vorrangig gegenüber Aktionären behandelt – es sei denn, es ist kein Nachrang vereinbart.