Düsseldorf: Das taugen Lebensversicherer

Düsseldorf: Das taugen Lebensversicherer

(RP). Die Rating-Agentur Fitch erwartet, dass viele Anbieter in diesem Jahr ihre Überschuss-Zinsen senken. Zugleich hat sie bewertet, wie stabil die verschiedenen Versicherer sind. Das ist wichtiger als einmalig hohe Gutschriften.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Lebensversicherungen nicht erschüttert. Das liegt auch daran, dass die Versicherer im Schnitt nur zehn Prozent ihres Kapitals in Aktien halten. Doch die dauerhaft niedrigen Zinsen machen es Unternehmen zunehmend schwer, das eingesammelte Kapital gewinnbringend anzulegen, wie eine Analyse der Rating-Agentur Fitch ergab. "Die Lebensversicherer sind zwar relativ gut durch die Krise gekommen, werden aber ihre Überschüsse in der Zukunft weiter senken müssen", sagt Tim Ockenga, Chefanalyst aus Frankfurt.

Zwar konnten die Assekuranzen im vergangenen Jahr durch erholte Kapitalmärkte die Nettoverzinsung ihrer Anlagen steigern und mussten für ihre Auszahlungen keine Reserven mehr auflösen. Trotzdem rechnet Ockenga damit, dass aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen im kommenden Jahr eine ganze Reihe von Lebensversicherern ihre Überschuss-Zinsen um einige Zehntel reduzieren. Marktweit beträgt die laufende Gesamtverzinsung derzeit 4,2 Prozent.

Zwar sollten die Kunden beachten, dass am Ende der Vertragslaufzeit die meisten Versicherer noch einen Schlussüberschuss zahlen. Trotzdem wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Denn umgerechnet auf den gezahlten Beitrag liegt laut der Kölner Rating-Agentur Assekurata die Rendite der privaten Rentenversicherungen in Deutschland derzeit bei 3,9 Prozent. Die Spannbreite ist dabei sehr groß. Der schlechteste Anbieter bringt es lediglich auf eine Beitragsverzinsung von 2,3 Prozent, während der beste fünf Prozent erreicht.

Wer eine neue Lebensversicherung abschließt, sollte aber nicht nur auf die bislang erreichte Rendite schauen. Topzahler sind auf Dauer nur stark, wenn sie gleichzeitig finanzstark sind, also über ausreichende Reserven verfügen. "So garantieren hohe Rückstellungen für Beitragsrückerstattung, dass der Versicherer besser auf schwankende Kapitalmärkte reagieren und seinen Aktienanteil flexibler gestalten kann", sagt Analyst Ockenga.

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Wer dagegen seine Reserven bereits weitgehend angegriffen hat, kann möglicherweise über Jahre seine Verzinsung nicht mehr hochfahren. Dann droht sogar die Einstellung des Neugeschäfts. Experten fürchten, dass solche Gesellschaften, die nicht mehr um Neukunden buhlen müssen, auch für ihre Altkunden wenig tun. Das ist ein weiterer Grund, warum Kunden auf eine gute Bewertung ihres Lebensversicherers achten sollten.

Zudem sollten Bürger, die sich für eine neue Police interessieren, auch auf das Rating der Anbieter schauen. Ein Warnsignal ist es, wenn ein Versicherer ganz aus dem Rating-Verfahren aussteigt. Möglicherweise möchte sich die Assekuranz wegen schlechter Zahlen nicht mehr von Experten in die Bücher schauen lassen. Aus dem Fitch-Rating sind beispielsweise in der letzten Zeit die Ideal-Versicherung, die Direkte (Stuttgarter-Gruppe), die WWK, die CiV (heute Targo), die Post Bank Versicherung und die Neue Leben ausgeschieden.

Fitch betont allerdings, dass dies auch strategische Gründe haben kann. So lassen sich viele Assekuranzen nur noch von einem Anbieter bewerten, weil Ratings sehr aufwändig sind. Neben Fitch werden Lebensversicherer durch die Agenturen Standard Standard & Poor's, Moody's, Assekurata und den Map-Report bewertet.

(RP)