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Vogel des Jahres 2022: Der Wiedehopf - bekannt, bedroht & einfallsreich

Im Volkslied besungen, in der Bibel geschmäht : Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022

Zum zweiten Mal durften alle Deutschen über den Vogel des Jahres abstimmen. Nachfolger des Rotkehlchens wird nun der Wiedehopf. Die exotisch wirkende Art ist so bekannt wie bedroht - und ganz schön einfallsreich.

Viele Deutsche dürften ihn höchstens noch aus dem alten Volkslied von der "Vogelhochzeit" kennen: "Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der bringt der Braut 'nen Blumentopf." Schon mal leibhaftig gesehen haben dürften ihn die wenigsten. Denn das Federtier ist im Bestand gefährdet. Nur noch 800 bis 950 Brutpaare gibt es in der Bundesrepublik. Um auf die Bedrohung dieser Art und ihres Lebensraumes aufmerksam zu machen, ist sie nun zum Vogel des Jahres 2022 bestimmt worden, zum zweiten Mal nach 1976.

Ebenfalls zum zweiten Mal gab es dazu eine öffentliche Wahl. Bundesweit wurden rund 143.000 Stimmen abgegeben, davon 45.523 für den Wiedehopf. Früher hatten stets Experten über die Kür entschieden. Doch zum 50. Geburtstag dieser ältesten Jahresart-Aktion riefen der verantwortliche Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV) aus dem fränkischen Hilpoltstein, erstmals jedermann zum Mitmachen auf. Nachdem vergangenes Mal Tierfreunde aus den über 300 in Deutschland vorkommenden Arten auswählen konnten, sortierte nun ein Fachgremium fünf Schnäbel vor. So soll das Prozedere jetzt immer laufen.

Unter den Kandidaten waren neben dem Sieger die Mehlschwalbe (34.773 Stimmen), der Bluthänfling (28.442), der Feldsperling (23.259) und der Steinschmätzer (10.801). Dass der Wiedehopf sich durchgesetzt hat, liegt wohl daran, dass er von allen Konkurrenten die ungewöhnlichste, ja eine geradezu exotische Erscheinung hat - und auch noch drollig klingt.

Der Name ist vermutlich lautmalerischen Ursprungs und stammt von den "Hup, hup, hup"- oder "Upupup"-Rufen der gut amselgroßen Art. Ihr Kopf, Nacken und Hals leuchten wie die Scheitelfedern orange-braun. Die Spitzen der aufstellbaren Federhaube sind schwarz, das Schwanzende auch. Der vordere Schwanzteil sowie Rücken und Flügel schillern in einem schwarz-weißen Bandmuster. Markant ist ferner der dunkle Schnabel: Er ist nach unten gebogen und bis zu sechs Zentimeter lang.

Früher war dieser Anblick in Deutschland alltäglich, das zeigt die Wiedehopf-Zeile in der "Vogelhochzeit", in der ansonsten auch heute noch halbwegs häufige Arten wie Star und Kuckuck vorkommen. Apropos: Im Volksmund heißt der Wiedehopf auch "Kuckucks Küster", da er im Frühling etwas eher als dieser aus dem Süden zurückkehrt - also früh dran ist wie ein fleißiger Kirchendiener. Längst aber ist der Wiedehopf eine derartige Rarität geworden, dass der LBV dazu aufruft, Sichtungen zu melden.

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Der Rückgang rührt vor allem von der Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung. Dadurch verschwinden Futtertiere wie Grillen, Käfer und Spinnen. Ebenso negativ wirken sich Gifteinsatz, Monokulturen, Überdüngung und Flächenversiegelung aus. Außerdem macht dem Wiedehopf Nistplatzmangel zu schaffen. Denn er brütet nur in schon vorhandenen Höhlen, wie sie alte, ausgefaulte Bäume bieten - rar gewordene Gewächse in der aufgeräumten Kulturlandschaft.

Als sonstigen Lebensraum schätzt der Wiedehopf offene Landschaften mit warm-trockenem Mikroklima und kurzem Bewuchs, etwa Weinberge und Obstwiesen. Der Klimawandel könnte ihm daher neue Gebiete erschließen. Warm mag es der Wiedehopf auch jetzt im November: Er überwintert gerade in Afrika.

Zudem kommt der Vogel in Bibel und Koran vor. Letzterer stellt den Wiedehopf als Boten des Propheten Salomo dar. Gegessen werden darf er im Islam daher nicht. Ein entsprechendes Verbot kennt auch die Bibel, aber aus anderem Grund. Dort steht der Wiedehopf auf der Liste "unreiner" Flugtiere. Er "ist schon in der Antike durch seinen geringen Reinlichkeitssinn aufgefallen, der sich unter anderem im üblen Geruch seines Nestes zeigt", heißt es dazu im wissenschaftlichen Bibellexikon "WiBiLex".

Mit Hygienemangel hat der Gestank jedoch nichts zu tun, wie der LBV erklärt: "Wenn Gefahr droht, scheiden das Weibchen und Jungvögel ein übel riechendes Sekret aus ihrer Bürzeldrüse aus, um Feinde am Nest zu verschrecken."

Auch außerhalb der Brutstätte zeigt sich das Tier einfallsreich im Selbstschutz: Bei Gefahr spreizt es seine kontrastreichen Flügel und lässt seine Kontur mit der Umgebung verschwimmen. Der Wiedehopf, der Wiedehopf - der ist mithin ein kluger Kopf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: „Vogel des Jahres“ von 2000 bis heute

(chal/kna)