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Neuss: Die Stadt sucht Eltern auf Zeit

Neuss : Die Stadt sucht Eltern auf Zeit

Bereitschaftsfamilien nehmen Kinder aus schwierigen Familien für ein paar Monate bei sich auf.

Ihr Name darf nicht genannt werden und auch ihr Wohnort in dem kleinen Dorf bei Neuss nicht. Denn die Bereitschaftsfamilie Krüger - so nennen wir sie mal - muss geschützt werden. "Es ist wichtig, dass die Anonymität der Bereitschaftsfamilien gewahrt bleibt. Denn die leiblichen Eltern sollen deren Namen und Wohnort nicht erfahren", erklärt Roswitha Krosch-Sandt, eine der beiden Mitarbeiterinnen im Fachdienst für die "Familiäre Bereitschaftsbetreuung" der Stadt.

Zehn bis zwölf Bereitschaftsfamilien gibt es in Neuss derzeit. Zu wenig, denn die Zahl der Inobhutnahmen steigt. Vernachlässigung, Gewalt in der Familie, Suchtprobleme, Krankheit oder Gefängnisaufenthalt: Die Gründe für eine vorübergehende Inobhutnahme sind vielfältig. Für die zumeist kleinen Kinder ist die Herausnahme aus ihrer Herkunftsfamilie enorm belastend. "Daher ist es wichtig, dass sie ein vorübergehendes Zuhause finden, das ihnen Versorgung, Geborgenheit und Zuwendung bietet", so Krosch-Sandt.

So wie bei Susanne und Hans Krüger. Sie haben sich ihre Entscheidung, als Bereitschaftsfamilie zur Verfügung zu stehen, reiflich überlegt. Vor sechs Jahren war das, ihre leiblichen Töchter Sophie und Franziska waren zu der Zeit acht und fünf Jahre alt. Mehrere Gespräche mit Mitarbeitern des Jugendamts, zunächst in der Behörde und später bei sich zuhause, folgten. Familie Krüger erfüllte alle Voraussetzungen: In ihrem Haus ist Platz genug, Mutter Susanne ist nicht berufstätig, Vater Hans verdient genug und auch die Kinder freuen sich auf einen vorübergehenden Gast in der Familie. Strukturierte Tagesabläufe sowie die Bereitschaft, sich einmal pro Woche mit dem Kind und dessen Herkunftsfamilie im Jugendamt zu treffen, sind weitere Voraussetzung. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren - dazu zählen Lebenslauf, Führungszeugnis, ärztliches Attest und Einkommensnachweis - "ging alles ganz schnell", sagt Susanne Krüger. Vier Wochen alt war das kleine Mädchen, das ein neues Zuhause bei den Krügers fand. "Der Anruf vom Jugendamt war kurz nach meinem Geburtstag", erinnert sich die heute 14-jährige Sophie. "Das war wie ein Geschenk."

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Wickelkommode, Kinderwagen, Babykleidung, Kindersitz - all das hatte Familie Krüger aus eigenen Mitteln angeschafft. "Das muss aber nicht sein", erklärt Krosch-Sandt. Das Jugendamt stelle aus seinem Lager auch entsprechende Ausstattung zur Verfügung.

In den vergangenen sechs Jahren hat die Familie bereits vier Pflegekinder auf Zeit betreut. "Das jüngste Kind war ein Junge, der erst 22 Stunden alt war, und den wir gemeinsam mit dem Jugendamt im Krankenhaus abgeholt haben", erzählt Susanne Krüger. "Das älteste Kind war ein Mädchen von dreieinhalb Monaten."

Immer wieder traurig sei aber das Abschiednehmen. "Wir wissen zwar, dass das Kind nur auf Zeit bei uns ist", erzählt sie. "Aber es ist ein Teil unserer Familie geworden." Die Aufenthaltszeit in der Bereitschaftsfamilie solle drei bis sechs Monate dauern, bis geklärt sei, wo das Kind auf Dauer leben wird, erklärt Krosch-Sandt. "Es kann aber auch länger werden."

21 Monate lang blieb ein kleines Mädchen bei der Familie. "Das kann passieren, wenn Gerichtsverfahren andauern", sagt Hans Krüger. "Wir sind aber ganz entspannt", so seine Frau. Denn auch bei ihrer Urlaubsplanung sei es kein Problem, wenn sie mit Pflegekind verreisen. "Wir sind in den Schulferien in Deutschland unterwegs und nehmen immer eine Ferienwohnung. Da ist es kein Problem, wenn wir dann auch ein Baby dabei haben."

(NGZ)