Serie Die Guten Menschen Von Kaarst: Für 80 Flüchtlinge den Umzug organisiert

Serie Die Guten Menschen Von Kaarst: Für 80 Flüchtlinge den Umzug organisiert

Aus einer Facebook-Gruppe ist eine tatkräftige Initiative entstanden, die ehrenamtlich Hilfe leistet.

KAARST Flüchtling wird man nicht freiwillig. Menschen verlassen ihr Heimatland oft aus Angst um ihr Leben und Unversehrtheit ihrer Familien. Die teilweise traumatischen Erlebnisse einer Flucht will die Flüchtlingshilfe Kaarst als eingetragener Verein durch ein Gefühl der Geborgenheit mildern.

Angefangen habe alles vor gut zwei Jahren mit einer Facebook-Gruppe. "Das ist einfach die schnellere Art, zu kommunizieren. Auf Aufrufe wird teilweise innerhalb von Sekunden mit Hilfsangeboten reagiert", sagt Vorsitzende Ursula Baum stolz. Und die 130 Mitglieder sowie 2000 Follower auf Facebook haben viel erreicht: "In Kaarst leben 90 Prozent der neuen Mitbürger in Wohnungen. Speziell Familien wohnen kaum noch in Unterkünften."

Die Wohnungen haben die Vereinsmitglieder selbst gesucht und mithilfe von Spenden eingerichtet: "Eine große Ersparnis für die öffentliche Hand." Tatkräftig unterstützen auch Geschäftsführer Leo Erdtmann und der zweite Vorsitzende Wolfgang Mielke, die die großen Autos fahren, Möbel auf Anhängern transportieren und beinahe immer das passende Werkzeug parat haben.

Mit vielen "Neu-Kaarstern" sind im Lauf der Zeit enge Freundschaften entstanden. "Manchmal können wir uns vor lauter Essen nicht mehr retten, und wir dürfen nie eine Wohnung verlassen, ohne einen Kaffee getrunken zu haben", sagt Ursula Baum und lacht. Inzwischen leben rund 700 Flüchtlinge in Kaarst. Allein in 2017 hat die Flüchtlingshilfe mindestens 80 Umzüge organisiert. "Davon hat unser ältestes Mitglied Horst Wolf mit seinen 82 Jahren sicher 40 Küchen komplett eingebaut." Bei der Einrichtung gehe es lediglich um die Grundausstattung, auf die die neuen Mitbürger auf ihrem Weg durch den Bürokratie-Dschungel ansonsten wochenlang warten müssten. "Wichtig ist für uns, dass auch die Kinder in den Wohnungen endlich zur Ruhe kommen und sich in der Schule wieder konzentrieren können", sagt Mielke, der einem Flüchtling aktuell Büttger Platt beibringt.

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Wichtig ist aber auch unsere wöchentliche Sprechstunde, bei der auch eine Rechtsberatung durch den Büttger Anwalt Jeremias Mameghani stattfindet."

"Wir leisten Hilfe, wo es notwendig ist. Wir begleiten auch bei Behördengängen, helfen bei Anträgen und Verträgen, unterstützen bei der Sprachförderung, leisten in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. Die Neu-Kaarster sollen lernen, auch alleine zurechtzukommen und Arbeit zu finden." Denn Ziel des Vereins sei es eigentlich, sich überflüssig zu machen.

Info Weitere Informationen unter www.fluechtlingshilfe-kaarst.de

(NGZ)