Jürgen Fitschen muss vor Gericht: Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef

Jürgen Fitschen muss vor Gericht : Anklage gegen Deutsche-Bank-Chef

Spitzenmanager Jürgen Fitschen, seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weiteren früheren Vorständen droht 2015 ein Prozess wegen versuchten Betrugs und Falschaussage.

Das Landgericht München könnte im kommenden Jahr Schauplatz eines der spektakulärsten Strafprozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte werden. Wenn das Gericht die Anklage der Staatsanwaltschaft München I zulässt, werden sich der heutige Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig wegen des Verdachts auf schweren Betrug verantworten müssen. Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck sind zudem wegen uneidlicher Falschaussage angeklagt worden.

Für den Betrugsvorwurf sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor, bei Falschaussage sind Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren möglich. Zudem droht der Deutschen Bank selbst bei einer Verurteilung der Manager eine Geldbuße bis zu einer Million Euro, weil die Beklagten als Vorstände einer Aktiengesellschaft eine vorsätzliche Straftat begangen hätten und dadurch Pflichten des Unternehmens verletzt worden wären.

In dem Verfahren geht es um die Aussagen der fünf Manager im Zivilprozess gegen die Erben des 2011 verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Die Kirch-Seite warf der Bank und deren Ex-Chef Breuer vor, 2002 durch ein Interview zur Kreditwürdigkeit Kirchs die Pleite von dessen Medienkonzern verursacht zu haben. Die Deutsche Bank hatte sich im Februar dieses Jahres bereiterklärt, rund 925 Millionen Euro zu zahlen. Die strafrechtlichen Ermittlungen liefen aber trotzdem weiter, weil das Gericht den Aussagen der Manager nicht glaubte.

Ein möglicher Prozess gegen das Quintett dürfte frühestens im nächsten Jahr beginnen. Das Landgericht München, das vermutlich mehrere Monate für die Prüfung der 627 Seiten umfassenden Anklageschrift benötigen wird, hat sich noch nicht geäußert, ebenso wenig wie Anwälte der Manager. Die Deutsche Bank bezog gestern ebenfalls keine Stellung, hat in der Vergangenheit aber mehrfach vor allem mit Blick auf Fitschen betont, sie halte die Vorwürfe für haltlos und sei überzeugt, "dass sich der Verdacht gegen Jürgen Fitschen als unbegründet erweisen wird".

Das sehen die Ankläger völlig anders. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie gehe "nach Abschluss der Ermittlungen davon aus, dass die fünf Angeschuldigten kollusiv zusammenwirkten, um das Oberlandesgericht München durch falsche Angaben zu täuschen und so eine Klageabweisung zu erreichen". Ackermann, Börsig und von Heydebreck hätten im Zivilprozess "falsche Angaben" Breuers untermauert; Fitschen sei zwar "der gemeinsamen Verteidigungsstrategie der Beklagten bei seiner Parteianhörung nicht umfänglich" gefolgt, haber aber keine schlüssige Angaben gemacht. Das habe Fitschen so gehandhabt, weil er selbst keine falschen Angaben machen wollte. Gleichzeitig habe er auch nicht die Strategie Breuers torpedieren wollen. Zudem hätten Ackermann und Fitschen ihre Aussagen nicht nachträglich korrigiert. Und das, obwohl bei Durchsuchungen Unterlagen gefunden worden seien, die belegt hätten, dass Breuers Angaben falsch gewesen seien.

Die Börse hat auf die Anklage mit Kursverlusten reagiert. Mehr als zwei Prozent betrug das Minus für die Aktie, ehe der Kurs wieder stieg..

(RP)
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