Waltraud Althoff leitet den Imkerverein Tönisvorst.

Waltraud Althoff, Vorsitzende des Imkervereins Tönisvorst, lässt 300.000 Bienen fliegen : Bienen im Stock: Ein ewiger Kreislauf

Waltraud Althoff-Pegels macht allen Naturfreunden Mut, sich ebenfalls als Imker zu versuchen. 

Gern zeigt Waltraud Althoff-Pegels den Besuchern die sechs Bienenstöcke im Garten. Zuerst nimmt sie ihren Smoker zur Hand. Hinein kommt altes Zeitungspapier und Eierpappe. Das alles wird angezündet, dann streut sie eine feine Mischung aus Kräutern und Blättern aus dem eigenen Garten darauf. Sechs Völker schwärmen von ihrem Garten in Unterweiden aus. Die Imkerin öffnet einen Stock und hebt die Einsätze mit den Waben heraus. Für den Laien zeigt sich ein Gewusel von gleich aussehenden Bienen. Was für ein Irrtum. Die Imkerin unterscheidet die größeren Arbeitsbienen von den frisch geschlüpften, die männlichen Drohnen fehlen ganz. Zwar ist eine Weisel-Zelle zu sehen, eine größere Wabe, die der Aufzucht von Königinnen dient, aber die Königin selber zeigt sich nicht.

Wie ist Waltraud Althoff zu den Bienen gekommen? Die studierte Haustiergenetikerin, die über Ferkel promoviert wurde, wollte unbedingt wieder mit Tieren arbeiten. Früher hat sie in Norddeutschland in der Schweine- und Schafszucht gearbeitet. Jetzt ist sie in einer wahren „Massentierhaltung“ gelandet: Sie kümmert sich heute um etwa 300.000 Bienen. Und sie bestätigt die Imker-Weisheit: Zuerst hat der Mensch Bienen, dann haben die Bienen den Menschen. Wer einmal mit Bienen anfängt, kommt nicht mehr davon los. Diese Erfahrung hat sie bei sich selber gemacht. Und sie macht allen, die sich dafür interessieren, Mut: Die Arbeit mit Bienen lasse sich gut mit Arbeit und Kindern verbinden.

Jedes Volk ist anders, jedes für sich ein spannender Krimi. Die Königin, die auf ihrem Hochzeitsflug von etwa 15 Drohnen besamt wird, legt in der warmen Jahreszeit bis zu 2000 Eier am Tag. Die Larven werden von den Arbeiterbienen gefüttert und später während der Aufzucht gepflegt. Die Drohnen, die die Königin begattet haben, sterben  beim Hochzeitsflug. Die anderen Drohnen dienen dem Bienenstock als Reserve - die Natur ist überschwenglich - und werden um die Sonnenwende aus dem Stock vertrieben. Drohnen entstehen aus unbefruchteten Eiern.

Gleich hinter den Stöcken in ihrem Garten steht ein Bienenbaum oder Tausendblütenstrauch. Althoff wünscht sich solche Exemplare auch im öffentlichen Straßenraum, um den Bienen im Hochsommer Blüten zu bieten. In ihrem Garten ist auch eine Reihe durchwachsener Silphie, einer Biomasse-Pflanze, die mit ihren vielen Blüten den Insekten Nektar bietet, nicht zu übersehen. Sie ähneln Sonnenblumen und werden ebenso bis drei Meter hoch. Faszinierend sind auch die um den vierkantigen Stengel gewachsenen Blätter, die bei Regen kleine Wasserreserven bilden. Auch für diese Pflanze schlägt sie die Werbetrommel. Traurig wird sie, wenn sie daran denkt, wie monoton viele Friedhöfe und städtischen Grünanlagen gestaltet sind. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit.

Auch für den Imkerverein Tönisvorst, dem 50 Mitglieder mit zusammen etwa 300 Völkern angehören, gibt es viel zu tun. Den Verein, 1937 gegründet, leitet sie seit 2004 als Vorsitzende. Bienen sind gerade im Trend, das sogenannte Bienensterben hat die Sympathie für sie - anders als bei den genauso bedrohten Ameisen - gesteigert. Ein Neu-Imker sollte schon zwei Völker besitzen: eines für den Honig, eines „zum Totgucken und Fehler machen“. Die Imkerei ist eine Wissenschaft für sich, und Kommunikation untereinander sehr wichtig. Ein Imker braucht zehn bis 15 Stunden im Jahr für seinen Stock. Von Oktober bis Februar ist gar nichts zu tun. Anfänger brauchen rund 350 Euro für ein Volk - ein Ableger ist für 100 Euro zu haben - für die Beute (Stock) und die Schutzkleidung. Anfänger sollten einen erfahrenen Patenimker an der Hand haben.

Die Bienen haben Pollen in die Waben gesteckt. Pollen sind eine Wissenschaft für sich, findet die Imkerin. Foto: Wolfgang Kaiser
Keine Sonnenblume, sondern eine Silphie als Nektarquelle für Insekten. Foto: Kaiser, Wolfgang (woka)

Auch das Problem der Varroa-Milbe ist kleiner geworden. Sie stand seit 1976 für das Bienensterben. Althoff stellt einen krassen Vergleich an: „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Kaninchen auf der Schulter sitzen, das Ihre Lymphflüssigkeit aussaugt und Ihre Flügel auffrißt.“ Es gab unter den Bienenvölkern 70 Prozent Verluste, doch langsam gehe es wieder aufwärts. Bei Befall wird der Stock mit organischen Säuren wie Ameisen- oder Milchsäure behandelt. Froh ist die Imkerin über das Verbot von Neonicotinoiden, ein hochwirksames Insektizid, das den Bienen die Orientierung raubt. Sie finden nicht mehr in den heimischen Stock. Auch für den heimischen Garten gilt, möglichst auf Giftstoffe zu verzichten und für viele verschiedene blühende Pflanzen zu sorgen. Dann klappt es auch mit dem Nektar - und später mit dem Honig. Der von Waltraud Althoff hat eine wunderschöne hellbraune Farbe und schmeckt mild-markant und nicht zu süß.