Missbrauch in Mönchengladbach: Täter wartete in der Toilette auf Opfer

Fünfjährige in Mönchengladbach missbraucht : Täter wartete in der Toilette offenbar auf ein Opfer

Während die Eltern in einem Mönchengladbacher Schnellrestaurant saßen, wurde ihre fünfjährige Tochter auf der Damentoilette von einem unbekannten Mann missbraucht. Der Täter hatte dort offenbar auf ein Opfer gewartet.

Das Video aus der Überwachungskamera zeigt einen Mann, der in Mönchengladbach ein Fast-Food-Restaurant an der viel befahrenen Korschenbroicher Straße betritt und sofort den Toilettenbereich aufsucht. Dort wird er gut 40 Minuten später ein fünfjähriges Mädchen missbrauchen. Das haben auf jeden Fall die Ermittlungen der Mönchengladbacher Polizei ergeben. Sie fahndet seit Dienstag öffentlich nach dem mutmaßlichen Täter.

Der erschreckende Fall ereignete sich bereits am 23. April dieses Jahres. An diesem Tag, einem Samstag, besuchten die Eltern gemeinsam mit ihrer fünfjährigen Tochter die "Kentucky Fried Chicken"-Filiale. Sie hatten bereits Essen bestellt und Platz genommen, als das kleine Mädchen gegen 19 Uhr alleine zur Damentoilette ging. Dort muss der Täter gewartet haben.

Gegen 19.20 Uhr Schnellimbiss verlassen

Nach den Videoaufzeichnungen hatte er das Restaurant gegen 18.20 Uhr betreten, war zu den Toiletten gegangen und danach nicht wieder aufgetaucht. "Möglicherweise hat er sich die ganze Zeit über in der Damentoilette versteckt gehalten", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. Das Mädchen berichtet, dass der Mann plötzlich ihre unverschlossene WC-Kabine betreten habe, wo es dann zum sexuellen Missbrauch kam. "Anschließend wies er das Kind an, in der Toilette zu bleiben", berichtet Lützen.

Nach der Tat verließ der Mann den Toilettenbereich, schaute sich im Restaurant noch einmal nach allen Seiten um, verließ gegen 19.15 Uhr den Schnellimbiss und fuhr mit einem älteren schwarzen VW-Touran davon. Die Polizei fragt, wer den abgebildeten Mann kennt und Hinweise zu ihm geben kann. Sie hofft, dass der Tatverdächtige trotz der schlechten Bildqualität aus der Überwachungskamera erkannt wird und verweist auf die markante Frisur des Mannes, bei der die Haare an den Seite beinahe kahl rasiert sind. Die Polizei bittet alle, die Hinweise geben können, sich unter der Telefonnnummer 02161 290 zu melden.

Erst ein Vierteljahr nach der Tat Bilder veröffentlicht

Auch wenn seit der Tat bereits drei Monate vergangen sind, hoffen die Ermittler, dass jemand den Mann auf den Überwachungsbildern erkennt. Dass die Polizei erst ein Vierteljahr später mit den Aufnahmen an die Öffentlichkeit gegangen ist, kann mehrere Gründe haben. "Zunächst geht man davon aus, dass man den Täter auch ohne öffentliche Hilfe zu fassen bekommt. Das ist — unabhängig von diesem Fall — der ganz normale Weg", sagt Michael Mertens, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Das geschehe sowohl aus Gründen des Opfer- als auch des Täterschutzes.

Man müsse sich gerade bei einem so schwerwiegenden Vorwurf wie des sexuellen Missbrauchs eines Kindes sehr sicher sein, dass es sich auf dem Foto, das man veröffentlichen will, auch um den Täter handelt. "Auf der anderen Seite will man es den Opfern aber auch möglichst ersparen, dass ihr Fall an die Öffentlichkeit gerät", betont Mertens. Letztlich muss ein Richter einer Veröffentlichung zustimmen.

Schlechte Qualität der Überwachungsaufnahmen

Große Probleme bereitet der Polizei die in der Regel sehr schlechte Bildqualität der Aufnahmen aus den Überwachungskameras. "Wir sind meistens schon froh, wenn wir einen Menschen darauf erkennen können", sagt Mertens. Zwar gebe es deutlich bessere Kameras, aber aus Kostengründen entschieden sich die meisten gegen die Anschaffung. "Restaurantketten und Tankstellen zum Beispiel haben Kameras eigentlich auch nur, weil die Versicherungen das vorschreiben. Darum greifen sie auch nur auf die billigsten Modelle zurück", betont Mertens. "Gebe es die Pflicht, hochauflösende Videokameras zu installieren, würde das der Polizei vieles erleichtern", sagt er.

Das gilt wohl auch für den aktuellen Fall in Mönchengladbach. Auf den Fahndungsbildern der Überwachungskamera aus dem Schnellrestaurant ist der Täter nur sehr schlecht zu erkennen.

(csh)
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