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Mönchengladbach: Ein sturer Hengst wird zum Schoßpferdchen

Mönchengladbach : Ein sturer Hengst wird zum Schoßpferdchen

Es ist, als befände man sich tief im mittleren Westen der USA. Auf einer richtigen Ranch. Der typische Country-Sound klingt einem schon von weitem in den Ohren, und der Geruch von Pferden liegt in der Luft. Inmitten einer Reithalle befindet sich eine vergitterte Manege, wie bei einem Rodeo, um das sich bereits viele Menschen, teils in Cowboy-Montur, versammelt haben. Der einzige Fehler: Das Ganze findet nicht im weit entfernten Amerika statt, sondern tatsächlich in der Halle im schönen Wickrather Schlosspark.

Aber wozu der ganze Aufwand? Die Antwort wird klar, als er unter tosendem Applaus – und ebenfalls in authentischem Outfit – die Halle betritt: Monty Roberts. Auch bekannt als der "Wahre Pferdeflüsterer" und "Der, der mit den Pferden spricht". Und genau das hat er an diesem Abend vor. Mit insgesamt drei "Problempferden" arbeitet der Pferdeflüsterer vor den Augen der Zuschauer und präsentiert seine ganz persönliche Arbeitsweise und absolut gewaltfreie Arbeit mit den Tieren.

Und da steht er, ein Mann, dessen Alter man gerne bezweifeln möchte, wenn man ihn wie zu seinen besten Zeiten in der Reithalle umherlaufen sieht. "Wir haben hier heute drei wirklich harte Pferde", erklärt er dem Publikum. "Eins ist noch sehr jung und nicht eingeritten, das zweite hat riesige Angst vor fast allem, und das dritte möchte um keinen Preis in einen Anhänger verladen werden. Aber das werden wir heute ändern." Wenige Momente darauf hallt das Geklapper von Hufen durch die ausverkaufte Halle, das, wie sich einige Sekunden später herausstellt, zu dem jungen Haflinger-Pony namens "Steno" gehört. Nervös schnaubend wird er von einem von Monty Roberts mitgebrachten Instruktoren in den sogenannten "round-pen" geführt, um dort von dem Pferdeflüsterer persönlich in Empfang genommen zu werden. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt den beiden nicht, denn schließlich warten noch zwei weitere Besitzer darauf, von dem Pferdeflüsterer einige wertvolle Tipps im Umgang mit ihren Vierbeinern zu bekommen.

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Roberts beginnt mit seinem Training. Hierbei setzt der 78-Jährige auf eine ganz besondere Methode, die er selbst einst "salonfähig" machte: das sogenannte "Join-Up". Hierbei soll das Pferd aus eigenem Antrieb vertrauensvoll auf den Menschen zugehen und ihn so, ähnlich wie bei einer Herde von Wildpferden, als eine Art Alphatier akzeptieren. Und tatsächlich. Nachdem Steno einige Runden durch den round-pen galoppiert ist und unter der sanften Hand des Pferdeflüsterers mehrfach die Richtung gewechselt hat, ist es schließlich soweit. Das junge Pony geht auf Roberts zu, senkt seinen Kopf, um sich streicheln zu lassen. Es vertraut dem 78-Jährigen. Und das nach nur wenigen Minuten, ohne ihn jemals vorher getroffen zu haben. Auch seine Besitzerin ist absolut baff. "Ich konnte ihm nicht mal eine Decke überziehen", erklärt sie. Monty Roberts setzt dem Pony am Ende sogar noch einen Sattel auf, und das alles nahezu problemlos.

Ein glücklicher Zufall? Wohl kaum. Denn auch bei den beiden anderen Pferden ist er erfolgreich und schafft innerhalb weniger Minuten eine verblüffende Veränderung, die sowohl die Besitzer als auch das Publikum sprachlos macht. Doch was ist sein Geheimnis, wenn es nicht ein Wunder oder pure Zauberei ist? Die Antwort lautet: Kommunikation. Denn Monty Roberts ist nicht umsonst bekannt als der, der mit den Pferden spricht. Seit mehr als 50 Jahren beherrscht er ihre Sprache, setzt die richtigen Signale zur richtigen Zeit, kennt die Bewegungen, auf die die Fluchttiere reagieren. Nicht umsonst bestellt unter anderem Queen Elizabeth II. persönlich den Mann, der in Kalifornien geboren und aufgewachsen ist und einst als Stuntman und Rodeo-Reiter arbeitete, regelmäßig nach Windsor, um dort die königlichen Pferde auszubilden. Dabei wurde der Pferdeflüsterer in seiner Kindheit völlig anders erzogen. "Ich wünschte, mein Vater wäre heute hier", sagt Roberts gegen Ende der fast dreistündigen Show. "Er war immer der Meinung, Erziehung würde nur durch Gewalt funktionieren, und hat mir selbst als Kind 71 Knochen in meinem Körper gebrochen. Aber ich beweise, dass es auch anders geht und hoffe, die Welt dadurch ein kleines bisschen besser zu machen."

(mki)