Neues Hobby Drohnen: Der Helikopter des kleinen Mannes

Neues Hobby Drohnen : Der Helikopter des kleinen Mannes

Drohnen sind in Deutschland umstritten. Für die einen ist es geliebtes Hobby geworden, andere fürchten Überwachung und Risiken für die Luftfahrt. Heute stimmt der Bundesrat über neue Spielregeln am Himmel ab.

Die "Reaper"-Drohne des US-Militärs wurde zum Töten gebaut. "Reaper" heißt Sensenmann, die Drohne kostet unbestätigten Berichten zufolge rund 13 Millionen Dollar pro Stück, es kann mit vier Raketen und zwei Bomben bewaffnet werden und kommt vor allem in Afghanistan zum Einsatz. Mit den sogenannten Multicoptern deutscher Hobbypiloten hat das herzlich wenig zu tun, das Image solcher Minidrohnen wird aber von Höllenmaschinen wie der "Reaper" durchaus beeinflusst. Können nicht auch zivile Drohnen von Terroristen missbraucht werden? Sind sie nicht Wegbereiter für die Überwachung aus der Luft? Was passiert, wenn ein solches Fluggerät in eine Flugzeugturbine gerät oder auf eine Menschenmenge stürzt?

Ängste sind weit verbreitet

Die Ängste vor Hobbydrohnen sind in der Bundesrepublik weit verbreitet, ebenso jedoch die Faszination für das Fliegen und der Wunsch, diesem Traum mit einem Multicopter zumindest etwas näher zu kommen. Sie sind die Helikopter des kleinen Mannes. Für wenige Euro können schon Kinder mit Spielzeugmodellen Spaß haben, ab ein paar Hundert Euro sind die Drohnen mit hochauflösenden Kameras ausgerüstet, und ab etwa 1500 Euro beginnt die Profi-Fliegerei, die dennoch leicht zu lernen ist. Top-Modelle können theoretisch Flughöhen von vier Kilometern erreichen (die übliche Reiseflughöhe von Passagierflugzeugen liegt bei etwa zehn Kilometern), sie fliegen bis zu 90 oder gar 140 Kilometer pro Stunde schnell, haben Bildstabilisatoren und Auto-Piloten an Bord. Sensoren bewahren die Multicopter vor Kollisionen mit Wänden und Ästen, sie nehmen Bilder in HD- oder noch besserer Qualität auf, alles gesteuert über das Smartphone oder eine handliche Fernbedienung. Die meisten Drohnen passen problemlos in einen Rucksack, die kleinsten auch in die Hosentasche.

400.000 Geräte im Einsatz

Und weil es Schätzungen zufolge mittlerweile rund 400.000 Stück solcher Fluggeräte in Deutschland gibt - allein während des Weihnachtsgeschäfts wurden 2016 rund 100.000 Multicopter unterschiedlicher Größe verkauft -, sieht sich nun die Bundesregierung gezwungen, zu handeln. Mit einer neuen "Drohnen-Verordnung" sollen endlich verbindliche Spielregeln für das Freizeitvergnügen an Deutschlands Himmel aufgestellt werden. Heute entscheidet der Bundesrat über das Regelwerk - für mehr Sicherheit aller Beteiligten und für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für die Drohnenfliegerei.

"Es gibt in Deutschland eine gewisse Skepsis Drohnen gegenüber, die vermutlich einerseits auf Kampfeinsätze militärischer Drohnen zurückzuführen ist und andererseits auf die Angst vor dem Ausspähen aus der Luft", sagt Jürgen Altmann, Physiker und Friedensforscher an der TU Dortmund und Fachmann für militärische Drohnen. Er weiß um die Sorgen, die auch bei Sicherheitsbehörden bezüglich größerer Multicopter herrschen, und spricht von "erheblichen Risiken". "Stellen Sie sich vor, ein solcher Multicopter fliegt mit Kampfstoffen beladen in ein Fußballstadion. Die Folgen könnten verheerend sein", meint Altmann. Auch bei den europäischen Nachbarn kennt man solche Schreckensvisionen und versucht, sich vorzubereiten. "Derzeit wird in den Niederlanden oder Frankreich schon erprobt, wie man Greifvögel darauf abrichten kann, bedrohliche Drohnen vom Himmel zu holen, bevor sie Schaden anrichten können", berichtet der Wissenschaftler.

Bislang noch nicht ein Unfall

Aber ist das denn so wahrscheinlich? Bisher gab es noch nicht einen Unfall mit solchen Drohnen in der deutschen Luftfahrt. Das bestätigt auch die Deutsche Flugsicherung. Gleichwohl beobachtet man dort die Entwicklung genau und rechnet künftig mit deutlich mehr Drohnen am Himmel. Wie drastisch das Phänomen zunimmt, zeigt eine interne Statistik der Behörde, die für die Sicherheit des deutschen Luftraums verantwortlich ist. Demnach meldeten Verkehrspiloten 2015 insgesamt 14 Drohnen in Sichtweite zu ihrem Flugzeug, 2016 waren es schon 64. "Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Bundesregierung strengere Auflagen für die Hobbyfliegerei machen will", sagt eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung. Schließlich wüssten viele Besitzer solcher Multicopter nicht, dass sie diese nur auf Sicht fliegen dürften, gegenüber anderen Luftfahrzeugen wie Polizei- oder Rettungshubschraubern immer zum Ausweichen verpflichtet seien und in der Regel ihre Haftpflichtversicherung erweitert werden müsse. Die Deutsche Flugsicherung plädiert dafür, wie bei Pkw eine Registrierungspflicht für Multicopter einzuführen und die Fluggeräte für das Radar der Fluglotsen sichtbar zu machen. Verteufeln will man die Geräte mit vier oder mehr Rotoren und einem Gewicht ab ein paar Hundert Gramm bis zu mehr als fünf Kilogramm aber nicht. "Wir hatten mit Piloten, die über einen Kenntnisnachweis verfügen, nie Probleme", sagt die Sprecherin. Auch weiß man um die vielen Vorteile, die neue Entwicklungen der zivilen Drohnentechnik mit sich bringen können.

Beim Verband der Copter-Piloten - ja, auch den gibt es schon - sind folglich nicht nur Hobbyflieger, sondern auch Profis organisiert. Ihre Drohnen ermöglichen Archäologen neue Forschungsansätze mit Luftbildern, Landwirte können mit Coptern Pflanzenschutzmittel in Steillagen deutlich effizienter einsetzen, und in Frankfurt am Main wird der Medikamententransport zwischen zwei Krankenhäusern per Drohne getestet. Auch der Staat hat die Vorzüge längst erkannt. Feuerwehren verschaffen sich einen Überblick über Ausmaße von Bränden, die Polizei setzt Drohnen zur Verbrechensermittlung ein, zumindest in Sachsen auch zur - durchaus umstrittenen - Beobachtung von Großveranstaltungen. Denkbar ist zudem, dass Drohnen künftig an Unfallstellen erste Hilfe leisten oder die Verkehrswege entlasten könnten. An einer friedlichen Koexistenz von Mensch und ziviler Drohne hat jedenfalls auch der Copter-Verband ein Interesse. Die Zukunft kann also kommen.

(jd)