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Neuss: Französische Klänge bei Romanischer Nacht

Neuss : Französische Klänge bei Romanischer Nacht

Die 21. Auflage der Konzertreihe in der Quirinusbasilika wurde zu einem musikalischen Höhepunkt.

Um ausgefallene Themen für die Romanische Nacht in der Neusser Quirinusbasilika ist Münsterkantor Joachim Neugart wohl nie verlegen. Die 21. Auflage unter dem Titel "Frankreichs sinnlicher Klang"wurde - vielleicht auch gerade deshalb - zu einem der wunderbaren Höhepunkte in der langen Geschichte. Beide seiner renommierten Klangkörper setzte er diesmal ein, die bis weit nach Mitternacht die Zuhörer ausharren ließen - auf den für solche gewollt langen Konzertnächte extrem harten Bänken der Basilika.

Der Münsterchor eröffnete das Programm mit einem in Neuss noch nie aufgeführten Kleinod: Der französische Barockmeister André Campra hatte während seiner Zeit als Kapellmeister an der Pariser Kathedrale Notre Dame sein einziges "Requiem" geschrieben (1723). Als versierter Opernkomponist beherrschte er alle musikdramatischen Affekte: Trauer, Trost, Schrecken und Hoffnung. Besonders reizvoll: Dem fünfstimmigen Münsterchor standen zwei Soprane (Karolina Brachmann und Marie Heeschen) und drei Männerstimmen (Leonhard Reso, Lothar Blum und Sebastian Klein) gegenüber. Richtiger: Im Miteinander mit dem Hauptchor verwoben sie die Teile der Gedenk- und Fürbittmesse kunstvoll. Den tadellosen Solisten stand der Münsterchor in Nichts nach. Mitglieder des Barockorchesters "Concert Royal Köln" glänzten in kurzen Vorspielen und begleiteten sicher. Etliche Mitglieder des Münsterchores singen auch in Neugarts Kammerensemble "Capella Quirina Neuss". Mit A-cappella-Musik vom Feinsten wurde Frankreichs Klangsinnlichkeit zum Manifest. In zwei Stücken aus den "Vier Motetten für eine Zeit der Buße" von Francis Poulenc, seinem "Salve Regina" und einem strahlenden "Exsultate Deo" stellte der Kammerchor Poulencs expressiven Stil in sicherem Spiel einzelner Klanggruppen heraus: Synchrone Deklamationen, dissonante Formen, Stimmfärbungen und an Gregorianik erinnernde prägnante Melodien - alles passte wunderbar, wie auch in der "Messe in G" des Franzosen. Am beeindruckendsten: das "Agnus Dei" mit extrem hohem, gleichwohl klarem Solosopran aus den Reihen des Chores. Im Tenor sang auch der Dorstener Kantor Hans-Jakob Gerlings mit, der in zwei abwechslungsreich auf der Münsterorgel registrierten Chorälen von César Franck dem Chor eine Pause gönnte.

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Zwischen den beiden Chorblöcken gab es eine faszinierende Stunde mittelalterlicher Gesangskunst aus dem einstimmigen Repertoire der berühmten Notre-Dame-Schule im Paris des 13. Jahrhunderts. Sie gestalteten Maria Jonas und ihr Ensemble "Sanstierce", ein Trio für modale Improvisation. Die kreative Kölner Sopranistin pflegt einzigartige kunstvolle Verzierungen in ihren Improvisationen. Dominik Schneider begleitete mit Quintere und Flöten, Bassem Hawar spielte die Djoze, eine irakische Fidel. So wurde die romanische Nacht zugleich zu einer berührenden Verbindung von arabischem und europäischem Mittelalter.

(Nima)