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Neuss: Neues Werk macht Pierburg zukunftsfit

Neuss : Neues Werk macht Pierburg zukunftsfit

Im Gespräch auf dem blauen NGZ-Sofa äußerte sich Geschäftsführer Olaf Hedden zu Marktanforderungen in der Welt der Automobilzulieferer, das Niederrheinwerk und Neubaupläne im Neusser Hafen und neue Technologien.

Die Elektromobilität wird zunehmen, aber nach Ansicht von Olaf Hedden zumindest in den nächsten 20 Jahren noch von untergeordneter Bedeutung sein. Trotzdem bereite sich die Firma Pierburg, unter anderem Marktführer für Abgas-Reinigungssysteme, auf diesen Wandel in der automobilen Welt vor, betonte der Geschäftsführer der Pierburg GmbH. "So einen Trend darf man nicht verschlafen", sagte er auf dem blauen NGZ-Sofa und gab schon Hinweise darauf, wie der Automobilzulieferer aus Neuss seinen Platz behaupten will: "Wir sind Weltmarktführer für Pumpensysteme im Fahrzeug", nannte der 50-Jährige ein Beispiel.

 NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten (l.) hatte mit Pierburg-Chef Olaf Hedden einen der größten Industriearbeitgeber in Neuss auf dem blauen NGZ-Sofa zu Gast.
NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten (l.) hatte mit Pierburg-Chef Olaf Hedden einen der größten Industriearbeitgeber in Neuss auf dem blauen NGZ-Sofa zu Gast. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Olaf Hedden (50) leitet die Mechatronics-Sparte der Firma Kolbenschmidt-Pierburg (KSPG) von Neuss aus, wo auch in Zukunft die 500 Köpfe zählende, zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung des weltweit agierenden Unternehmens beheimatet sein wird. 15 Werke rund um den Globus gehören zu diesem Verbund, doch das neue Niederrhein-Werk auf der Hafenmole I, dessen Eröffnung Ende Oktober mit einem Mitarbeiterfest gefeiert wird, ist für ihn in vielerlei Hinsicht einmalig.

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"Es ist eines der komplexesten Zulieferwerke Deutschlands, wenn nicht sogar der Welt", sagte Hedden mit Blick auf die Produktpalette. Kleine Magnetventile, in Millionenstückzahlen hergestellt, verlassen das Werk ebenso wie 20 Kilogramm schwere Module zur Schadstoffreduzierung bei Lastwagen. Normalerweise würden Firmen ihr Spektrum enger gestalten, sagt Hedden. Normalerweise aber würde man auch keine Gießerei und eine Produktion unter Reinraum-Bedingungen unter einem Dach zusammenführen. "Das ist nicht die reine Lehre", sagt Hedden - in Neuss aber ein Schlüssel zum Erfolg.

Über 50 Millionen Euro hat Pierburg in das Werk investiert und damit 700 Arbeitsplätze dauerhaft gesichert. Auch das kommt einer Ausnahme gleich. In der Automobilindustrie, geprägt durch viele Zuliefer- und wenig Abnehmerfirmen, herrsche ein enormer Kostendruck, erklärt Hedden. "Viele Konzerne reagieren darauf und verlegen die Fertigung nach Osteuropa", sagt der Manager, doch Pierburg entschied sich anders. Den Preis dafür zahlen auch die Mitarbeiter. Um das Werk international wettbewerbsfähig zu halten, mussten sie Mehrarbeit zustimmen und auf Teile des Einkommens verzichten. Und zumindest den 350 Mitarbeitern des Werkes Nettetal, das am Standort Neuss mit dem Neusser Werk verschmolzen wurde, musste ein längerer Weg zur Arbeit zugemutet werden. Viele nutzen dazu den Pendelbusverkerkehr, den das Werk anbietet.

Zum Kosten- kommt der Termindruck in der Branche. Lastwagen verlassen das Niederrhein-Werk fast im Stundentakt mit Pierburg-Teilen, die - wenn es ganz dringend ist - auch schon mal Frachtflugzeugen anvertraut werden. Mit dem Binnenschiff wären die engen Lieferfristen der Automobilkonzerne gar nicht einzuhalten, sagt Hedden.

Das Niederrhein-Werk hätte deshalb nicht im Hafen gebaut werden müssen - doch die Pierburger fühlen sich dort wohl. Wohnbebauung am westlichen Rand des Hafenbecken I und auf dem Münsterschul-Areal gegenüber stören nicht, im Gegenteil. Man befürworte, wenn das Umfeld derart aufgewertet wird. Und Hedden ließ keinen Zweifel daran, dass Pierburg die Restfläche der ehemaligen Case-Brache nutzen wird, um in einigen Jahren auch die Verwaltung in diesem Umfeld anzusiedeln. So lange der Mietvertrag für die Liegenschaft an der Leuschstraße läuft, bleit dieser Teil des Unternehmens auf der Furth, sagte er. Dann wird - wenn sich Konjunktur und Autobranche so robust darstellen wie aktuell - gebaut. Denn auch das führt Hedden als Argument an: Der Umzug von auf den Altstandort der Traktorenfabrik "hat dazu geführt, dass die Popularität von Pierburg gestiegen ist."

Ein positives Image, eine stabile Marktposition und eine gute Zukunftsperspektive sollen auch auf potenzielle Arbeitnehmer anziehend wirken. Die kommen mit Masse aus einem Umkreis von etwa 60 Kilometern, doch hat Pierburg auch Programme aufgelegt, um weltweit Mitarbeiter für Neuss zu finden. "Wir suchen Leute, die sich außergewöhnlich engagieren", sagt Hedden. Eine hohe fachliche Qualifikation reiche in der Autobranche von heute nicht mehr aus.

(NGZ)