New: 303 Verkehrstote wegen Pannenserie bei GM?

New : 303 Verkehrstote wegen Pannenserie bei GM?

General Motors verbaute von 2003 bis 2007 fehlerhafte Zündschlösser, der Rückruf erfolgte aber erst jetzt.

York (dpa) Es sind Fotos wie von Natasha Weigel und ihrer Freundin Amy Rademaker, die die USA derzeit bewegen. Die beiden 18 und 15 Jahre jungen Frauen starben vor acht Jahren, als ihr Auto von einer Landstraße in Wisconsin abkam und gegen Bäume prallte. Der Grund blieb damals unklar. Heute steht fest: Ihr Chevrolet Cobalt gehörte zu jenen Modellen aus dem Hause General Motors, bei denen während der Fahrt die Zündung ausgehen kann. Weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker oder Airbags funktionieren dann.

Im Februar hat GM einen Rückruf von 1,6 Millionen Wagen gestartet. Der Opel-Mutterkonzern muss sich nun die Frage gefallen lassen, warum er so lange brauchte, um das Problem anzugehen. Die betroffenen Wagen stammen aus den Jahren 2003 bis 2007. Damals hatte GM ein Zündschloss eingebaut, das zu schwach ausgelegt war. Die Folge: Wenn etwas Schweres am Schlüsselbund hängt oder die Straße zu schlecht ist, droht der Zündschlüssel in die "Aus"-Position zurückzuspringen – mit möglicherweise fatalen Folgen.

Modelle der GM-Tochter Opel sind nicht betroffen. General Motors selbst bringt zwölf Unfallopfer mit dem fehlerhaften Zündschloss in Verbindung. Die Verbraucherschutzorganisation Center for Auto Safety berichtete unter Berufung auf eine externe Auswertung offizieller Unfalldaten über 303 Tote bei Crashs, in denen die Airbags nicht ausgelöst hätten. Möglicherweise liege die Zahl auch noch höher. In die Untersuchung wurden demnach nur zwei von sieben zurückgerufenen Modellen einbezogen. GM spricht von "purer Spekulation".

Längst ist der Fall zu einer Gefahr für das Image des Autokonzerns geworden. Welche Auswirkungen verlorenes Vertrauen haben kann, hat die Rückrufwelle 2010 bei Toyota gezeigt. Damals ließen Berichte über klemmende Gaspedale die Verkäufe einbrechen. So weit ist es bei General Motors nicht. GM räumte aber unlängst ein, dass es schon 2001 während der Entwicklung Probleme mit dem Zündschloss gab. Nun untersuchen die Justiz, der Kongress und die Verkehrssicherheitsbehörde in den USA, ob General Motors die Warnzeichen ignoriert hat.

(RP)
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