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Corona: Schnelltests für Geimpfte sind nur bedingt zuverlässig

Zweifel an 2G plus : Schnelltests für Geimpfte sind nur bedingt zuverlässig

Virologen weisen darauf hin, dass die Tests bei Immunisierten nur eine eingeschränkte Aussagekraft besitzen – oft ist die Viruslast nicht hoch genug. Überflüssig sind sie deshalb aber nicht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat 122 Tests auf ihr Ansprechverhalten hin untersucht.

Immer wieder treten derzeit Infektionen mit dem Coronavirus auch unter vollständig Geimpften auf, selbst wenn diese sich beispielsweise vor einer Veranstaltung oder einem Verwandtenbesuch einem Antigenschnelltest unterzogen haben. Das wirft die Frage auf, inwieweit sich über diese sogenannte 2G-plus-Variante überhaupt zuverlässig Infektionen nachweisen lassen. Auf Twitter verbreitete sich etwa vor kurzem die Nachricht von einer Geburtstagsfeier, bei der 20 Geimpfte zugegen waren, die sich alle vorab hatten testen lassen – die Hälfte der Teilnehmer war nach der Party Corona-positiv.

Für den Chef-Virologen der Charité, Professor Christian Drosten, ist das keine große Überraschung. Die Aussagekraft von Antigenschnelltests bei gesunden Geimpften sei möglicherweise eingeschränkt, sagte er dem „Spiegel“. Gerade in den ersten Tagen lasse sich eine Infektion bei vollständig Immunisierten nur schwer nachweisen. Dies liege daran, dass die Tests vor allem auf ein Protein reagieren, das von Geimpften seltener produziert wird. Getestet werden sollte diese Personengruppe dann, wenn Symptome vorliegen. 

An der Uniklinik Heidelberg wurde in einer Studie untersucht, inwieweit Schnelltests zuverlässige Resultate liefern. Weil bei Geimpften und Genesenen die Viruslast generell geringer ausfalle, zudem langsam ansteige und schnell abfalle, würden bei ihnen die Tests schlechter ansprechen, erklärte Infektiologin Claudia Denkinger gegenüber dem SWR. Eine Früherkennung von Infektionen sei also schwierig. Allerdings würden Infektionen mit einer hohen Viruslast, die maßgeblich für eine Übertragung seien, durchaus erkannt. So erfüllen die Tests laut Denkinger dennoch ihren Zweck, indem sie die hochinfektösen Menschen auch unter den Immunisierten relativ konsequent herausfischen.

Die Wissenschaftlerin empfiehlt daher, Geimpfte und Genesene regelmäßig zu testen, um so die Phase, in der eine Infektion schwer nachweisbar ist, so kurz wie möglich zu halten. Auch Drosten rät zu engmaschigen Tests, etwa in Betrieben, wo immer wieder dieselbe Gruppe getestet werden könne. Bei einem positiven Ergebnis müsste dann die gesamte Gruppe in eine Kurzquarantäne.

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 Problematisch bei Schnelltests ist zudem häufig eine falsche Handhabung, gerade wenn dies zu Hause geschieht. Schon die Probeentnahme kann einen starken Einfluss auf das Ergebnis haben – wird das Abstrichstäbchen nicht tief oder lange genug in Nasen- oder Rachenraum eingeführt, kann sich dies verfälschend auf das Ergebnis auswirken. Auch die Schnelltests selber sind unterschiedlich sensibel, reagieren also möglicherweise unterschiedlich auf dieselbe Probe. Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat vor kurzem 122 Schnelltests auf ihre Sensitivität, das Coronavirus nachzuweisen, untersucht. Immerhin 26 Tests, also ein Fünftel der geprüften Produkte, fielen bei der Analyse durch.

Bis Mai 2022 dürfen die Hersteller der Tests ihre Produkte noch selbst zertifizieren, danach übernehmen unabhängige, von der EU zugelassene Labore diese Aufgabe. Das PEI ist aber von der Sinnhaftigkeit der Tests auch bei Geimpften und Genesenen überzeugt, sofern wirksame Tests benutzt werden. „Bei entsprechender Güte erlauben Antigen-Schnelltests eine zeitnahe Identifizierung akut infizierter und potenziell infektiöser Personen und ermöglichen unmittelbare Maßnahmen, um die Virusausbreitung einzudämmen“, heißt es in der Untersuchung. 

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat alle vom PEI geprüften Schnelltests aufgelistet. Angegeben ist unter anderem der Grad der Sensitivität in Prozent sowie die Nachweisbarkeit des Coronavirus bei hoher und niedriger Infektiösität. So kann sich jeder für den Hausgebrauch einen Test zulegen, mit dem sich beispielsweise auch als Geimpfter oder Genesener mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nachweisen lässt, ob man sich infiziert hat oder nicht – den korrekten Gebrauch vorausgesetzt. Denn obwohl die Schnelltests im Vergleich zu den diagnostisch wesentlich aufwendigeren PCR-Tests für Geimpfte keine hundertprozentige Sicherheit bieten (manche Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass unter Immunisierten die Hälfte der Infektionen übersehen wird), halten die meisten Virologen sie weiterhin für einen Baustein, um Infektionsketten früh zu unterbrechen. Drosten erklärte allerdings, allein durch Tests sei die vierte Welle nicht mehr aufzuhalten. Dazu müssten Impflücken geschlossen, Kontakte reduziert und geboostert werden.