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Meerbusch: Runder Tisch für Pfarre

Meerbusch : Runder Tisch für Pfarre

Kritiker und Verantwortliche in den sechs Gemeinden von Hildegundis von Meer suchen nach Wegen, die Entwicklung der fusionierten Großpfarrei in Eintracht voranzubringen.

Es knistert. Die Atmosphäre ist aufgeladen. Der kleine Saal im Lank-Latumer Pfarrzentrum platzt aus allen Nähten. Es werden zusätzliche Stühle herbeigeschafft, damit die mehr als 30 Gäste während der Sitzung des Pfarrgemeinderats Hildegundis von Meer einen Platz finden. Immer mehr Katholiken aus den sechs Gemeinden St. Stephanus, St. Nikolaus, St. Franziskus, St. Pankratius, St. Martin und St. Cyriakus haben in den zurückliegenden Wochen ihre Unzufriedenheit über die Entwicklung der durch Anordnung des Bischofs fusionierten Pfarre Ausdruck verliehen. Mal sachlich, mal emotional, mal beides.

Die Diskussion hat Spuren hinterlassen. Einige der Pfarrgemeinderatsmitglieder sagten ganz unverblümt, wenn sie das im Vorhinein gewusst hätten, hätten sie sich nicht um ein Mandat beworben. Erkennbar ist aber auch, dass sich die Verantwortlichen sichtbar bemühen, kein neues Öl ins Feuer zu gießen. Pfarrer Norbert Viertel sah in der Neuwahl des Vorsitzenden Professor Dr. Thomas Stelzer-Rothe und seiner Stellvertreterin Andrea Timmermanns (beide bekamen in geheimer Abstimmung nur Ja-Stimmen) ein gutes Zeichen für die Zukunft. "Wir dürfen die Einzelgemeinden nicht aus dem Blick verlieren", sagte er. Er verfolge weiter den Gedanken der Einheit in Vielfalt, wünsche sich aber Fairness im Ringen um den besten Weg.

Dass Stimmen aus den Reihen der Gläubigen mehr Beachtung finden müssen, darüber schienen sich alle im Klaren zu sein. Felicitas Klein schlug deshalb die Einberufung zu einer Tagung vor, um genügend Zeit zu haben und abseits der täglichen Routine konzentriert über die Wünsche aus den Stadtteilen zu reden.

Mehr Fürsprecher – zumindest im Publikum – schien der Vorschlag Klaus Mocks zu haben. Er riet, zu einem runden Tisch einzuladen und die langjährige Direktorin des Erzbischöflichen Gymnasiums Marienberg in Neuss, Dr. Elfriede Schmitz-Keil aus Strümp, mit der Moderation zu beauftragen. Mock und auch Angela Janssen bekamen mehrfach Applaus für ihren Vortrag. Er meinte, der Pfarrgemeinderat würde die Gemeindemitglieder nicht so vertreten, wie er sollte. Statt sich vorwiegend mit Strukturen zu beschäftigen, sollte er sich mehr mit der Frage auseinandersetzen, wie könne die Pfarre das, was in den Gemeinden gewachsen sei, erhalten. "Alle Probleme müssen öffentlich auf den Tisch", forderte er. Sonst kämen sie zur nächsten Sitzung mit Plakaten und Transparenten wieder, tuschelten die Zuschauer.

Angela Janssen sagte, dass es sich bei den Menschen, die nun vermehrt Kritik äußern würden, vielfach um erfahrene Ehrenamtler handele. Katholiken, denen die Entwicklung der Pfarre nicht gleichgültig sei. Stelzer-Rothe, der sichtbar bemüht war, neutral zu formulieren, sagte: "Sie laufen bei uns offene Türen ein. Ein runder Tisch gefällt mir gut – als Symbol." Die Verantwortung liege dennoch bei den demokratisch gewählten Mitgliedern des Pfarrgemeinderats und des Kirchenvorstands. Er möchte in Ruhe über die Vorschläge nachdenken. Die Last auf den Schultern der Pfarrgemeinderatsmitglieder sei hoch. Zum Ende der Sitzung knisterte die Spannung immer noch, aber etwas weniger als zu Beginn.

(RP)