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London/Düsseldorf: Warum AT&T nun Vodafone kaufen möchte

London/Düsseldorf : Warum AT&T nun Vodafone kaufen möchte

Der Verkauf von Verizon beschert Vodafone Milliarden – und ausgerechnet dieser Deal macht den Mobilfunkgiganten nun zu einem möglichen Übernahmeopfer. Falls AT&T zuschlägt, hätte das auch Folgen für Düsseldorf.

Mit Übernahmen hat Vodafone reichlich Erfahrung: Vor 13 Jahren wagten die Briten mit dem Kauf der Düsseldorfer Mannesmann für 190 Milliarden Euro die bis jetzt größte Übernahme der Welt. Die deutsche Mobilfunksparte D2 firmierte in Vodafone-Deutschland um, der Rest von Mannesmann wurde verscherbelt.

Ausgerechnet ein tolles Geschäft macht den erfolgreichsten Mobilfunkkonzern der westlichen Welt nun selbst zum Objekt der Begierde. Der amerikanische Branchengigant AT&T prüft eine Übernahme von Vodafone, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg erneut nach ähnlichen Hinweisen vor zwei Monaten.

Dabei soll eine einmalige Chance genutzt werden: Vodafone-Chef Vittorio Colao gibt den 45-prozentigen Anteil am größten Mobilfunker der USA, Verizon Wireless, für insgesamt 100 Milliarden Euro ab. Weil Vodafone damit nicht mehr in den USA vertreten ist, hat Amerikas Marktführer erstmals die Möglichkeit, Europas Primus zu kaufen.

Strategische Logik Mit Vodafone als Ableger würde dann erstmals ein fast globaler Telefonkonzern entstehen: Fast ganz Europa, Teile von Afrika oder auch Indien werden von Vodafone mit seinen insgesamt 400 Millionen Kunden versorgt, wogegen AT&T die USA, Kanada und eine Reihe an Aktivitäten in Lateinamerika in die Ehe einbringen könnte. "Erstmals würde ein Telefonkonzern fast die ganze Welt abdecken", schwärmt Frank Rothauge, Chef der Frankfurter Anlagefirma AHP Capital Management. "Damit könnte man bei Einkaufsverhandlungen von Smartphones speziell gegenüber Apple stärker auftrumpfen."

Preis Doch so verlockend der Zusammenschluss aus strategischer Sicht sein könnte, ist er keineswegs entschieden. Der Hauptgrund: Gerade weil Vodafone seit zwei Monaten als mögliches Übernahmeziel gilt, stieg der Aktienkurs um 25 Prozent. Als Ergebnis ist das Unternehmen mittlerweile fast 150 Milliarden Euro wert. AT&T wird dagegen relativ konstant mit "nur" 140 Milliarden Euro bewertet – eine "feindliche Übernahme" ist also im Moment schwer denkbar.

Trotzdem nehmen Colao und die anderen Spitzenmanager die Bedrohung von AT&T ernst: In der ganzen Telefonbranche rechnen Experten mit einer Fusionswelle, um Kosten zu senken – es kommt also darauf an, Jäger statt Gejagter zu sein. Außerdem wird der Wert von Vodafone wieder deutlich schrumpfen: Aus dem Erlös für Verizon Wireles wird der Konzern mehr als 60 Milliarden Euro in Bargeld und in Wertpapieren an seine Aktionäre ausschütten – entsprechend nimmt der Wert von Vodafone auf Dauer wieder ab.

Auf Zeit spielen Doch der frühere McKinsey-Berater Colao agiert geschickt: Die Auszahlung der Milliardensummen wird über einige Jahre gestreckt – das hält erst einmal den Konzernwert hoch. Gleichzeitig investieren die Briten in Wachstumsfelder: Das Geschäft in Indien wird ausgebaut. Im Rahmen einer "Operation Frühling" fließen sechs Milliarden Euro in die Aufrüstung der Netze. Und für Deutschland als noch immer umsatzstärksten Vodafone-Ableger der Welt spendiert Colao sogar zehn Milliarden Euro, um Kabel-Deutschland (KD) zu übernehmen. "Wir schaffen einen integrierten Festnetz- und Mobilfunkkonzern", freut sich Deutschland-Statthalter Jens Schulte-Bockum. "Kabel-Deutschland ist zwar teuer", heißt es aus Colaos Umfeld. "Trotzdem ist der Schritt richtig."

Düsseldorf Die große Frage ist nun, was eine Übernahme von Vodafone für das deutsche Geschäft bedeuten würde. Nicht logisch ist dabei die Spekulation, dass AT&T auf einen Verkauf von Kabel Deutschland drängen würde – im Heimatmarkt setzt AT&T selbst auf die Integration von Festnetz- und Mobilfunk. Gleichzeitig könnte es gut sein, dass die Deutschlandtochter eines neuen AT&T-Vodafone-Konzerns mehr Eigenständigkeit hätte als jetzt. "Als wichtigste Ländergesellschaft des Kontinents könnten wir ja in Europa die Führung übernehmen", meint ein Manager, "dann hätte London weniger zu sagen."

(RP)