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250 Netztechniker gehen: Vodafone verlagert Jobs nach Rumänien

250 Netztechniker gehen : Vodafone verlagert Jobs nach Rumänien

Bis zu 250 Netztechniker gehen, neue Leute starten in Rumänien. Mit dem Betriebsrat wurden hohe Abfindungen vereinbart. Dabei steht der Konzern noch vor großen Herausforderungen – und verteilt Smartphones künftig großzügig.

Bis zu 250 Netztechniker gehen, neue Leute starten in Rumänien. Mit dem Betriebsrat wurden hohe Abfindungen vereinbart. Dabei steht der Konzern noch vor großen Herausforderungen — und verteilt Smartphones künftig großzügig.

Jens Schulte-Bockum, seit Oktober 2012 Chef von Vodafone-Deutschland, ist beim Umbau des Unternehmens wieder einen Schritt weitergekommen. Um Kosten zu sparen, werden 200 bis 250 Mitarbeiter der Netzüberwachung ausscheiden. Stattdessen übernehmen neue Kollegen in Rumänien den Job. Dies erfuhr unsere Zeitung aus Firmenkreisen. Allerdings musste Schulte-Bockum Zugeständnisse machen: So bleibt entgegen ursprünglichen Planungen doch ein Teil der Netzüberwachung in Deutschland — dem Betriebsrat war dies wichtig, um die Qualität zu sichern und um einige Stellen zu retten. Außerdem musste der Vorstand einem großzügigen Sozialplan zustimmen: Es gibt bis zu 2,4 Monatsgehälter für Mitarbeiter, die einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Weil viele Techniker bereits 15 oder 20 Jahre in der Firma sind, kommen so Abfindungen von rund drei Jahresgehältern zusammen — also deutlich mehr als 150 000 Euro in Einzelfällen.

Die Einigung zeigt, dass der große Streit bei Vodafone-Deutschland vorbei ist. Mehr als 15 Jahre lang galt das Unternehmen als eines der harmonischsten in der Region, doch seitdem der frühere McKinsey-Berater Schulte-Bockum im Frühling einen harten Sparkurs angekündigt hatte, gab es Ärger. Als Höhepunkt musste Vodafone sogar am 14. Juni die Eröffnung der neuen Firmenzentrale absagen — Mitarbeiter und Gewerkschaft IG Metall hatten Proteste angekündigt. Doch schon an diesem Tag zeigte Schulte-Bockum, dass er lernfähig ist: Als die Demonstration trotz Absage der Eröffnungsfeier stattfand, ging der Chef ohne Personenschutz zu den Mitarbeitern.

Auch bei der Umorganisation des Servicebereiches manövrierte er flexibel: Monatelang wurde mit der Ausgründung des Bereiches mit seinen 2500 Mitarbeitern gedroht. Doch nachdem die IG Metall Streiks ankündigte, einigte man sich auf deutlich schlechtere Einstiegsgehälter sowie längere Arbeitszeiten. Auf internen Versammlungen hat die Belegschaft die Lösung mittlerweile mit großen Mehrheiten abgenickt.

Das reicht dem Management nicht: So sollen rund 100 IT-Arbeitsplätze nach Indien verlagert werden — erstaunlicherweise hat das Projekt den Geheimnamen "Oslo" und nicht den einer indischen Stadt. Hier muss nun die Einigungsstelle über den Sozialplan entscheiden.

Viel wichtiger für das Unternehmen als der interne Umbau ist aber ein wieder größerer Erfolg im Markt. Nächste Woche will Schulte-Bockum die Quartalszahlen und eine neue Wachstumsoffensive erläutern. Drei Eckpunkte stehen dabei nach Informationen unserer Zeitung fest.

Erstens wird Vodafone Smartphones künftig großzügiger bezuschussen als bisher. Damit reagiert das Unternehmen auf das hohe Wachstum der Telekom gerade bei Vertragskunden. Nun sollen die jährlichen Ausgaben für das Ködern und Halten von Kunden um rund 150 Millionen Euro steigen — attraktive Smartphones gibt es bei Vodafone also künftig günstiger.

Für Netzausbau hat die Londoner Zentrale mindestens 100 Millionen Euro zusätzlich im Jahr freigegeben. Das Geld kommt aus dem sieben Milliarden Euro hohen Programm "Spring" (Frühling). Damit will der Weltkonzern Vodafone die gigantische Einnahme von 96 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Minderheit am US-Mobilfunker Verizon Wireless zum Teil neu investieren.

Drittens will Schulte-Bockum den Zukauf Kabel-Deutschland möglichst schnell integrieren. Rund zehn Milliarden Euro gibt Vodafone für Deutschlands größten Kabel-TV-Anbieter aus. Ziel ist, in großen Teilen Deutschlands sehr viel schnellere Internetanschlüsse zu vermarkten. Schönheitsfehler des Projekts: Im Stammland NRW ist Kabel-Deutschland nicht vertreten.

(RP)