Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion.

Kolumne: Gott und die Welt : So schreiben wir Geschichte

Deutsche Politiker sollten Verantwortung für sich und die Geschichte übernehmen.

Wir erinnern in diesen Tagen an den Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. Dabei wird uns wieder bewusst, wie wichtig das Gedenken für das friedliche Zusammenleben ist.

Der Zweite Weltkrieg forderte mehr als 50 Millionen Kriegstote – die meisten davon in der Sowjetunion, sechs Millionen Juden wurden als Folge des nationalsozialistischen Rassenwahns ermordet. Bis heute sprechen wir von einem beispiellosen Zivilisationsbruch. Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte am 8. Mai 1985: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“

Diese Verantwortung beginnt bei der Art, wie sich jemand äußert. Wenn aktuell Bundestagsabgeordnete den Millionen Opfern nationalsozialistischer Politik kaum mehr an Bedeutung beimessen als den Ausscheidungen von Flugtieren, dann ist das kalkulierte Stimmungsmache. Das fordert unseren Widerspruch, weil Zwietracht gesät wird, wo verantwortetes Handeln gefragt ist.

Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit Fjodr aus der russischen Stadt Pskow. Seine Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Erst waren wir befangen. Doch bald unterhielten wir uns lebhaft mit Händen und Füßen: eine Begegnung von Mensch zu Mensch. Versöhnung braucht Mut – auf beiden Seiten. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte vor mehr als 25 Jahren Kontakt mit Pskow als Schritt zur Versöhnung mit der damaligen Sowjetunion aufgenommen. Später entstand auch dank großen Engagements aus dem Rheinland ein russlandweit einzigartiges Heilpädagogisches Zentrum. Verantwortung vor der Geschichte schreibt solche Geschichten.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski schreibt hier an jedem vierten Samstag im Monat. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

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