Mettmann: Auf dem Weg der Befreiung

Mettmann: Auf dem Weg der Befreiung

Eine Stele am Mettmanner Rathaus erinnert an die Rettung der Landeshauptstadt vor der völligen Zerstörung im April 1945. Letzte Station der gefährlichen Strecke, die zwei Düsseldorfer zu den hier stationierten US-Truppen zurücklegten.

Seit einigen Tagen steht eine Stele vor dem Rathaus, die an die dramatische Rettung Düsseldorfs in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges erinnert. Insgesamt sechs Stelen, aufgestellt von der Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt, markieren den "Weg der Befreiung", den die beiden Düsseldorfer Aloys Odenthal und August Wiedenhofen von der Widerstandsgruppe "Aktion Rheinland" im April 1945 zurücklegten. Ihr Ziel: das heutige Mettmanner Rathaus, damals für wenige Tage Hauptquartier der amerikanischen Truppenverbände. Dort wollten die beiden Männer die Amerikaner überzeugen, von einem weiteren vernichtenden Bombenangriff auf Düsseldorf abzusehen und stattdessen über eine kampflose Übergabe der Stadt zu verhandeln.

Verraten und erschossen

Zu diesem Zeitpunkt war Düsseldorf bereits vollständig von den Amerikanern eingekesselt. Dennoch hatte NS-Gauleiter Friedrich Karl Florian befohlen, die Stadt mit allen Mitteln zu halten. Die Männer der "Aktion Rheinland" wollten dies jedoch um jeden Preis verhindern und vor allem weiteres Leid der Zivilbevölkerung vermeiden.

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So steht die erste Stele am Fürstenwall in Friedrichstadt, wo sich die "Aktion Rheinland"-Gruppe seit Beginn des Krieges in der Wohnung ihres Mitgliedes Josef Lauxtermann regelmäßig getroffen hatte. Standort der zweiten Stele ist das Polizeipräsidium am Jürgensplatz, wo der Oberst der Schutzpolizei, Franz Jürgens, Odenthal und Wiedenhofen ein Auto zur Verfügung stellte, um sich damit nach Mettmann durchzuschlagen. Zuvor war in einer dramatischen Aktion der Polizeipräsident festgesetzt worden. Die Männer, darunter auch Jürgens, wurden jedoch verraten und noch am Abend des selben Tages auf dem Hof einer Bilker Schule erschossen – die letzten Opfer der Nazis in Düsseldorf.

Derweil waren Odenthal und Wiedenhofen bereits auf dem gefahrvollen Weg nach Mettmann. Am Nachmittag erreichten sie Gerresheim (dritte Stele an der Benderstraße), von wo sie sich zu Fuß weiter machten. Die beiden Männer hatten sich zwischenzeitig getrennt, um nicht verdächtig zu erscheinen, denn sie mussten beständig fürchten, von deutschen Militärstreifen aufgegriffen zu werden. An der Straßenecke Unter den Eichen/Lakronstraße (vierte Stele) verabschiedete sich Odenthal von seiner Frau, für den Fall, dass er nicht zurückkommen sollte. Die fünfte Stele steht vor der Hubbelrather Kirche St. Cäcilia, wo die beiden Männer eine Rast bei Pfarrer Lebrecht Petri einlegten. Als sie sich gegen 18 Uhr dann den amerikanischen Stellungen näherten, hielten Odenthal und Wiedenhofen eine weiße Fahne hoch. Im Mettmanner US-Quartier (letzte Stele am Rathaus), wo sie am Abend eintrafen, zeigten sie den Passierschein des inzwischen verhafteten Jürgens und versicherten, dass in Düsseldorf niemand mehr militärischen Widerstand leisten würde. Die beiden Vermittler waren schließlich erfolgreich: Beim kampflosen Einmarsch der US-Truppen saßen Wiedenhofen und Odenthal oben auf zwei amerikanischen Panzern.

(RP)
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