Neuss: Schüsse in Pizzeria stellen Polizei vor Rätsel

Neuss : Schüsse in Pizzeria stellen Polizei vor Rätsel

Um kurz nach Mitternacht am Donnerstag feuerte ein Unbekannter drei ungezielte Schüsse in den Gastraum ab. Verletzt wurde niemand.

Der Unbekannte tauchte unvermittelt aus der Dunkelheit auf und schoss ohne Vorwarnung. Drei Mal drückte er vom Eingang der Pizzeria "Pinocchio" aus ab, dann floh er. "Ich bin froh, dass ich noch lebe", versichert Rajeswary Uthayakumar (41), die am Zapfhahn hinter dem Tresen stand, als die Kugeln durch den Gastraum pfiffen.

Rajeswary und Nivetha Uthayakumar waren in der Pizzeria, als die Schüsse fielen. Einer durchbohrte ein Bild, das neben der Theke an der Wand hing. Foto: woi

Warum der Unbekannte feuerte, weiß derzeit niemand. Aber für Nivetha Uthayakumar (21) steht fest: "Das muss geplant gewesen sein." Denn ausgerechnet an diesem Abend waren Tochter und Mutter mit vier Gästen alleine in dem Lokal im Ladenzentrum Otto-Wels-Straße. Der Vater hatte nur Stunden vorher eine Reise angetreten.

Rajeswary und Nivetha Uthayakumar waren in der Pizzeria, als die Schüsse fielen. Einer durchbohrte ein Bild, das neben der Theke an der Wand hing. Foto: woi

Die Kriminalpolizei konnte sich gestern noch keinen Reim auf diesen Überfall machen. "Die Hintergründe sind noch völlig unklar", hält Polizeisprecher Hans-Willi Arnold fest. Man ermittele in alle Richtungen. Dieser Fall ist allerdings besonders gelagert. Über Taten, bei denen eine Waffe im Spiel ist, führt die Polizei Statistik, nicht aber über die Fälle, in denen auch geschossen wird. "Das ist extrem selten", sagt Arnold, der sich — abgesehen vom Dreifachmord an der Kaarster Straße im August 2012 — an keinen solchen Fall in den letzten Jahren erinnern kann.

Zur Tatzeit, um kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Donnerstag, standen in dem kleinen Lokal schon alle Zeichen auf Feierabend. Die Außenreklame war ausgeschaltet, an der Theke brannte noch etwas Licht, genauso wie in dem größeren der beiden Gasträume. Dort saßen noch zwei Männer und zwei Frauen, Stammgäste im "Pinocchio", für die die Wirtin noch ein letztes Bier zapfen wollte. Da stand auf einmal der dunkel gekleidete Mann in der Tür.

Die drei Schüsse, die er nach Überzeugung der Polizei nicht gezielt abfeuerte, verletzten niemanden. Eine Kugel durchbohrte ein Bild an der Wand neben dem Tresen, eine prallte an einem Glücksspielautomaten ab, die dritte beschädigte den Fußboden. Als der Schütze verschand, flohen Mutter und Tochter in den Raum mit den Gästen. "Ich habe mich nicht getraut, hinterherzulaufen", gibt Nivetha Uthayakumar zu, die die Polizei rief, doch der entkam der Mann.

Seit 15 Jahren betreiben die Uthayakumars das Lokal. Von einiger Zeit pachteten sie noch einen angrenzenden Imbiss dazu, weil sie so größeren Gesellschaften einen Raum bieten können. Bedroht sei die Familie in all diesen Jahren nicht worden, sagt die 21-Jährige.

Konfliktfrei aber verlief vor allem das letzte Jahr für die Wirtefamilie auch nicht. Zu Streitigkeiten mit einem neuen Vermieter, der Hochhaus und drei Ladenlokale erwarb, kamen Streitigkeiten mit einigen Nachbarn. Die, davon sind die Uthayakamars überzeugt, stecken auch hinter den vielen behördlichen Kontrollen, die die Familie zuletzt über sich ergehen lassen musste. "Ich glaube, es gibt viele, die uns hier weghaben wollen", sagt die Tochter. Aber sie will die Existenz nicht aufgeben. Trotz schlafloser Nacht öffnete sie das Lokal gestern Mittag schon wieder, schloss aber am Abend zeitig. "Wir öffnen nicht noch einmal so lange, wenn kein Mann im Lokal steht."

(NGZ)
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