Grevenbroich: Imkerei: Hobby und Umweltschutz

Grevenbroich: Imkerei: Hobby und Umweltschutz

Zahl der Hobby-Imker steigt kontinuierlich, vermehrt bei jungen Leuten.

Mit Genuss taucht Josephine Reibiger ihren Finger in die honiggetränkte Wabe. "Ich liebe Honig über alles, ich süße nicht nur Tee, sondern auch Kaffee mit ihm", sagt sie. Nicht nur das ist für die 20-Jährige ein Grund, Imkerin zu werden. "Als ich meinen Bundesfreiwilligendienst im Schneckenhaus absolviert habe, bin ich zum ersten Mal mit der Bienenzucht in Berührung gekommen. Das ist ein Ruhepol, wenn man mit ruhigen und achtsamen Bewegungen am Bienenstock arbeitet und die Aktivitäten des Volkes beobachtet."

Sie ist eine der jungen Teilnehmerinnen am Anfängerkursus, die der Bienenzuchtverein Grevenbroich einmal im Jahr anbietet. Alle vier Wochen trifft sich die Gruppe, um Theorie und Praxis des Imkerns zu lernen und zu erfahren. Dass dieser Kursus bereits zum sechsten Mal in Folge ausgebucht ist, zeigt dem Vorsitzenden Thomas Krauß deutlich: "Imkern liegt wieder voll im Trend, besonders bei jüngeren Menschen. Auch viele Frauen wenden sich der Honigbienenhaltung zu." Er beobachtet, wie die Anzahl der Bienenvölker weltweit seit Jahren kontinuierlich steigt. "Die Berichterstattung in den Medien über den Todeskampf von Bienen hat das Interesse an der Imkerei wieder geweckt. Imker beteiligen sich so unmittelbar vor der eigenen Haustür am Schutz der Natur und Umwelt," betont Thomas Krauß.

Die Entwicklung des Bienenzuchtvereins Grevenbroich beweist, dass es weder kein Bienensterben geben muss. "Das Prinzip ist einfach und kann aus dem Überlebensprinzip des Bienenvolkes abgeleitet werden: Arbeitsteilung und konsequente Zusammenarbeit. Jeder tut das, was er kann und wo es getan werden muss," erläutert Krauß. Als er vor 25 Jahren dem Imkerverein beigetreten ist, lag der Altersdurchschnitt bei 60 Jahren und mehr. Das ist im etwa 130 Mitglieder starken Bienenzuchtverein Grevenbroich, der 2007 mit sechs Imkern neu gestartet ist, inzwischen anders. "Es ist toll, dass Menschen sich grundsätzlich wieder für das Imkern interessieren. Wer jetzt die Zeit nicht nutzt, um Mitglieder zu gewinnen, ist selber schuld."

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Derzeit gibt es vier Bienenstöcke mit jeweils einem Volk auf dem Gelände. Im Moment sind es etwa 20.000 Bienen - "im Sommer werden es zehnmal so viele sein", prognostiziert Krauß. "Bienen sind Wesen des Lichts. Jetzt brüten sie, die Entwicklung schreitet rasant voran und in vier Wochen werden die Völker überquellen."

Thomas Krauß weiß, dass es um die Honigbiene nicht so schlecht bestellt ist, "ihnen geht es vergleichsweise gut. Die Wildbienen haben schon eher ein Problem." Natürlich würde sich die Blütenlandschaft verändern, wenn es keine Bienen mehr gebe. Doch massive Probleme für den Menschen sieht er nicht: "Bienen sind zu etwa einem Drittel an der Bestäubung beteiligt, der Rest wird weltweit von Käfern geleistet - das habe ich vor 25 Jahren schon gelernt", sagt er. "Wir freuen uns über den Boom und darüber, dass Imkern nicht mehr nur das Hobby älterer Herren ist." Auch Josephine Reibiger lernt fleißig, sie möchte ihr eigenes Volk betreuen, vielleicht im eigenen Garten.

(NGZ)