Borussia Mönchengladbach: Mit Favre ist Gladbach wieder wer

Borussia Mönchengladbach : Mit Favre ist Gladbach wieder wer

Wenn es Borussia gut geht, fühlt sich auch Mönchengladbach wohl. Lucien Favre steht für den Aufschwung des Fußballklubs. Die Fans fürchteten, er könnte ihnen abhanden kommen.

Gestern hat er seinen Vertrag bis 2015 verlängert. "Ich fühle mich wohl in Mönchengladbach", sagte er.

Rainer Bonhof wird am Mittwoch wohl ausführlich mit seinem Postboten plaudern. Der Mann ist großer Borussen-Fan und hat stets eine Meinung zum Geschehen im Verein. Er wird Borussias Vizepräsident ganz sicher loben für das, was der Bundesligist gestern verkündete: Lucien Favre bleibt Trainer, er hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert.

Seit Monaten war die Zukunft des schmalen Herrn aus der Westschweiz ein Thema, das ganz Gladbach bewegte. Denn Favre steht für den Aufschwung des Klubs, er hat aus einem designierten Absteiger einen Europapokal-Teilnehmer gemacht. "Das erinnert die Menschen hier natürlich an die alten Zeiten", sagt Bonhof, der selbst früher ein Teil der legendären "Fohlenelf" war, die den Namen Mönchengladbach in aller Welt bekannt gemacht hat. "Mönchengladbach können die Menschen in vielen Ländern nicht richtig aussprechen, aber Borussia", sagt Bonhof.

Die Fans nennen Favre "Hennes"

Das Selbstverständnis der Stadt hängt eng mit Borussias Befinden zusammen. Als der Klub zweitklassig war, war es gefühlt auch die Stadt. Und nun ist Gladbach wieder wer, weil Borussia Erfolg hat — und schönen Fußball spielt. Auch Dank Lucien Favre.

Der Favre-Stil erinnert tatsächlich an die früheren Fohlen. Und auch der Ansatz von Sportdirektor Max Eberl, vor allem mit jungen, hungrigen Talenten zu arbeiten. So war es auch früher, als Hennes Weisweiler Trainer war und Helmut Grashoff Manager.

Nach Weisweiler, dem Kölner, der Gladbach groß machte, ist eine Straße am Borussia-Park benannt. Auch Grashoff hat eine Straße dort bekommen. Günter Netzer, Berti Vogts und Herbert Wimmer haben ein Denkmal in Eicken, dort, wo Borussias Geburtsstätte war. Lucien Favre hat es noch nicht zu einem Denkmal gebracht, obwohl es nicht wenige gibt, die ihn sofort dafür vorschlagen würden. Vielleicht auch als Ehrenbürger der Stadt. Zumindest aber als Ehrenmitglied Borussias, so wie es Ex-Trainer Hans Meyer ist. Immerhin haben die Fans Favre schon geadelt, als sie ihn "Hennes" nannten.

Nun fürchteten die Gladbacher, ihr "Lulu" könnte ihnen abhanden kommen. Doch er bleibt. Er mag es, mit seiner Frau Chantale im Bunten Garten zu flanieren, um zu entspannen. Favre mag die Natur, und dieses Stück Grün nahe seines Hauses, das hat es ihm angetan. Favres zweites Zuhause ist der Borussia-Park. Dort, auf dem Trainingsplatz, ist er in seinem Element. Favre ist ein Fußball-Lehrer im reinsten Sinn, er ist auch ein Fußball-Fanatiker, er lebt das Spiel. "Es geht nie ohne Fußball", sagte er, als er jetzt nach sieben Wochen Urlaub zurückkehrte aus der Schweiz.

Auch Favre sieht die "vielen Borussen-Fahnen überall in der Stadt", die Rainer Bonhof zeigen, dass "alle hier mit uns fiebern". Wie sein Postbote. "Er wird schon die richtigen Worte finden" , freut sich Bonhof auf den Plausch mit dem Briefträger über das Thema Favre. Der Trainer selbst, der sich oft ziert, wenn es um Bekenntnisse geht, fand gestern die richtigen Worte: "Ich fühle mich wohl in Gladbach." Und Gladbach freut sich, dass Favre "einer von uns" bleibt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Lucien Favre

(RP/rl/can)
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