Neukirchen-Vluyn: Infotafeln erklären die Straßennamen

Neukirchen-Vluyn: Infotafeln erklären die Straßennamen

Wer war Emil Schweitzer? Und warum heißt die Geitlingstraße so? An insgesamt 13 Straßen bringt der Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen neue "Legendenschilder" an, die Aufschluss über die Namen geben.

Da war diese Frau, die sich jüngst wunderte, als Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins Neukirchen sich am am Straßenschild der Geitlingstraße zu schaffen machten. Ja, wisse sie denn, warum die Straße überhaupt so heißt?, entgegnete Hans-Peter Burs, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Neukirchen. Das wusste die Dame nicht.

"Dabei wohnt sie direkt hinter dem Schild!" Burs erzählte die Geschichte gestern beim offiziellen Start einer neuen Aktion des Vereins: Er versieht Straßenschilder im Barbaraviertel und der Rathaussiedlung mit Zusatzbeschilderungen, die Aufschluss über die Straßennamen geben. Insgesamt 29 solche "Legendenschilder" bringt der Verein an 13 Straßen an, die an den Bergbau und alte landwirtschaftliche Höfe erinnern.

Die eingangs erwähnte Frau ist kein Einzelfall. Vielen sei der Sinn der Straßennamen nicht oder nicht mehr bekannt, bedauerte Burs gestern. Dem will der Verein entgegensteuern. Es gehe um einen Beitrag zur Pflege der Stadtgeschichte, aber auch um eine Steigerung der Attraktivität der Stadtteile.

Insgesamt 1000 Euro gibt der Heimat- und Verkehrsverein für die Info-Schilder aus. "Wir haben einen Rabatt bekommen, weil die Bestellung über die Stadt lief." Sonst wäre ungefähr die doppelte Summe fällig gewesen. Die Ausgaben bestreitet der Verein aus seiner Kasse, außerdem habe ein Vereinsmitglied, das nicht genannt werden möchte, Geld gespendet. Der Baubetriebshof sorgt dafür, dass alle Schilder korrekt angebracht werden.

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2002 hatte der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Neukirchen schon einmal Legendentafeln an Straßenschildern angebracht. Damals war es eine gemeinsame Aktion mit dem HVV Vluyn gewesen. "Er machte zehn Schilder und wir auch zehn." Diesmal machen die Vluyner nicht parallel mit, sie wollten aber bald mit einem ähnlichen Projekt nachziehen , sagte Burs. In Neukirchen entstand die Idee für eine "zweite Auflage" der Infotafel-Aktion im vergangenen Jahr, als der Heimat- und Verkehrsverein seinen 60. Geburtstag feierte.

Und wofür steht nun der Name "Geitlingstraße"? Geitling ist eigentlich ein Vogelname (Schwarzdrossel), im Ruhrgebiet aber als Name eines Kohleflözes gängig. Die Markscheider, die einst die Flöze vermaßen, ersannen mitunter malerische Bezeichnungen für die Gesteinsformationen. "Finefrau" (Feine Frau) hieß zum Beispiel ein anderer Flöz, der ebenfalls für eine Neukirchener Straße Pate stand.

Bürgermeister Harald Lenßen lobte gestern das Engagement des heimat- und Verkehrsvereins. "Die Legenden tragen zur Identifikation der Bürger mit ihrem Wohnort bei", sagte er. Sie dienten der Information und Bewahrung der Tradition.

Schon jetzt planen die Heimatfreunde eine "dritte Auflage" der Aktion, nämlich im Dorf Neukirchen, wenn dort die Arbeiten im Rahmen des "Integrierten Handlungskonzepts" abgeschlossen sind. "Wir gehen davon aus, dass wir dazu einen Zuschuss aus dem sogenannten Verfügungsfonds der Stadt bekommen werden", sagte Burs.

(RP)
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