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Mettmann: Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich

Mettmann : Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich

Rund um Düsseldorf steigen die Mietpreise. Sozial Schwache werden verdrängt - auch in Mettmann.

Wer in Mettmann Hartz IV oder andere Sozialleistungen bezieht, wohnt heute vermutlich häufiger in der Nähe ähnlich sozial schwacher Nachbarn als noch vor 15 Jahren. Die räumliche Trennung nach Einkommenshöhe ist in den vergangenen Jahren in Deutschland jedenfalls gewachsen. Dies belegen gleich mehrere neue Studien.

Das Fachmagazin "Capital" hat für Städte in ganz Deutschland die Wohnraumentwicklung untersucht. Das Ergebnis: In den kleineren Städten steigen die Mieten, weil viele Arbeitnehmer dort wohnen und zum Arbeiten in nahe gelegene Großstädte einpendeln. Das betrifft auch Mettmann mit seiner Nähe zu Düsseldorf. Da vielen das Leben in der Landeshauptstadt zu teuer geworden ist, zieht es die Menschen zunehmend in die Neandertalstadt. Mit dem Auto oder der Regionalbahn ist Düsseldorf in 20 Minuten erreichbar, der Düsseldorfer Flughafen liegt nur knapp eine Viertelstunde entfernt. Wie die Untersuchung darlegt, finden aber längst nicht mehr alle hier in Mettmann eine Bleibe: "Der Neubaumarkt ist abgegrast, und die bekannten Baugebiete Erkrather Weg um die Paul-Klee-Straße, Mettmann-West und Lindenbeck/Metzkausen im Bereich Schüttenhassel sind ausgereizt", heißt es.

Das hat Folgen für den Wohnungsmarkt. Die durchschnittliche Monatsmiete einer Neubauwohnung beträgt in Mettmann mittlerweile 9,56 Euro pro Quadratmeter. Das ist teurer als in Erkrath und preislich fast gleichauf mit den Düsseldorfer Stadtteilen Benrath, Wersten oder Gerresheim. In anderen Kreisstädten ist die Entwicklung noch stärker: Für eine Neubauwohnung in Hilden muss man monatlich im Schnitt mit 10,80 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Der Trend in die umliegenden Städte verdrängt nach Auffassung von Experten wie Makler Frank Erlinghagen immer mehr sozial Schwächere in die Randgebiete. Erlinghagen hat an der Wohnraumuntersuchung für "Capital" mitgewirkt und betont: "Diese Entwicklungen sind nur zu stoppen, wenn die Stadt selbst Wohnraum im Zentrum schafft, der auch für Einkommensschwächere bezahlbar ist."

Zu dieser Entwicklung hat auch das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung jetzt ein Diskussionspapier erstellt. Es zeigt: Besonders stark ausgeprägt ist die Verdrängung bei armen Familien mit kleinen Kindern. Dieser demografische Einfluss ist den Wissenschaftlern zufolge sogar manchmal noch bedeutsamer als das Mietniveau.

Dennoch: Je mehr Sozialwohnungen in einem Stadtteil existieren, desto höher ist die Armutskonzentration. Und das sind in der Regel nicht die Stadtzentren. Hinzu kommt: Wer Wohnraum mieten muss, hat weitere wirtschaftliche Nachteile.

Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von Mieten und Wohneigentümerkosten für 401 Kreise ergab jetzt: Der Kostenvorteil der Selbstnutzer gegenüber den Mietern betrug im vierten Quartal vergangenen Jahres rund ein Drittel. Insgesamt sei Wohneigentum in allen Kreisen aktuell günstiger als das Wohnen zur Miete, stellen die Experten fest.

(RP)