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EU - 60 Jahre römische Verträge: Lob der Sonntagsrede

60 Jahre römische Verträge : Lob der Sonntagsrede

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs feiern in Rom die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren. Sie wurden zur Grundlage für die Europäische Union. In dieser Zeit haben viele Politiker große Worte über die EU gefunden.

Europäische Politiker schlagen gern den hohen Ton an. Viel wird deshalb auf sie geschimpft — wohlfeil sei das und wirklichkeitsfern. Dabei steckt in großen Europa-Reden viel Wahres: Krieg ist in der EU nicht mehr vorstellbar. Der Kontinent ist eine Wohlstandsgemeinschaft geworden — hochattraktiv vor allem für die, die noch vor der Tür stehen. Europa ist Ursprung und Objekt großer Hoffnungen. Unser Autor Frank Vollmer hat sieben Beispiele zusammengestellt, die das bezeugen.

"Die Deutschen waren uns noch nie in der Geschichte unserer langen Nachbarschaft so gute Nachbarn, wie sie es heute sind. Das Trennende gibt es nicht mehr, und das Gemeinsame ist seit 1945 auf dem Vormarsch. Wer zweifelt, wer auch an Europa verzweifelt - wer täte das nicht in diesen Tagen? -, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen. Dort kann man sehen, wozu das Nicht-Europa, das Gegeneinander der Völker, das nicht miteinander wollen, das nicht miteinander können, führen muss. Und deshalb sind Soldatenfriedhöfe, der Soldatenfriedhof hier in Sandweiler, Soldatenfriedhöfe überall in Europa, permanente Zeugnisse dafür, dass es eine heilige Pflicht bleibt, die europäische Freundschaft nicht enden zu lassen. Wer hier steht, begreift Europa besser."
Jean-Claude Juncker, luxemburgischer Ministerpräsident, am 4. Juni 2005 auf dem deutschen Soldatenfriedhof Sandweiler in Luxemburg.

"Wir können es uns nicht leisten, den Hass und die Rachegefühle durch die kommenden Jahre mitzuschleppen. Können sich die freien Völker Europas zur Höhe solcher Entschlüsse aufschwingen, die uns Seele und Instinkt des menschlichen Geistes nahelegen? Besteht irgendeine Notwendigkeit für weitere Qualen? Ist die Unbelehrbarkeit der Menschheit die einzige Lehre der Geschichte? Lasst Gerechtigkeit, Gnade und Freiheit herrschen! Die Völker müssen es nur wollen, und alle werden ihren Herzenswunsch erfüllen."
Winston Churchill, britischer Oppositionsführer, am 19. September 1946 an der Universität Zürich.

"In dieser modernen Welt führt das Bestreben, in größeren Gruppen von Nationen im gemeinsamen Interesse zusammenzuwirken, zu größerer Einheit. Es vergrößert so unsere Stärke im Kampf für die Freiheit. Ich glaube, dass es sowohl unsere Pflicht ist als auch in unserem Interesse liegt, zu dieser Stärke beizutragen, indem wir die größtmögliche Einheit in Europa sicherstellen."
Harold Macmillan, britischer Premierminister, am 31. Juli 1961 im Unterhaus über das formelle Beitrittsgesuch Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

"Wir verstehen, dass die europäische Einheit nicht nur nach innen entstehen kann, sondern auch nach außen. Das geschichtliche Wesen Europas besteht genau darin: sich der Welt zuzuwenden. Jeder Versuch, ein in sich geschlossenes Europa zu erbauen, wird zum Scheitern verurteilt sein."
Felipe González, spanischer Ministerpräsident, am 13. Juni 1985 in Madrid anlässlich der Unterzeichnung des Beitrittsvertrags zwischen Spanien und der Europäischen Gemeinschaft.

"Indem wir uns heute zum sogenannten Westen bekennen, bekennen wir uns damit vor allem und hauptsächlich zu einer bestimmten Zivilisation, zu einer bestimmten politischen Kultur, zu bestimmten geistigen Werten und universellen Prinzipien. Keineswegs also nur zu den reicheren Nachbarn. Dabei geht es nicht um eine Zivilisation, Kultur und um Werte, die uns - nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems - plötzlich gefallen, sondern um eine Zivilisation, Kultur und um Werte, die wir als die unseren empfinden, weil wir lange Jahrhunderte hindurch an ihrer Schaffung beteiligt waren. Es geht also nicht um die Faszination durch eine andere Welt. Es geht im Gegenteil um das Sehnen, nach Jahrzehnten unnatürlicher Abweichung wieder auf den Weg zurückzukehren, der einst auch der unsere war."
Václav Havel, Präsident der Tschechoslowakei, am 9. Mai 1991 in Aachen anlässlich der Verleihung des Internationalen Karlspreises.

"Einheit bedeutet nicht politische, wirtschaftliche, kulturelle oder gedankliche Uniformität. In Wirklichkeit lebt jede authentische Einheit vom Reichtum der Verschiedenheiten, die sie bilden: wie eine Familie, die umso einiger ist, je mehr jedes ihrer Mitglieder ohne Furcht bis zum Grund es selbst sein kann. In diesem Sinn meine ich, dass Europa eine Familie von Völkern ist, welche die Institutionen der Union als nah empfinden können, falls diese es verstehen, das ersehnte Ideal der Einheit weise mit der je verschiedenen Eigenart eines jeden zu verbinden."
Papst Franziskus am 25. November 2014 in Straßburg vor dem Europaparlament.

Winston Churchill einstiger britischer Oppositionsführer. Foto: ap

"Nicht ein Europa der Mauern kann sich über Grenzen hinweg versöhnen, sondern ein Kontinent, der seinen Grenzen das Trennende nimmt. Gerade daran mahnt uns das Ende des Zweiten Weltkrieges. Wir haben die Zuversicht, dass der 8. Mai nicht das letzte Datum unserer Geschichte bleibt, das für alle Deutschen verbindlich ist."
Richard von Weizsäcker, Bundespräsident, am 8. Mai 1985 in Bonn zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa.

Václav Havel, ehemaliger Präsident der Tschechoslowakei. Foto: dapd, Petr David Josek

Wenn wir nur gemeinsame Verwaltungssysteme schaffen ohne einen höheren politischen Willen, dann besteht die Gefahr, dass diese Aufgabe, Europa zu bauen, im Vergleich zur Vitalität einzelner Nationen kalt und ohne alle Ideale erscheint. Manchen könnte es gar als überflüssiges, drückendes Joch erscheinen, wie das Heilige Römische Reich in gewissen Momenten seines Niedergangs.
Alcide De Gasperi, italienischer Ministerpräsident, am 10. Dezember 1951 in Straßburg vor der Beratenden Versammlung des Europarats.

(fvo)