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Bauernverband: Notstandssituation ausrufen

Anhaltende Trockenheit : Bauernverband will Notstand ausrufen lassen

Bauernpräsident Rukwied rechnet mit Milliardenschäden für die Landwirte durch die Trockenheit. Er befürchtet Ernteeinbußen von bis zu 70 Prozent. Ausfälle gibt es vor allem beim Getreide und bei Mais, Zuckerrübe und Kartoffeln. Wird der Notstand ausgerufen, erhalten die Bauern Unterstützung.

Der Deutsche Bauernverband rechnet wegen der Trockenheit und Hitze in diesem Jahr mit Schäden in Milliardenhöhe für die Landwirte. „Die Lage ist ernst“, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied unserer Redaktion. Im Durchschnitt seien Ernteausfälle in Höhe von 20 Prozent zu befürchten – in Regionen vor allem im Norden und Osten des Landes breche die Ernte aber um bis zu 70 Prozent ein. „Dort sind manche Betriebe in ihrer Existenz bedroht.“

Abteilungsleiter von Bund und Ländern treffen sich am Dienstag in Berlin zur Bestandsaufnahme der Witterungsschäden, teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Für Hilfsmaßnahmen bei Naturkatastrophen oder bei offiziell als „widrig“ anerkannten Witterungsverhältnissen seien die Länder zuständig. Der Bund könne Geld zuschießen, wenn ein „Ereignis von nationalem Ausmaß“ gegeben sei - wofür aber der genaue Schaden ermittelt werden müsse. Das könne erst nach Abschluss der Ernten im August berechnet werden.

Rukwied sagte: „Wir verlangen vom Bund und den Ländern, dass sie die Notstandssituation ausrufen. Damit wäre die rechtliche Voraussetzung gegeben, dass Betriebe, deren Ernteerträge 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten fünf Jahren liegen, direkte Liquiditätsunterstützung erhalten.“ Einige Bauern bräuchten das, um überhaupt ins nächste Jahr gehen zu können. Außerdem müsse die Politik endlich eine Risikoausgleichsrücklage einführen. „Das heißt: Landwirte müssten in guten Jahren nicht den gesamten Gewinn versteuern, sondern können eine Rücklage für schlechte Jahre bilden, was der Liquiditätssicherung dient.“

Allein beim Getreide werde die Ernte in diesem Jahr voraussichtlich um sieben bis acht Millionen Tonnen geringer ausfallen als im Durchschnitt. „Das wäre ein Schaden von rund 1,4 Milliarden Euro.“ Dazu kämen Trockenschäden bei den Herbstkulturen wie Mais, Zuckerrübe oder Kartoffeln. Rukwied: „Es gibt Regionen, in denen der Mais gerade mal kniehoch steht. Normalerweise hat er im Juli eine Höhe von 2,50 Meter. Da stellt sich auch die Frage, wie kann ich meine Tiere im Winter füttern, wenn die Futtergrundlage entfällt.“

(kd)