Perfekte Geometrie: Bauplan des Aachener Doms entschlüsselt

Perfekte Geometrie : Bauplan des Aachener Doms entschlüsselt

Mit dem Nachweis der perfekten Geometrie der Pfalzkapelle Karls des Großen scheint eines der großen Rätsel um den Aachener Dom gelöst. Der Bau basiere streng auf Kreis und Quadrat, teilte die Bauforscherin des Landschaftsverbands Rheinland, Ulrike Heckner, mit.

Der Aachener Dom beruht in seiner karolingischen Basis auf vollkommenen Maßen. Grundlegend sei ein Fußmaß von 32,24 Zentimetern, erklärte die Bauhistorikerin Ulrike Heckner vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege am Montag vor Journalisten in Aachen.

Dieses Maß entspreche fast dem "Pariser Königsfuß" (32,48 Zentimeter), der seit dem Mittelalter bis zur Einführung des metrischen Systems in Europa anerkanntes Vergleichsmaß gewesen sei. Heckner präsentierte die Ergebnisse jahrzehntelanger Berechnungen.

Man könne davon ausgehen, dass der "Pariser Königsfuß" schon durch die karolingische Administration genormt gewesen sei, führte Heckner aus. Somit sei das Maß eigentlich ein "Aachener Königsfuß". Die perfekte Geometrie der Pfalzkapelle Karls des Großen, dem Herzstück des Aachener Doms, basiere auf Kreis und Quadrat. Der Längsschnitt des Oktogons, dessen Baubeginn auf das Jahr 798 plusminus zwei Jahre bestimmt wurde, lasse sich mit einem Kreis von 48 Fuß Durchmesser beschreiben.

Dies gelte auch für das darunterliegende 16-Eck, so dass sich eine Gesamthöhe von 96 Fuß ergebe, also 2 mal 8 mal 6. Die Zahl sechs gelte als vollkommene Zahl, da sie als einzige Zahl aus der Summe und dem Produkt ihrer Teile resultiere (1 + 2 + 3 und 1 x 2 x 3).

Auch der Grundriss des Gebäudes basiert laut Heckner auf den Zahlen sechs, acht und zwölf. Die Maßverhältnisse der Kapelle ließen sich aus den idealen Proportionen römischer Kuppelbauten wie dem Pantheon in Rom herleiten. In Aachen betrage das Verhältnis von Durchschnitt und Höhe bei Oktogon und beim Gesamtbau 1:2.

Die perfekten Maße weisen nach Angaben der Bauhistorikerin auch auf den Tempel Salomos hin, was schon Karls Zeitgenosse Alkuin in der Bauphase hervorgehoben habe. Hierin liege eine politische Aussage: Karl habe sich als Herrscher über das Volk Gottes als Nachfolger Davids und Salomos gesehen.

Dombaumeister Helmut Maintz sagte, dass sich auch schon seine Vorgänger Felix Kreusch, Leo Hugot und Hans-Karl Siebigs mit der Geometrie des Domes befasst hätten. Aber erst durch moderne Vermessungsmethoden sei man dem Rätsel auf die Spur gekommen. Maintz sieht für die exakten Maße auch einen ganz profanen Grund: Damit lasse sich leichter planen.

Dompropst Helmut Poque unterstrich die theologische Relevanz der Zahlen. So weise die Zahl "acht" auf die Auferstehung Jesu Christi hin. Sieben Tage habe die Schöpfung gedauert, doch am ersten Tag danach habe Christus die Welt endgültig erlöst und damit neu erschaffen. Der Dom stehe somit für eine neue Schöpfung und für den Pilgerzug ins neue Jerusalem.

(KNA)