Schlafforschung: Kuscheltiere für den Seelenfrieden

Schlafforschung: Kuscheltiere für den Seelenfrieden

Hamburg/Gießen (rpo). Stofftiere liegen längst nicht mehr nur in Kinderbetten. Sie sind Accessoire auf dem Sofa und erobern die Laufstege der Welt. Auf den Modeschauen in Paris hingen Teddys Verwandte im Miniformat an Designer-Taschen. Mit dem Phänomen beschäftigen sich nun Wissenschaftler.

"Gefühle zu zeigen, ist wieder okay", erklärt Birgit Gebhardt vom Trendbüro in Hamburg. Kuscheltiere leisten Seelenbeistand oder bieten Amüsement. "Sie sind wie kleine Fluchten aus einem Alltag, der uns oft überfordert", so die Expertin. Viele Menschen fühlten sich durch die flauschigen Begleiter an ihre Kindheit erinnert.

Die Trendforscherin aus Hamburg stellt aber auch Unterschiede zu den Kuscheltieren der Kindheit fest."Erwachsene wählen Stofftiere oft mit einem ironischen Augenzwinkern aus", sagt die Trendforscherin. Es sind Wesen, die die Teddybären der Kindheit ein wenig auf die Schüppe nehmen.

Volker Schmid, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie ergänzt: "Bei der Entwicklung im Plüschbereich denken wir daran, auch witzige Figuren zu entwerfen, über die Erwachsene lachen können".

Beliebt sind auch Plüschtiere, die mit ihrer Unperfektheit spielen. Sie sind absichtlich verhunzt, sehen Mitleid erregend aus und rühren das Herz an. "Diese Tiere haben etwas von einem selbst", sagt Gebhardt. Die Leute wollten lieber ein Unikat statt eines Massenproduktes. "Das kann ruhig das selbstgemachte Etwas mit nur einem Auge sein."

"Ugly dolls"

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Bestes Beispiel für diesen Trend sind die "ugly dolls". Sie sind zur Zeit in den USA hip. Die Puppen haben drei Augen, mal nur eines, ihre Füße sind zu kurz oder die Arme zu lang. Das Künstlerpaar David Horvath und Sun-Min Kim entwickelt Figuren als Liebesgabe.

Eines haben alle Kuscheltiere gemeinsam: Sie zu berühren, ist immer angenehm. "Die heißen ja nicht umsonst Kuschel-Tier", sagt Gebhardt. Deswegen liegen Teddys auch noch in den Betten von Erwachsenen.

Soziologe Reimer Gronemeyer aus Gießen sieht Stofftiere als symbolische Weigerung erwachsen zu werden. "Für diese "Rolle rückwärts" gibt es ja auch gute Gründe", sagt der Soziologe. Die Gründe sind vielfältig: Ökonomisch einerseits, gesellschaftlich andererseits. Biographien sind nicht so vorgezeichnet wie früher. Erwachsene und Kinder gleichen sich immer mehr an.

Beliebt sind Stofftiere auch als Einschlafhilfe. Erforscht ist die Wirksamkeit diser Methode in der Schlafforschung bislang allerdings nicht. Barbara Knab, Psychologin und Wissenschaftsjournalistin aus München, erklärt, warum die Methode Erwachsenen aber trotdem helfen kann: "Alles, was man vor dem Einschlafen regelmäßig tut, kann den Schlaf fördern, wenn es ruhig ist." Es ist also wissenschaftlich erlaubt, beim Einschlafen ein Kuscheltier im Arm zu halten.

(gms)
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