Ratingen: Immobilienpreise steigen erneut

Ratingen: Immobilienpreise steigen erneut

Die Flucht ins "Betongold" hält angesichts der Nullzinsphase weiter an. Es fehlt an Grundstücken. Folge: Immobilien werden teurer, Mieten steigen weiter. Der Gutachterausschuss vermisst Wohnungen für kinderreiche Familien.

Die Preise für Immobilien und Mieten steigen weiter. In Zeiten der Nullzinspolitik ist kein Ende der Preisspirale erkennbar, Bürger legen Geld in Immobilien ("Betongold") an, koste es, was es wolle. Dazu kommt ein Mangel an Wohnungen und Baugrundstücken. Der Ausschuss berichtet in seinem aktuellen Grundstücksmarktbericht erneut über erhebliche Preissteigerungen bei Wohnraum. Betroffen sind Grundstücke, Eigenheime, Wohnungen und Mieten.

Der Gutachterausschuss berichtet über eine Steigerung der Bodenpreise gegenüber dem Vorjahr zwischen 10 und 50 Euro pro Quadratmeter, je nach Lage. In Ratingen werden für Wohnbauflächen in mittlerer Lage derzeit 445 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

Die Bodenrichtwerte bilden jedoch eine große Spanne, von 250 EUR/m² in der Tiefenbroicher Einflugschneise bis zu 620 EUR/m² in besseren Lagen. Richtwerte sind Mittelwerte, weshalb in Einzelfällen auch höhere oder niedrigere Preise gezahlt werden, so der Ausschuss.

Ein typisches Baugrundstück von 400 bis 500 m² kostet also zwischen 200.000 und 240.000 Euro - wenn es denn zu haben ist. Insgesamt sei nämlich ein Mangel an Bauplätzen für Eigenheime augenfällig, betont Jens Wallroth, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses. Deshalb würden oftmals ältere Immobilien gekauft und abgebrochen. Ein Bauherr wendet in Ratingen für jeden Quadratmeter Wohnfläche, den er errichtet, rund 1.200 Euro Grundstückskosten auf.

Über den Grund für die seit Jahren andauernden Preissteigerungen berichtet Jürgen Störy, der Vorsitzende des Gutachterausschusses. Bundesweit sei eine Umkehr der Dezentralisierung der vergangenen Jahrzehnte zu beobachten: "Die Menschen wollten lange Wege zur Arbeit vermeiden und schätzten insbesondere Urbanität und zentrale Infrastruktureinrichtungen. Hinzu kämen die seit Jahren niedrigen Bauzinsen." Auch auf die Pendlerbeziehungen verweist Störy: "50 Prozent der Ratinger Berufspendler zieht es nach Düsseldorf. Aus diesem Grunde nimmt Ratingen nicht nur an den Chancen der Landeshauptstadt teil, sondern auch an ihren Problemen." Die Preissteigerungen sind auch in den Umlandgemeinden zu beobachten und halten bereits seit mehreren Jahren an. So wurden in Ratingen für Doppelhaushälften der Baujahresklasse 1975 bis 1994 im Mittel 420.000 EUR gezahlt. Dies sind 100.000 mehr als vor drei Jahren.

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Reihenmittelhäuser derselben Altersklasse verteuerten sich um rund 70.000 Euro auf nunmehr 326.000 Euro. Während Doppelhaushälften selten teurer als 500.000 Euro sind, ist dies bei freistehenden Einfamilienhäusern die Regel. Sie kosteten im Mittel 770.000 Euro. Für herausragende Immobilien wurden auch Preise jenseits der 1 Mio. Euro gezahlt.

Auch die Preise für Eigentumswohnungen steigen. 2.150 Euro je Quadratmeter Wohnfläche wurden für Wohnungen gezahlt, die zwischen 1975 und 1994 gebaut wurden. Dies sind 13 Prozent mehr, als noch vor drei Jahren.

Neubauten sind deutlich teurer: rund 3.600 EUR/m² waren hier im Mittel zu zahlen. Die Spitzenpreise lagen bei 4.000 EUR/m².

Auch die Mietpreisforderungen für Wohnungen beobachtet der Gutachterausschuss. Eine typische 80 Quadratmeter Drei-Zimmer-Wohnung wurde 2017 zu 8,60 EUR/m² angeboten. 2016 waren es noch 8,20 EUR/m². In preisgünstigeren Lagen werden bei einer Neuvermietung knapp 7,80 EUR/m² verlangt. Wohnungen für kinderreiche Familien mit mehr als drei Zimmern werden selten angeboten.

Gutachterausschüsse sind Kollegialgremien von ehrenamtlichen Sachverständigen für die Grundstückswertermittlung. Die Mitglieder stammen meist aus der Bau- und Immobilienbranche und werden von den Bezirksregierungen bestellt.

(JoPr)