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Kreis Viersen: So gefährlich sind Softair-Waffen

Kreis Viersen : So gefährlich sind Softair-Waffen

Wiederholt haben Softair-Pistolen Großeinsätze der Polizei ausgelöst, so wie in dieser Woche. Die Anscheinswaffen sehen scharfen Waffen zum Verwechseln ähnlich. Die Polizei rät vom Gebrauch der vermeintlichen Spielzeuge ab.

Auf der Motorhaube eines Polizeiautos liegen drei Waffen. Nur eine davon ist echt. Die anderen beiden sind Softair-Waffen. Sie waren am Donnerstagabend für einen Großeinsatz der Polizei verantwortlich. Wie berichtet, war ein 37-Jähriger in Waldniel auf der Oderstraße mit einer Softair-Pistole unterwegs gewesen. Die alarmierte Polizei konnte die Waffe nicht von einer scharfen Pistole unterscheiden und daher einen Amoklauf nicht ausschließen.

"Gerade aus einigen Metern Entfernung und noch dazu bei schlechtem Licht sieht man keine Unterschiede", sagt Franz Ohlenforst, Viersener Händler für Jagdwaffen. Ohlenforst verkaufte in seinem Geschäft am Schultheißenhof vor einigen Jahren selbst Softair-Waffen. Sogar für ihn als Experten sehen sie scharfen Waffen täuschend ähnlich. Diese Ähnlichkeit kann, wie am Donnerstagabend, zu einem echten Problem werden.

In den vergangenen Jahren ist die Polizei immer wieder aufgrund von Vorfällen mit Softair-Waffen ausgerückt. 2006 bedrohte ein 16-jähriger Viersener in Krefeld Schüler mit einer Softair-Pistole. Er soll zudem gerufen haben: "Ich mach euch alle." 2007 schoss ein 14-Jähriger in Dülken auf einen fünfjährigen Jungen. 2009 rückte die Polizei wegen eines Amoklauf-Verdachtes mit acht Streifenwagen nach Willich zur Robert-Schuman-Europaschule — wegen eines Videodrehs mit Softair-Pistolen. Für 2013 ist der Polizei ein weiterer Vorfall bekannt. Am vergangenen Rosenmontag zielte ein Dülkener mit einer (Softair-)Waffeauf einen Karnevalswagen.

"Wir gehen erst einmal von einem mutmaßlichen Amoklauf aus", sagt Antje Heymanns, Sprecherin der Kreispolizei Viersen. Die Gefahr sei in solchen Situationen nicht abzuschätzen. Entsprechend groß sind Vorsicht und Aufgebot der Polizei.

Auch Frank Scheulen verdeutlicht die mit Anscheinswaffen verbundene Gefahr. "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass es sich nur um ein Spielzeug handelt", sagt der Pressesprecher des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen. Die Polizei gehe daher mit der notwendigen Härte vor. Scheulen: "Das ist kein Kinderspiel. Wer eine Softair-Waffe bei sich führt, spielt mit dem Tod."

Seit 2008 zählen Softair-Waffen laut Waffengesetz zu den sogenannten Anscheinswaffen. Mit diesem Begriff werden Waffen bezeichnet, die auf den ersten Blick nicht von scharfen Waffen zu unterscheiden sind (siehe Infobox). Softair-Waffen unter einer Bewegungsenergie von unter 0,5 Joule dürfen bereits von Jugendlichen ab 14 Jahren erworben werden. Antje Heymanns betont, dass diese Art von Waffen kein Spielzeug sei. Sie appelliert: "Waffen haben im Kinderzimmer nichts zu suchen, egal ob sie echt sind oder nicht."

(RP)