Viersen: Heute vor 15 Jahren bekam Dülken ein Hospiz

Viersen: Heute vor 15 Jahren bekam Dülken ein Hospiz

Eine Erbschaft des Bodelschwinghwerkes machte die erste Einrichtung eines Hospizes im Kreis Viersen möglich

Ein bisschen wird sich Otfried Schaffelke wie die englische Ärztin Cicely Saunders vorgekommen sein. Die ehemalige Krankenschwester lernte 1948 einen sterbenden Patienten kennen, der sie so inspirierte, dass sie ihr Leben in den Dienst der Hospizarbeit stellte. 19 Jahre dauerte es, bis sie 1967 im Süden Londons das erste Hospiz eröffnete.

Otfried Schaffelke, damals Vorstandsvorsitzender des Bodelschwinghwerkes, hat, gemeinsam mit Mitstreitern der Hospizbewegung, für eine solche Einrichtung in Viersen gekämpft. "In Zusammenarbeit mit dem Architekten Günter Stapf entstanden bald akzeptable Vorschläge", erinnert sich der heute 85-Jährige. Aber ach: Vorschriften und Verfügungen verhinderten die weitere Entwicklung.

Bis das Bodelschwinghwerk an der Tilsiter Straße 12 in Dülken die Doppelhaushälfte von Hellmut und Maria Franz erbte. "Das bildete den Grundstein, die Idee zur Gründung eines Hospizes zu verwirklichen", sagt Schaffelke. Im August 2002 wurde der Grundstein eingepasst, einen Monat später war Richtfest, heute vor 15 Jahren waren zehn Gästezimmer und Nebenräume fertig, nahm das "Haus Franz" seine Tätigkeit auf - als erstes Hospiz im Kreis Viersen. Ursula Monheim, damals Vize-Vorsitzende der Stiftung Wohlfahrtspflege, lobte: "Wir verdanken es der Hospizbewegung, dass wir den Weg mehr und mehr umsetzen, der menschenwürdiges Sterben ermöglicht." Die Stiftung beteiligte sich mit mehr als 415.000 Euro an den Umbau-Kosten, Gelder kamen auch aus der ARD-Fernsehlotterie. Und Theo Optendrenk, damals Stellvertreter des Landrats, erklärte: "Die Hospizbewegung leistet Lebenshilfe. Die Zeit so erfüllend wie möglich zu gestalten, ist konsequent gelebte Menschlichkeit."

Seither hat das Dülkener Hospiz zahlreiche Gäste aufgenommen. Schaffelke, der gemeinsam mit Börbel Kowalewski die Geschäftsführung innehatte, überreichte den Staffelstab Ende 2016 an Jörg Mathew. Neue Hospizleiterin wurde Kirsten Horn, Renate Wiemes leitet den Pflegedienst. Eines aber ist geblieben. Der Leitgedanke von "Haus Franz": "Ein Haus zum Leben - bis zuletzt."

(mrö)