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Unternehmen Familie: So läuft unser Familienleben

Unternehmen Familie : So läuft unser Familienleben

Wie funktioniert die Rollenverteilung in ganz normalen Familien heute? Und welche Wünsche haben sie an die Politik. Wir haben uns in NRW umgehört.

Alter 35
Beruf Lehrerin aus Münster
Familienstand verheiratet
Kinder ein Sohn (1 Jahr)
Was meine Familie ausmacht
Wir sind alle ein bisschen verrückt und kreativ.
Mein liebstes Familienritual Viele kleine Alltagsrituale, die zusammen-schweißen — wie Singen, Spazieren, Baden, am Wochenende frühstücken

Ihre Rollenverteilung? Mein Mann arbeitet Vollzeit in einem Verlag, ich habe als Lehrerin eine Teilzeitstelle. Unser Sohn wird flexibel von 7.30 bis maximal 14 Uhr in einer Kita liebevoll betreut. Wenn ich Schultermine habe, springt die Familie ein: Papa übernimmt nach Feierabend, Oma reist aus der Ferne an. Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf, heißt es. Das leben wir.

Ihr Wunsch an die Politik? Für hauptverdienende Mütter kompensiert der Elterngeld-höchstsatz nur unzureichend den Verdienstausfall. So können sie sich auch meist nicht mehr als dieses eine Jahr Elternzeit leisten. Das ist sehr schade und kein guter Anreiz für Akademikerinnen. Da merkt man das veraltete Familienbild von der auf den mehr verdienenden Ehemann angewiesenen Frau leider noch zu deutlich.

Alter 48
Beruf Architekt aus Düsseldorf
Familienstand verheiratet
Kinder eine Tochter (9), ein Sohn (12)
Was meine Familie ausmacht Jeder macht, was er will
Mein liebstes Familienritual Gemeinsam wandern

Ihre Rollenverteilung? Meine Frau ist selbständig, und ich arbeite ganz in der Nähe unserer Wohnung, so dass ich keine Zeit im Stau verliere und trotz langer Arbeitszeiten noch Zeit für unsere Kinder habe. Für meine Tochter und meinen Sohn ist mein Büro kein ferner fremder Ort. Manchmal holen sie mich im Sommer dort zum Eisessen ab. Einmal die Woche nehme ich nachmittags frei und bringe meine Tochter zum Reiten. Wir leben so, dass wir auch mit einem Einkommen über die Runden kämen. Als die Kinder kleiner waren, hat dies vieles einfacher gemacht und Druck rausgenommen.

Ihr Wunsch an die Politik? Ich glaube, dass Kinder Lebensraum brauchen, nachmittags offene Schulhöfe, autofreie Plätze und sichere Radwege, auf denen sie sich selbstständig bewegen können. Kindergärten brauchen große Außengelände und Schulen saubere Toiletten. Es geht mir nicht um mehr oder weniger Kindergeld, sondern um eine riesige Eislauffläche auf dem Weihnachtsmarkt, um einen Platz im Schwimmkursus im Schwimmbad um die Ecke oder in einem Ferienlager. Wenn Elternsein nicht das Ringen um einen raren Kindergartenplatz ist, sondern das Gefühl, in der Gesellschaft willkommen zu sein, das ist Familienförderung.

Alter 42
Beruf Rechtsanwältin in Hilden
Familienstand geschieden
Kinder Tochter (7), Sohn (9)
Was meine Familie ausmacht Fröhliche, total liebenswerte Kinder; ausgeglichene, zufriedene Eltern
Mein liebstes Familienritual Rudeldrücken und Kitzelfinger

Ihre Rollenverteilung? Meine Kinder besuchen die Grundschule in Ganztagsform inklusive Mittagessen und Hausaufgaben-betreuung. Hol- und Bringdienste zum Sportverein oder Musikschule teile ich mir mit anderen (berufstätigen) Mamas. Mit dem Papa meiner Kinder pflege ich ein freundschaftliches Verhältnis. Wir teilen uns im sogenannten Wechselmodell die Betreuung und lösen Erziehungsfragen gemeinsam — das ist eine große Entlastung. Ich arbeite 25 bis 50 Stunden je nach Betreuungsbedarf (Kinder krank, Arzttermin, Schulveranstaltung). Dank meines Berufs bin ich da recht flexibel. Die Kinder haben wir zur Selbstständigkeit erzogen. Sie sagen nicht "Durst" und erwarten, bedient zu werden. Die Trinkbecher stehen auf Kinderhöhe, seit unser Sohn drei Jahre alt war. Ich habe eine Putzfrau und bin sehr organisiert, so kann ich den Großteil meiner Freizeit meinen Kindern widmen.

Ihr Wunsch an die Politik? Ich würde mir wünschen, dass die Betreuung im Kindergarten und im Ganztag (ab drei Jahre) beitragsfrei wäre. Soziale Kompetenz und Chancengleichheit werden in der Ganztagsform gefördert. Das sollte allen Kindern ermöglicht werden. Eltern könnte man gezielt mit der Beitragsfreiheit entlasten.

Alter 42
Beruf Geschäftsführer einer Telefongesellschaft aus Düsseldorf
Familienstand verheiratet
Kinder zwei Söhne (2 und 7)
Was meine Familie ausmacht Dass wir zusammen ganz viel Spaß haben
Mein liebstes Familienritual Gemeinsam Pizza essen

Ihr Rollenverteilung? Im Alltag sind Kindergarten und Schule die wichtigsten "Unterstützer" für meine Frau und mich. Wir sind beide berufstätig, sie als Augenärztin in der Düsseldorfer Altstadt und ich als Geschäftsführer von Sipgate, einer Telefongesellschaft mit 130 Mitarbeitern in Unterbilk. Wir beide stehen mit den Kindern auf, unser größerer Sohn geht dann eigenständig in die Grundschule. Den Kleinen bringe ich dann in den Kindergarten, bevor ich zur Arbeit gehe. Nachmittags herrschen bei uns verschiedene "Abholszenarien": Meine Mutter und meine Schwiegereltern haben feste Tage, an denen sie die Kinder abholen. An den anderen Tagen übernimmt das meine Frau. Oder sie gehen mit zu Freunden, oder ich mache früher Schluss. In den Ferien haben wir in der Firma eine Betreuung organi-siert, meine Kollegen und ich nehmen die Kinder mit ins Büro.

Ihr Wunsch an die Politik? Dass die Schule erst nachmittags um 16 Uhr endet und der Kindergarten sogar noch später schließt, ist für uns absolut notwendig. Andernfalls könnten wir nicht beide berufstätig sein. Da heute immer noch nicht allen Eltern derartige Betreuungsangebote zur Verfügung stehen, sollte an dieser Stelle meiner Meinung nach zuerst etwas geändert werden.

Alter 46
Beruf Radiologin aus Moers
Familienstand verheiratet
Kinder zwei Töchter (10 und 14)
Was meine Familie ausmacht Stabilität und Zusammenhalt
Mein liebstes Familienritual Unser gemeinsames Abendessen

Ihre Rollenverteilung? Ich arbeite halbtags als Radiologin in einer Praxis in Duisburg. Das heißt, ich bin morgens von etwa halb 8 bis gegen 13 Uhr außer Haus. Mein Mann ist ebenfalls Arzt und arbeitet in Vollzeit. Wir hatten von Anfang an eine Kinderfrau mit im Boot, die unsere beiden Töchter versorgt, wenn wir arbeiten sind. In der Zeit, in der unsere Mädchen in der Schule sind, kümmert sie sich vor allem um den Haushalt. Sie bleibt aber immer so lange, bis ich von der Arbeit zurück bin. So ist sichergestellt, dass für die Mädchen immer jemand da ist, wenn sie nach Hause kommen. Das Modell hat sich bewährt und bedeutet besonders in den Ferien eine große Entlastung für uns als Eltern.

Ihr Wunsch an die Politik? Was die Familienförderung angeht, haben wir uns schon immer eine Betreuungsgarantie während der Schulzeit gewünscht. Es sollte gesetzlich sichergestellt sein, dass Kinder, die die Schule besuchen, dort auch tatsächlich in der Zeit zwischen 8 und 12 Uhr betreut werden. Gerade in der Grundschule ist das aber ein Problem. Häufig beginnt der Unterricht dort erst später oder endet früher, was berufstätigen Eltern, die die Betreuung anders organisiert haben als wir, große Probleme macht.