Mönchengladbach: Streit um Sportkaufhaus

Mönchengladbach: Streit um Sportkaufhaus

Die Ansiedlung von Decathlon in der City-Ost hinter dem Bahnhof entzweit die Ampel: Die SPD spricht von einer riesigen Chance, die FDP pocht auf das Zentrenkonzept und lehnt ab. Die Masterplaner fordern Grün statt Kaufhaus.

Als vor einigen Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs das Fachmarktzentrum virtuell aus dem Boden wuchs, sollte das Sportkaufhaus Decathlon das Zugpferd für die City-Ost werden. Kein Wunder, denn das Konzept des französischen Sportriesen ist reizvoll: Der Kunde, der etwa ein BMX-Rad kauft, soll dies auf einem Parcours gleich ausprobieren können.

Die Haken: Die Planung stand nur auf dem Papier. Und dann machte das Zentrenkonzept einen Strich durch die Rechnung: Denn was mitten in der Stadt verkauft werden kann, soll nicht zur grünen Wiese abwandern. Sonst, so die Befürchtung, könnte die City unattraktiv werden. Die Fachmarkt-Pläne verschwanden. Geblieben ist Decathons Interesse für diesen Standort. Das könnte für einen heftigen Streit im Ampel-Bündnis sorgen: Die SPD will das Sportkaufhaus an dieser Stelle. FDP und Grüne nicht — unterstützt werden sie von der CDU.

Klare Kante

Bei der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post war Decathlon plötzlich großes Thema. Denn da formierte sich der Widerstand gegen Decathlon in der City-Ost. Einhelliger Tenor beim Technischen Beigeordneten Andreas Wurff, Architekt Fritz Otten vom Masterplan-Verein MG 3.0 und Dr. Peter Achten vom Handelsverband NRW: Ja zu Decathlon als Attraktion in der City, aber Nein zur City-Ost. "Von der Idee eines Fachmarktzentrums müssen wir uns verabschieden. Da müssen wir auch einmal harte Kante zeigen", sagte Gladbachs Planungsdezernent Wurff.

  • Fotos : Gladbachs Großbaustellen

Mit dieser Aussage wird er sich bei den Gladbacher Sozialdemokraten keine Freunde machen. Denn SPD-Fraktionschef Lothar Beine trommelt fleißig für die Ansiedlung von Decathlon. Als jüngst die Ratsfraktionen bei einem Runden Tisch die Vorstellungen der Masterplaner um Stararchitekt Sir Nicholas Grimshaw diskutierten, war die SPD mit ihrer Haltung zur City-Ost isoliert.

Denn auch der Masterplan sieht hier hochwertigen Bürobau und viel Grün in einem Gladbach-Tal vor. "Der vorgeschlagene Grüngürtel ist viel zu groß und zu breit. Wie sollen wir den denn pflegen, wenn uns schon jetzt für die Park-Unterhaltung das Geld fehlt", sagt Beine. Er sieht auch keine Chancen, den Vermarkter der City-Ost-Grundstücke, Aurelis, davon zu überzeugen.

Vor allem: Bliebe es bei Bürobauten, wäre dies das Aus für die Decathlon-Pläne. Und da will Beine keinesfalls kampflos aufgeben. "Das Sportkaufhaus nach Gladbach zu bekommen, ist eine riesige Chance. Das ist ein Magnet", sagt der SPD-Boss. Dafür will er das Zentrenkonzept aufweichen: "Wir müssen dafür die Sortimentsliste überarbeiten, denn beispielsweise Textilien und Schuhe haben für Decathlon eine völlig untergeordnete Bedeutung." Er stellt sich auf heiße Diskussionen in der Ampel ein: Nach derzeitigem Stand wird die FDP nicht mitziehen.

(RP)
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