Bundesverkehrsminister im Interview: Ramsauer setzt auf Aufträge aus dem Irak

Bundesverkehrsminister im Interview : Ramsauer setzt auf Aufträge aus dem Irak

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) spricht im Interview mit unserer Redaktion über die Zukunft des künftigen Berliner Flughafens sowie über Fehler bei dessen Bau. Am Montag reist Ramsauer in den Irak, um Wirtschaftskontakte auszubauen – riesige Aufträge locken.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) spricht im Interview mit unserer Redaktion über die Zukunft des künftigen Berliner Flughafens sowie über Fehler bei dessen Bau. Am Montag reist Ramsauer in den Irak, um Wirtschaftskontakte auszubauen — riesige Aufträge locken.

Sie treten heute eine wichtige Flugreise in den Irak an — freuen Sie sich schon, irgendwann auch vom neuen Berliner Großflughafen BER starten zu können, oder wird das nichts mehr innerhalb Ihrer Amtszeit?

Ramsauer Na klar freue ich mich darauf. Der BER wird irgendwann eine Erfolgsgeschichte sein, auch wenn wir vorher noch einige Probleme lösen müssen. Innerhalb dieser Legislaturperiode wird es mit der Inbetriebnahme wohl nichts mehr werden. Ob sie innerhalb meiner Amtszeit erfolgt, entscheiden letztlich die Wählerinnen und Wähler bei der Bundestagswahl. Ich bin gerne Verkehrsminister und ich möchte es bleiben. Es gibt noch viel zu tun.

Haben Sie prüfen können, ob Sie bei den Pannen rund um den Airport auch Verantwortung tragen?

Ramsauer Die Aufsichtsräte des Bundes und ich selbst nehmen die Verantwortung als Minderheitseigner sehr ernst und gewissenhaft wahr. Ich kann aber nur über die vergangenen drei Jahre sprechen — bei einem Projekt, das seinen Ursprung in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat und dessen Spatenstich mehr als sechs Jahre zurückliegt. Ich bin nun der siebte Verkehrsminister, der sich mit dem Hauptstadtflughafen am Standort Schönefeld beschäftigt! Wenn Sie mich nach Fehlern der jüngsten Zeit fragen: Vielleicht wäre es besser gewesen, dem Flughafenmanagement eher zu misstrauen und nicht immer neue Starttermine zu nennen.

Was muss der neue Flughafen-Chef alles können — Wilhelm Bender gilt ja als Ex-Chef des Frankfurter Flughafens als Wunschkandidat.

RamsAuer An Personalspekulationen beteilige ich mich nicht. Zum Anforderungsprofil gehören jedenfalls hervorragende Management-Fähigkeiten. Der neue Chef braucht wirtschaftliche, technische und soziale Kompetenz. Er muss in das Unternehmen hineinwirken — mit Leidenschaft, Motivation und Fingerspitzengefühl. Und er braucht eine patriotische Berufung, den BER als Chef zum Erfolg zu führen. Im Interesse des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Wilhelm Bender würde das Profil erfüllen.

Was erwarten Sie von Ihrer Irak-Reise?

ramsauer Mir war es von Beginn meiner Amtszeit an wichtig, deutschen Unternehmen in den Bereichen Infrastruktur, Wohnungs- und Städtebau auch im Ausland Türen zu öffnen. Deutsche Expertise und Qualität sind international anerkannt und gefragt. Daher habe ich bereits 2010 eine Außenwirtschaftsinitiative ins Leben gerufen. Auch auf dieser Reise begleiten mich hochrangige Wirtschaftsvertreter aus der Transport-, Maschinenbau-, Ingenieur-, Bau- und Stadtplanungsbranche. Gemeinsam werden wir mit den irakischen Regierungs- und Wirtschaftsvertretern intensive Gespräche führen. Natürlich hoffe ich auf ganz konkrete Ergebnisse.

Um welches Volumen an möglichen Aufträgen für die deutsche Wirtschaft geht es?

Ramsauer Der langfristige irakische Investitionsbedarf wird auf bis zu 700 Milliarden US-Dollar geschätzt. Vor diesem Hintergrund ist die Reise natürlich hochinteressant für die mich begleitende Wirtschaftsdelegation und für die irakische Seite. Denn Deutschland will und kann beim Wiederaufbau der Infrastruktur helfen. Wir werden über die drängendsten Vorhaben reden. Also über den Hafenneubau, die Wiederherstellung des Schienenverkehrs, den Wohnungsbau und die Sanierung des Mosul-Staudammes.

Was können Sie deutschen Unternehmen zur Sicherheitslage sagen? Wie sollen sie damit umgehen?

Ramsauer Grundsätzlich rate ich jedem Unternehmen, auf der Basis der Empfehlungen des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft in Bagdad eine eigene Risikobewertung zu treffen. Und man sollte zwischen Regionen mit eher angespannter und solchen mit deutlich besserer Sicherheitslage unterscheiden.

Kann der Irak auch ein Wiederaufbaumodell für Afghanistan werden?

Ramsauer Zwar gibt es die Gemeinsamkeit, dass beide Länder in den letzten Jahrzehnten durch diktatorische Regime, bewaffnete Konflikte und durch Anschläge große Zerstörungen und menschliches Leid ertragen mussten. Ich vermute jedoch, dass sich der Irak durch seinen Ölreichtum in einem deutlichen Vorteil gegenüber Afghanistan befindet: Er kann mit stetigen Deviseneinkünften rechnen, die den Wiederaufbau sicher beschleunigen. Der Irak verfügt über viele gut ausgebildete Fachkräfte. Angesichts der rasanten Wirtschaftsentwicklung und im Falle einer weiteren Beruhigung der Lage werden viele Menschen in ihre Heimat zurückkehren.

GREGOR MAYNTZ STELLTE DIE FRAGEN

(may-)
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