Air Berlin: Was Reisende jetzt wissen müssen

Air Berlin stellt Insolvenzantrag: Was Reisende jetzt wissen müssen

Air Berlin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Zwar geht der Flugbetrieb während des laufenden Verfahrens in Eigenverwaltung weiter, doch viele Verbraucher sind verunsichert. Was bedeutet die neue Situation für Kunden, die bereits Air-Berlin-Tickets besitzen?

Der Insolvenzantrag der Fluggesellschaft Air Berlin mitten in der sommerlichen Hauptreisezeit wirft bei vielen Menschen in Deutschland Fragen auf. Was passiert mit meinem bereits gebuchten Flug? Sollte ich stornieren? Oder besser abwarten, wie es bei der Fluggesellschaft weitergeht? Viele Urlauber dagegen, die sich aktuell an beliebten Reisezielen von Kreta über Mallorca bis Florida aufhalten, wollen vor allem wissen: Komme ich aus meinem Urlaub wie geplant zurück nach Hause? Und muss mein Reiseveranstalter nun etwas für mich tun? Was Urlauber und andere Reisende jetzt wissen sollten:

Ich habe in Kürze einen Air-Berlin-Flug gebucht: Alle Flüge mit der Air Berlin und ihrer Tochter Niki finden im Moment wie geplant statt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Auch behalten die Flugpläne ihre Gültigkeit. Das bedeutet für Air-Berlin-Kunden, die sich zum Beispiel gerade im Sommerurlaub befinden oder in diesen starten möchten, dass sie ihre gebuchten Flüge auch antreten können. Möglich ist dies allerdings nur, weil die Bundesregierung dem Unternehmen einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt hat. Ohne diesen wäre Air Berlin aufgrund der Regelungen im Insolvenzrecht verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb unmittelbar einzustellen.

Mein Flug ist in mehreren Monaten geplant: Was der Insolvenzantrag langfristig für den Flugbetrieb bedeutet, ist noch unklar. Die Fluggesellschaft will sich neu strukturieren und steht dazu in Verhandlungen. "Sollte ein anderes Unternehmen Air Berlin jedoch übernehmen, wird es nicht auch die Altlasten übernehmen", gibt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover zu bedenken.

Ist es sinnvoll, gebuchte Tickets zu stornieren: Wer nicht abwarten will, ob Air Berlin in ein paar Monaten noch fliegt oder nicht, kann versuchen, sein Ticket zu stornieren. Das ist allerdings nicht immer möglich - und auch nicht immer sinnvoll. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät derzeit von einer Stornierung ab. Denn Kunden haben nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren und nicht immer auf den Ticketpreis. Im teuersten Air-Berlin-Flugtarif Economy Flex geht das Stornieren manchmal kostenfrei, in Economy Classic teilweise gegen Gebühr. Für den Tarif Economy Light ist eine Stornierung immer ausgeschlossen.

  • Angeschlagene Fluggesellschaft : Air Berlin meldet Insolvenz an

Auch Rechtsanwalt Degott sagt zum Thema Stornierung: "Kunden haben dann meist mehrere Nachteile." Denn für ein Ersatzticket entstehen weitere Kosten, und zusätzlich bleibt die Unsicherheit, ob Betroffene ihre Ansprüche überhaupt durchsetzen können. "Eine Stornierung ist auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich", sagt Degott. Kunden sollten lieber genau beobachten, wie sich die Lage entwickelt.

Unterschiede bei Einzel- oder Pauschalreise: Reisende, die ihre Flugtickets selbst gebucht haben, stehen rechtlich anders dar als Pauschalurlauber, die ein Paket aus Flug, Hotel und anderen Leistungen über einen Reiseveranstalter gekauft haben.

Ich habe bereits einen Entschädigungsanspruch: Viele Kunden haben offene Ansprüche gegenüber Air Berlin, weil es in der Vergangenheit zum Beispiel zu einer Flugverspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung kam. In solchen Fällen steht Passagieren laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung bei Unternehmen wie Air Berlin, die in der EU ihren Sitz haben, eine Entschädigung zu - je nach Flugdistanz 250, 400 oder 600 Euro. Die Airline muss für die Annullierung oder Verspätung verantwortlich gewesen sein, zum Beispiel wegen eines technischen Defektes. Betroffene müssen sich weiterhin an Air Berlin oder später gegebenenfalls an den Insolvenzverwalter wenden. Ob offene Entschädigungsleistungen dann tatsächlich gezahlt werden, ist laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aber ungewiss.

(csi/dpa)