Ratingen: Sie ist da, wenn jemand in der Krise steckt

Ratingen: Sie ist da, wenn jemand in der Krise steckt

Sozialpädagogin Andrea Laumen kümmert sich um die jüngsten Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde.

Was ist denn da passiert? Alle - Vater, Mutter und Kind Laumen - sind Sozialpädagogen. Und sie sind es gern. Andrea Laumen, die Mutter, hat bereits mehr als eine Generation Ratinger Jungen und Mädchen betreut und bespaßt, gefördert und getröstet, beraten und manchmal auch beaufsichtigt. Der Job bei der Ratinger evangelischen Kirchengemeinde ist ihre erste Stelle, die sie 1994 angetreten hat. Entsprechend groß war die Gästeschar, die ihr vorgestern zum 50. Geburtstag herzlich gratulierte und mit ihr die Erinnerungen austauschte, die da mit "Weißt du eigentlich noch, als..." beginnen.

Seit gut zwei Jahrzehnten ist ihr der Platz inmitten des kirchlichen Lebens eine Herzensangelegenheit; Andrea Laumen arbeitet im Presbyterium und in der Stiftung Zukunftskinder mit und sagt: "Ich bin in den vergangenen Jahren vielen Menschen begegnet, habe viel erlebt, habe mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Menge erreicht, bin immer wieder neue Wege gegangen. Auch in den nächsten Jahren möchte ich mit voller Kraft für die Kinder und Jugendlichen da sein, ihnen zuhören, mit ihnen lachen, sie unterstützen, feiern, toben und kreativ sein. Besonders die Freizeiten mit Konfirmanden, die Fahrt zum Kirchentag und die große Sommerfreizeit in Schweden sind sehr intensive Tage, auf die ich mich schon jetzt freue."

Das kann sich auch noch Zweckoptimismus anhören. Aber die rührige Frau ist wirklich dabei. Nun betrachtet sie den Umgang mit Kindern und jungen Leuten nicht als probates Anti-Aging-Programm, so etwa "Wenn man Kinder um sich hat, halten die uns jung". Sie weiß nämlich um die korrigierende Kraft einer kritischen Kindermeinung und findet das sehr gut. Genau das kann gegen die Gefahr helfen, schrullig oder selbstverliebt zu werden.

Heimatlich in Nettesheim angesiedelt - dort, wo Horst Lichter ungestraft aus Butter Saucen rührte - hat Andrea Laumen eigentlich Gemeindeschwester werden wollen. Das waren einmal die guten Geister, die über einen ganzen Sprengel Bescheid wussten und unablässig Gutes taten. Und meistens waren das Diakonissen. Auf jeden Fall war ein kirchlicher Job ihr Ziel. Dann aber gab es Krankenschwester- und Diakonenausbildung, Fachabitur und Sozialpädagogik-Studium mit abschließendem Diplom. Das Anerkennungsjahr machte sie in Düsseldorf-Garath, wo die Arbeit schon eine gewisse Herausforderung bedeutete.

Danach ging, was den Beruf betraf, die Sonne in Ratingen auf - wäre sie sonst noch hier. Immerhin war der jungen Frau im Kirchendienst schon damals klar, dass eine kontinuierliche Arbeit an ein und demselben Ort den Kindern und Jugendlichen eine beständige und zuverlässige Betreuung bescheren würde.

So bewegt sie immer einen Stamm von gut 100 Jungen und Mädchen - außer den Konfirmanden und erreicht mit einem ganz vielfältigen Programm eine Zahl, von der andere Anbieter nur träumen mögen. Man trifft sich in Kinder- und Jugendgruppen, beim Basteln, auf Karaoke-Parties, beim Kochen ("Gemeinsame Mahlzeiten sind unglaublich wichtig, das sollten auch mal Familien für sich entdecken."). Benjamin Dietrich, erst Mitglied in Kinder- und Jugendgruppe, später selbst als Ehrenamtlicher dort tätig, sagt über Andrea Laumen: "Man kann sich sicher sein, dass sie da ist, wenn jemand in schwierigen Situationen steckt. Sie schafft es immer noch, neue Wege zu gehen und vieles auszuprobieren." Dabei ist sie nicht nur Kontaktperson für ihre jungen Schützlinge - und taucht möglichst bei jeder Veranstaltung auf, sondern ist auch Gesprächspartnerin für die dazugehörigen Eltern.

Und dann steht sie da mit Pulli und Jeans und sagt schlicht und wergreifend: "Ich habe keine Zweifel an meinem Beruf. Und mein Glaube trägt mich immer."

(gaha)
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