Mönchengladbach: Rheydts größte Baustelle

Mönchengladbach : Rheydts größte Baustelle

Seit Montag rahmt ein Bauzaun den Rheydter Marktplatz ein. Mehr als zwölf Millionen Euro werden hier verbaut: Die marode Tiefgarage wird komplett saniert, der Platz soll zu einem Schmuckstück werden. Und die fiesen Pavillons verschwinden. Allerdings: Der Zeitplan ist eng.

Das Café Rossini hat seine Stühle strategisch gut platziert. Wer hier einen Kaffee trinkt oder ein Stück Kuchen isst, bekommt bald Erlebnisse mit serviert: Am Rheydter Marktplatz wird "Baustellen-Gucken" zum Zeitvertreib. Gestern, als Arbeiter den — da noch unverhüllten — Bauzaun aufstellten und Bagger sich in den Untergrund gruben, um Versorgungsleitungen zu kappen, waren zahlreiche Plätze besetzt. Aufregend allerdings war's nicht: Die Passanten werden erst dann nachhaltig etwas vom Umbau mitbekommen, wenn die hässlichen Pavillons abgerissen werden. Damit soll gegen Ende des Monats begonnen werden. Einen Monat später wird der Marktplatz so quasi rasiert sein: ohne Pavillons, ohne Gerhard Winds Skulptur "Figuration", ohne Brunnen. Von den rund 30 Millionen Euro, die in das Innenstadtkonzept Rheydt investiert werden, entfallen alleine rund 12,5 Millionen auf den Marktplatz.

Die Stadt und die beteiligten Unternehmen stehen dabei unter einem besonderen Druck. Denn Bund, Land und Europäische Union, die über das Förderprojekt "Soziale Stadt" die gesamte Maßnahme mit rund 19 Millionen Euro bezuschussen, haben eine Bedingung gestellt: Bis Ende 2013 muss das Innenstadtprojekt abgewickelt sein. Das Pahlkebad mit Kindergarten (acht Millionen Euro) ist fertig, die Umgestaltung des Hugo-Junkers-Parks (1,4 Millionen) hat begonnen, der Marienplatz (750 000) wird mittendrin so "nebenbei" gemacht. Bleibt der Marktplatz, und da vor allem die marode Tiefgarage. Sechs Millionen Euro muss die Stadt hier selbst investieren, um die 363 Parkplätze auf zwei Etagen zu retten.

Als der Technische Beigeordnete Andreas Wurff jüngst im Hauptausschuss mit Plänen konfrontiert wurde, dass möglichst Ende 2013 wieder ein Weihnachtsmarkt auf dem Rheydter Marktplatz stattfinden soll, schüttelte er zweifelnd den Kopf. Denn kaum einem Außenstehenden ist wirklich klar, was da auf die beauftragten Firmen zukommt: Sie müssen die oberste Betondecke der Tiefgarage in einer Stärke von acht Zentimetern abstrahlen und dann die Oberschicht durch eine neue ersetzen. Sie müssen den Fußboden in der Garage auf einer Fläche von 3500 Quadratmetern in der ersten Ebene wechseln, außerdem einige Zentimeter der Betonwände entfernen. Sie müssen die Treppenanlage im Westen des Platzes sanieren und einen Aufzug einbauen. Und wenn das alles erledigt ist — das muss im ersten Quartal 2013 sein, sonst stimmt der Zeitplan nicht mehr — folgt die zweite Ebene. Zur Limitenstraße hin bekommt die Tiefgarage noch einen Deckel.

Im Vergleich dazu wirken die eigentlichen Arbeiten auf dem Marktplatz nicht so umfangreich. Doch weit gefehlt: Immerhin werden hier auch mehr als sechs Millionen Euro verbaut und unter anderem in Naturstein, Lampen, Bänke, einen Kirschhain und ein Plateau für die Kirche investiert. Rheydts Zentrum soll schön werden. Und wer jetzt schon schauen will, wie der Stein aussieht: Am Eingangsbereich der Hauptstraße an der Friedrich-Ebert-Straße verlegt die Stadt Platten aus bergischer Grauwacke — zu Testzwecken.

(RP)