Rhein-Kreis Neuss: Friedestrompreis für "Schweizer Original"

Rhein-Kreis Neuss: Friedestrompreis für "Schweizer Original"

Gerührt zeigte sich am Dienstagabend der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger, als er in Zons den Friedestrompreis entgegennahm - "und das alles für einen, der noch nicht mal richtig Deutsch kann", meinte der 81-Jährige gut gelaunt.

Gleich zwei kabarettistische Einlagen erlebten die Gäste, die in die Nordhalle des Kulturzentrums Zons gekommen waren. Zum einen war es erwartungsgemäß der Geehrte, zum anderen aber auch sein Laudator, der Journalist Hans Zippert, bekannt durch seine Kolumne "Zippert zappt" in der "Welt". Der meinte gleich zu Beginn, dass Landrat Hans-Jürgen Petrauschke in seiner Begrüßung bereits genug über Emil Steinberger gesagt habe, und dass er deshalb jetzt gerne über sich selbst sprechen möchte - tat er aber dann doch nicht.

Zippert kennt sich aus bei "Steinbergers". Er wusste, dass in dem Gebäude neben dem Wohnhaus, das eigens für die Preise des Schweizers errichtet wurde, genau noch so viel Platz sei, dass der Friedestrompreis dorthin passe. Gut so. "Nach Vico Torriani ist Emil Steinberger mein zweiter Schweizer", erzählte der 57-Jährige dem Publikum, um sogleich seinen ersten Eindruck vom Schweizer Dialekt kund zu tun: "Er hört sich an wie ein Geräusch, das durch eine Fehlbildung im Rachenraum entsteht." Und sowieso: In seiner Heimat Ostwestfalen halte man den Schweizer Dialekt für eine "besondere Form der Glasbläserei". Doch all das mindert seine Verehrung für den Schweizer keinesfalls, im Gegenteil: "Emil Steinberger ist der Held meiner Jugend", bekennt er als Fan des 15. Friedestrom-Preisträgers, den er als Schwamm bezeichnete, der alles begierig aufsauge, um sich dann auf der Bühne auszudrücken. "Emil war lange der berühmteste Schweizer, mittlerweile kommen noch zwei dazu - Josef Ackermann und DJ Bobo", meinte der Kolumnist mit einem leichten Grinsen.

Lächelnd und seine wachen Augen über die Zuschauerreihen kreisen lassend, stellte Emil Steinberger als erstes fest, dass der Name "Dormagen" (mit Betonung auf der letzten Silbe) auch ein schöner Name für ein "Medikament gegen Magenschmerzen" sei. Dann gestand er, wie "knallhart" es für einen Schweizer sei, den ganzen Tag Hochdeutsch zu sprechen. Doch Hilfe habe er immer dabei - sagt's und zieht als Beweis "Wahrigs Deutsches Wörterbuch" aus der Jackentasche. Hörbar amüsiert zitiert er daraus deutsche Grammatik-Regeln, um plötzlich innezuhalten und die Zuschauer zu fragen: "Braucht ihr das alles wirklich?"

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Begeistert spricht der Schweizer von deutschen Autobahnen, auf denen man mal so richtig zeigen könne, was der Motor hergibt. Problematisch werde es erst, wenn das erste Autobahnkreuz kommt - so viele Namen, so viele Richtungen. "Alles zu lesen, klappt ja noch, aber sich zu entscheiden..."

Richtig entschieden hat sich auf alle Fälle die Jury, Emil Steinberger, der in Begleitung seiner Frau Niccel gekommen war, den Friedestrompreis des internationalen Mundartarchivs Ludwig Soumagne "wegen besonderer Verdienste um die deutschsprachige Dialektliteratur" zu verleihen. Virtuos umrahmt wurde der fast familiäre Festakt vom Joscho Stephan Trio.

(NGZ)
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