NRW Blitz-Marathon: "Digitale Tonne" blitzte 237 Autofahrer

NRW Blitz-Marathon : "Digitale Tonne" blitzte 237 Autofahrer

Die Mönchengladbacher Polizei beteiligte sich am zweiten Blitz-Marathon und kontrollierte an 50 Messstellen die Geschwindigkeit der Autofahrer. "Spitzenreiter" war ein Fahrer auf dem Klosterhofweg, der 44 km/h zu schnell war. Viele zeigten sich einsichtig.

Insgesamt wurden 10.064 Fahrzeuge gemessen. Davon waren laut Aussage der Polizei lediglich 237 zu schnell. So fiel die Bilanz der Polizei am Mittwoch, 4. Juli aus. Dabei lagen die Geschwindigkeitsüberschreitungen eher im niedrigen Verwarngeldbereich. Die Spitzenreiter waren ein Autofahrer auf dem Klosterhofweg mit einer Geschwindigkeit von 94 km/h in einem Bereich, in dem 50 erlaubt sind und ein weiterer auf der Heinrich-Pesch-Straße mit immerhin 81 km/h.

"Wer heute geblitzt wird, ist es eigentlich selber schuld", kommentierte Uli Matzerath, Inspektionsleiter und Verantwortlicher für Unfallprävention und Verkehrsüberwachung den Blitzertag recht nüchtern. Schließlich sei die landesweite Aktion mehrfach angekündigt worden. Und trotzdem wurden bis 15 Uhr etwa 100 Geschwindigkeitsübertretungen erfasst.

Der Blitz-Marathon eine reine Medienkampagne?

Polizeisprecher Willy Theveßen antwortete auf die Frage mit einem klaren "Ja". "Es geht uns ja nicht darum, viele Verstöße zu provozieren und Verwarngelder einzunehmen", betonte Theveßen. "Das Fahren mit zu hoher Geschwindigkeit muss gesellschaftlich genauso geächtet werden, wie das Fahren unter Alkoholeinfluss", erklärte der Polizeisprecher und ergänzte: "Es muss in die Köpfe der Menschen, dass nur wenige Kilometer pro Stunde mehr auf dem Tacho im Falle eines Unfalls fatale Folgen haben können."

In der Zeit von 10 bis 11 Uhr hat die Polizei am Dienstag an der Neusser Straße in Höhe der Habichtstraße ihr Messgerät aufgebaut. "Diese Stelle ist uns von mehreren Anwohnern gemeldet worden", erklärt Theveßen. Heinz Zinder (71) wohnt an der Habichtstraße, wo im Normalfall nur Tempo 30 erlaubt ist. Er erlebt fast täglich, dass Autofahrer durch die 30er Zone rasen. "Die Straße wird als Abkürzung genutzt, man kann auf dem Weg in die Innenstadt einige Ampeln umfahren", erklärt der 71-Jährige. Besonders schlimm sei dies zur "Hauptverkehrszeit zwischen 16 und 17 Uhr", so Zinder.

Doch an diesem Tag ist es ruhig. Nach nur zwei Verstößen an der Neusser Straße wechselten die Beamten am Dienstagvormittag den Standort und bauten ihre "digitale Tonne" - wie sie das Messgerät liebevoll nennen - an der L 360 in Höhe Krahnendonk auf.
Der kleine graue Kasten, in dem sich eine Kamera befindet, ist schnell umgeladen und wieder funktionsbereit. Erst seit Januar 2012 hat die Mönchengladbacher Polizei das moderne Radarmessgerät. "Der Vorteil ist, dass sich das Messgerät von parkenden Fahrzeugen entfernt aufstellen lässt und gut versteckt werden kann", erläuterte Theveßen.

Das Messgerät brauche nur eine kurze Justierung durch einen Beamten und Strom. Der kommt aus dem etwas abseits geparkten Einsatzfahrzeug der Polizei. Erst wenige Minuten in Betrieb meldete ein Beamter über Funk schon die erste Auffälligkeit. Der Fahrer eines BMW wurde mit 15 Kilometern zu viel auf dem Tacho erfasst und von Polizeihauptkommissar Ralf Wellesen aus dem Verkehr gewunken. Das Bußgeld in Höhe von 20 Euro zahlt der Fahrer bereitwillig mit seiner EC-Karte. Als Ursache für das zu schnelle Fahren gab er an, das Schild nicht gesehen zu haben. "Die Begründung hören wir natürlich häufig", erklärt Wellesen.

Auch Peter Grobelny wurde von der Polizei angehalten. Er ist 18 Kilometer pro Stunde zu schnell und kennt das Prozedere. "Das ist mir schon häufiger passiert", gab der 49-Jährige kleinlaut zu. Ebenso kleinlaut erklärte der Audi-Fahrer dann, keine Fahrerlaubnis dabei zu haben. "Mein Führerschein muss noch in der Motorradjacke sein", sagt er. Glücklicherweise trug er einen Lichtbildausweis bei sich. Sonst hätte es sogar sein können, dass die Polizei den Mann nach Hause begleitet. "Wir müssen die eindeutige Identität der Fahrer klären", so Polizeihauptkommissar Andreas Münnich. Gerät man in eine Verkehrskontrolle und hat keinen Führerschein dabei, wird außerdem ein Verwarngeld von zehn Euro fällig.

Dann blitzte es gleich zweimal hintereinander aus der "digitalen Tonne." Dagmar Offermanns und Freundin Sabrina Otto versuchten, es mit Humor zu nehmen. "Wir waren gerade auf dem Weg zum Einkaufen und jetzt geben wir eben 20 Euro weniger für Spielzeug und Baby-Kleidung aus", sagte Offermanns und verwies auf die fünf und drei Monate alten Säuglinge, die im Maxi-Cosi auf dem Rücksitz ruhig weiterschliefen. Auch Polizeihauptkommissar Ralf Wellesen zeigte Humor und unterschrieb die Quittung über 20 Euro - die Frauen waren 13 km/h zu schnell - mit dem Hinweis "20 Euro Trostpreis für die Teilnahme am Blitz-Marathon". Weniger zum Lachen zumute war der zweiten Fahrerin. Sie wurde an diesem Vormittag die "Spitzenreiterin" an der L 360 und muss bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h mit einem Verwarngeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg rechnen. "Mein Tag ist gelaufen", sagte sie noch und fuhr davon.

Die Beamten zogen eine positive Bilanz. "Man merkt, dass der Verkehr entspannter läuft als sonst und die Fahrer die Geschwindigkeit im Auge haben", erklärte Theveßen. Und genau das wünsche sich die Polizei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Blitz-Marathon in Mönchengladbach Lürrip und Neuwerk

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