Tönisvorst: Integration durch Hilfe und Offenheit

Tönisvorst : Integration durch Hilfe und Offenheit

Eine schöne Tradition ist der Neujahresempfang des Vereins Flüchtlingshilfe Tönisvorst im Foyer des Medikamentenhilfswerks Action Medeor. Auch in diesem Jahr kamen etwa 100 Ehrenamtler, Politiker und Geflüchtete.

Mamadou Diallo hat trotz all seiner traurigen Erlebnisse den Humor nicht verloren. "Es war auch in Deutschland nicht einfach, aber hier waren immer Leute, dir mir in den Hintern getreten haben", sagt der 22-Jährige. Der junge Mann, der in Guinea geboren wurde, im Senegal aufwuchs und über Umwege 2015 nach Tönisvorst kam, nutzt den Neujahresempfang der Flüchtlingshilfe, um sich zu bedanken: "Ich danke meinen Lehrern, die mir die Sprache beigebracht haben, ich danke der Flüchtlingshilfe, die sich um mich gekümmert hat, und ich danke der Stadt für die Hilfe." Nach Turnhalle und städtischer Unterkunft lebt Mamadou Diallo heute in einer kleinen Wohnung, hat einen Hauptschulabschluss gemacht und eine Lehre als Fachverkäufer begonnen.

Erstmals kamen beim Neujahrsempfang der Flüchtlingshilfe im Foyer von Action Medeor nicht nur die Ehrenamtler des Vereins zu Wort, sondern Geflüchtete und Menschen, die Flüchtlinge als Arbeitgeber, Vermieter oder Trainer kennengelernt haben. "Zunächst ging es darum, dass die Menschen hier zur Ruhe kommen, ankommen und unterkommen", sagt Silke Weich von der Flüchtlingshilfe, nun aber sei die Integration das Hauptthema.

Jürgen Hammelmann vom gleichnamigen Bauunternehmen berichtet, dass die Firma schon immer Ausländer angestellt habe. "Wir stellen damals wie heute fest, dass Integration über die Arbeit sehr gut klappt", sagt Hammelmann. Auch Bernd Steiniger, der in seinem Gartenbaubetrieb seit einem halben Jahr einen Flüchtling beschäftigt, hat nach eigener Aussage gute Erfahrungen gemacht. "Mit der Sprache klappt es noch nicht so gut", sagt der Vorster, "aber daran arbeiten wir in diesem Jahr."

Jürgen Hoffmans, der für einen Eigentümer als Wohnungsvermieter auftritt, erzählt, dass er einen guten Eindruck von den Flüchtlingen habe, die in den Wohnungen leben, und dass sie sich häufig besser benähmen als manch deutsche Mieter. Durchweg positive Erfahrungen mit Flüchtlingen in ihren Häusern habe auch die AWG gemacht, bestätigt Michaela Karth vom Vorstand. "Daran hat aber auch die Flüchtlingshilfe einen großen Anteil", lobt Karth den Verein. Auch Anas Khaled ist voll des Lobes für die Ehrenamtler der Flüchtlingshilfe. "Viele Menschen habe sich um uns gekümmert, uns die Sprache beigebracht und uns bei allem geholfen", sagt der Syrer, der heute selbst ein Ehrenamtler ist, der anderen Flüchtlingen zur Seite steht und bei der Lebenshilfe arbeitet.

Sehr persönlich ist die Erfahrung, die Georgos Roumeliotis gemacht hat. "2015 kam Mohamed aus Syrien zu uns in den Verein", berichtet der Trainer der Karateabteilung beim SV St. Tönis, "wir sind Freunde geworden, treffen uns regelmäßig bei meiner Mutter zum Mittagessen und verbringen viel Zeit miteinander." Er bewundere den Freund für seine Stärke und seine Kraft, schätze seine Besonnenheit und staune über seine vielseitigen handwerklichen Fähigkeiten, sagt Roumeliotis.

(WS03)
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