Viersen: Plaudern im Café Vergissmeinnicht

Viersen: Plaudern im Café Vergissmeinnicht

Bei dem Verein Gemeinsam in Viersen treffen sich Menschen mit Demenz und deren Angehörige in ungezwungener Atmosphäre, um Kaffee zu trinken und zu reden. Das soll gegen Einsamkeit und Isolation schützen

"Demenz ist ein schwieriges Thema, über das man nicht gerne spricht oder berichtet", sagt Wolfgang Esser, Vorsitzender des Vereins Gemeinsam. Gerade deswegen sei es so wichtig, viele Menschen mit dem Thema in Berührung kommen zu lassen.

Im Café Vergissmeinnicht an der Dechant-Stroux-Straße 15 in Viersen können sich Betroffene und Angehörige ungezwungen treffen, um sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und Geselligkeit zu finden. Seit August 2012 besteht das Café. Es geht aus dem Verein Gemeinsam hervor, der in den Bereichen Alten, Kranken- und Behindertenhilfe tätig ist. Alle Veranstaltungen finden in enger Zusammenarbeit mit dem Gerontopsychiatrischen Zentrum der LVR-Klinik statt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kamen immer mehr Leute zu den regelmäßigen Treffen zweimal im Monat. So nahmen im Jahr 2017 an 16 Treffen insgesamt 208 Gäste teil. Dabei gebe es keine bestimmte Zielgruppe. "Jeder, der will, kann kommen.", betont Esser. Der Besuch sowie Kaffee und Gebäck sind gratis.

Bei den Treffen soll es nicht nur darum gehen, über das Thema Demenz zu sprechen. "Es bringt ein Stück Lebensnormalität", sagt Helmut Woerner, Gerontologe an der LVR-Klinik. Die Menschen reden über alltägliche Themen und erzählen von früher. Denn "Erinnerungen, die am weitesten entfernt sind, halten oft am längsten", erklärt Ellen Kaspers, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gemeinsam. Themen, die alle interessieren, werden auch wieder aufgegriffen. "Letzte Woche haben wir über die 70er-Jahre geredet. In dieser Woche stellen wir einen Käse-Igel auf den Tisch", erzählt Kaspers. Einmal habe Bernd Giese, ebenfalls Mitorganisator des Cafés, alte Kalenderbilder der Stadt Viersen gezeigt. Die Aktion sei sehr gut angekommen.

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Woerner und Kaspers vom Verein Gemeinsam begleiten die Treffen. Sie nehmen dabei häufig die Rolle eines Moderators ein. Oft seien Menschen dabei, die noch keine Kontakte in der Stadt hätten und erst einmal integriert werden müssten. Nach einem kurzen Gesprächs-anstoß sei das aber in der Regel kein Problem mehr. "Ich stelle immer wieder fest, dass hohe soziale Kompetenzen bestehen", sagt Woerner. Das Ziel in dem Café sei es, einen Treffpunkt sowohl für Betroffene als auch Angehörige zu haben, die sich in einer Art Schutzraum keine Sorgen machen bräuchten, komisch angeguckt zu werden, wenn zum Beispiel ein Besucher plötzlich vom Tisch aufsteht oder die Kaffeetasse umstößt. Daraus seien teilweise sogar schon enge Freundschaften entstanden, die auch außerhalb des Café Bestand hätten.

Die Höhepunkte für die Besucher seien das Osterfest, Weihnachtsfest und sogar das organisierte Oktoberfest. Auch an den Busreisen des Vereins Gemeinsam nehmen Angehörige und Betroffene teil. Dieses Jahr geht zum Beispiel nach Maastricht.

(RP)