Neuss: Neusser Grande Dame Ilga Thywissen ist tot

Neuss : Neusser Grande Dame Ilga Thywissen ist tot

Die Frau des Ehrenbürgers und Altbürgermeisters Hermann Wilhelm Thywissen verstarb gestern. Sie engagierte sich für die Gesellschaft.

Sie war, gemeinsam mit ihrem Mann Hermann Wilhelm, über Jahrzehnte hinweg strahlender Mittelpunkt der Neusser Gesellschaft; in Kirche, Politik und Wirtschaft ebenso engagiert wie im Schützenwesen und in der Bürgergesellschaft – dazu war das Ehepaar Thywissen immer wieder großzügige Gastgeber zu vielen Anlässen. Die Einladungen trugen ihre Handschrift. Sie reichte aber auch den Schwachen in der Gesellschaft die Hand und sie kämpfte für das ungeborene Leben. Sie hatte eine Meinung und sagte sie auch. Neuss trauert mit ihrer Familie um Ilga Thywissen geb. Klöter, die gestern Morgen im 91. Lebensjahr verstarb. Sie wird in aller Stille zu Grabe getragen; anschließend wird für die Frau des Neusser Ehrenbürgers am Dienstag (18.) um 11.30 Uhr in der Basilika St. Quirin das Auferstehungsamt gefeiert werden.

Wenn es richtig ist, was der Volksmund behauptet, dann ist Ilga Thywissen der Beleg dafür: Hinter einem erfolgreichen Mann steht immer auch eine starke Frau. So unterstützte sie den Politiker Hermann Wilhelm Thywissen, der von 1982 bis 1988 letzter Oberbürgermeister der Stadt Neuss war; ebenso den Schützen, der von 1961 bis 1992 als Präsident amtierte und der 50 Jahre (1949 bis 1999) Präsident der Bürgergesellschaft war. Ihre Lebensleistung hallt über ihren Tod hinaus. Das sagt zumindest Schützenpräsident Thomas Nickel: "Ilga Thywissen hat gemeinsam mit ihrem Mann das Schützenfest in seiner heutigen Form geprägt." Sie habe ihren Beitrag geleistet, "dem Schützenwesen zu seinem gesellschaftlichen Rang zu verhelfen, den es heute genießt." Bis zuletzt fühlte sich Ilga Thywissen bei ihren Schützen gut aufgehoben. Auch nach dem Tod ihres Mannes im August 2008 kam sie regelmäßig am Schützenfest-Montag ins Festzelt, wenn sich dort auf der Bühne die ehemaligen Schützenkönige und Königinnen treffen. So auch im vergangenen Jahr.

Ilga Thywissen war die liebevolle und loyale Mitstreiterin ihres Mannes, sie dokumentierte aber auch stets Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit. Mit ihrem im Jahr 1988 gegründeten Verein Lebensschutz war sie eine Kämpferin für das ungeborene Leben – nicht nur verbal, sondern auch mit tätiger Handarbeit. Sie ging persönlich dorthin, wo die Frauen wohnten, die auf Hilfe hofften. Patenschaften für Schwangere, für Alleinerziehende und deren Kinder gewährte sie. Doch auch für alte und kranke Menschen hatte sie und ihr Verein ein offenes Ohr. "Durch ihren Rat und ihre Tat haben sich viele Schwangere für ihr Kind entschieden", sagte 1994 der inzwischen verstorbene Stadtdechant Msgr. Karl Franssen, der ihr damals den Orden "Pro ecclesia pontifice" überreichte.

Liebe und Tatkraft von Ilga Thywissen galten vor allem ihrer Familie, inklusive dem Familienunternehmen Ölmühle C. Thywissen. In den letzten Jahren diktierte ihr das Alter mehr Zurückhaltung auf; ihre Präsenz in der Öffentlichkeit nahm ab, doch Leben und Werk von Ilga Thywissen sind unvergessen. Neuss hat seine Grande Dame verloren.

(NGZ)
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