Air-Berlin-Insolvenz trifft Düsseldorf

Angeschlagene Fluggesellschaft : Air-Berlin-Insolvenz trifft Düsseldorf

Der Flughafen der Landeshauptstadt macht ein Drittel seines Geschäfts mit der hoch verschuldeten Fluggesellschaft. Teile des Unternehmens sollen jetzt von Konkurrenten übernommen werden.

Die Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent. Noch im Juli hatte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann gesagt: "Die wirtschaftliche Lage ist im operativen Geschäft gut." Außerdem habe Hauptaktionär Etihad noch im April zugesichert, Air Berlin weitere 18 Monate lang zu unterstützen.

Knapp sechs Wochen später sind diese Aussagen Makulatur. Am Freitag sollen die Araber zunächst eine eigentlich vereinbarte Kredit-Tranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht an Air Berlin überwiesen haben. Wenig später, so heißt es im Umfeld der Unternehmen, habe Etihad den Deutschen mitgeteilt, dass man sie nicht länger unterstützen werde. Am Dienstag stellte Air Berlin dann in Berlin einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Rund 8500 Mitarbeiter sind betroffen.

Zufall oder nicht: Bereits am Dienstag gab es am Umbuchungsschalter von Air Berlin am Düsseldorfer Flughafen lange Schlangen. Der Airport ist neben Berlin der wichtigste Standort der Fluggesellschaft. Umgekehrt ist Air Berlin für Düsseldorf auch die wichtigste Fluglinie. Auf sie entfallen nach Angaben des Flughafens rund 30 Prozent des Geschäfts, bei den Langstreckenflügen sind es sogar 40 Prozent. Allein 2016 flogen mehr als 7,5 Millionen Passagiere mit Air Berlin von Düsseldorf aus. Das entspricht knapp 59.000 Flügen.

Der Düsseldorfer Flughafen will Air Berlin daher bei ihren Restrukturierungsbemühungen unterstützen. "Gemeinsam konzentrieren wir uns weiterhin darauf, das Fluggeschäft an unserem Standort auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten", sagte Flughafen-Chef Thomas Schnalke. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte: "Wir stehen im engen Austausch mit dem Bund, Air Berlin, der Mitarbeitervertretung und dem Flughafen Düsseldorf."

Einbrechende Passagierzahlen, Flugausfälle, Verspätungen

Etihad begründete seinen Rückzug damit, dass sich das Air-Berlin-Geschäft rapide verschlechtert habe. Zuletzt hatten Meldungen über einbrechende Passagierzahlen für Unruhe gesorgt — auch wenn Air Berlin diese Darstellung zurückgewiesen hatte. Immer wieder kam es zuletzt auch zu Flugausfällen und massiven Verspätungen.

Anstelle von Etihad springt nun der Bund als Geldgeber ein. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte am Dienstag, man werde Air Berlin einen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro gewähren. Das Geld komme von der Staatsbank KfW und sei mit einer Bundesbürgschaft abgesichert. Damit könne Air Berlin für etwa drei Monate über Wasser gehalten werden. In dieser Zeit sollten Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Fluglinie durch die Lufthansa geführt werden. Gespräche seien bereits angelaufen. Neben der Lufthansa soll auch der britische Billigflug-Anbieter Easyjet interessiert sein.

"Kunden können nur hoffen, dass die Flüge tatsächlich durchgeführt werden"

Laut Zypries soll der Kredit auch dafür sorgen, dass Touristen aus dem Urlaub nach Hause gebracht werden können. "Es wäre nicht möglich gewesen, durch andere Anbieter die Rückreise deutscher Urlauber sicherzustellen", sagte sie. Durch den Kredit könne der Flugbetrieb aufrechterhalten werden.

Verbraucherschützer fordern jedoch auch einen Insolvenzschutz für jene Kunden, die bereits ein Ticket gekauft, den Flug aber noch nicht angetreten haben. Wenn die Flüge nicht durchgeführt würden, greife anders als bei Pauschalreisen keine Absicherung, heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband: "Die Kunden können nur hoffen, dass die Flüge tatsächlich durchgeführt werden."

Was die Insolvenz für den Düsseldorfer Flughafen bedeutet, lesen Sie hier im Interview mit Flughafenchef Schnalke.

Was Air-Berlin-Kunden jetzt wissen müssen, lesen Sie hier.

Unseren Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

(frin, mar)
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