Blitzmarathon 2016 in Meerbusch

Meerbusch: Unfallopfer sollen vor zu hohem Tempo warnen

Innenminister Ralf Jäger besuchte verletzte Kinder und Jugendliche in der Osterather St. Mauritius-Therapieklinik.

Ralf Jäger war tief beeindruckt, welche Arbeit mit behinderten Jungen und Mädchen in der St.-Mauritius-Therapieklinik geleistet wird. Der Innenminister besuchte gestern die Klinik in Osterath, in der viele Kinder und Jugendliche behandelt werden, die bei Verkehrsunfällen Schädelhirntrauma erlitten.

Minister Ralf Jäger schaute bei der Therapie für Acelya durch Therapeutin Ronny Kolchewski interessiert zu. Foto: Ulli Dackweiler

Denn genau das war der Grund, warum der Minister zu dem Termin auch die Presse eingeladen hatte: Vor dem nächsten Blitz-Marathon, der am Donnerstag europaweit stattfindet, wollte er auf Verletzungen hinweisen, die Unfallopfer erleiden. "Jeden Tag stirbt in NRW im Schnitt ein Mensch im Straßenverkehr, 36 Menschen werden schwer verletzt", so Jäger. "Wenn jeder etwas langsamer fahren würde, hätten wir weniger Tote und Verletzte", meint der Politiker.

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"Hier bei den Patienten in Meerbusch wird sichtbar, was aus Raserei werden kann", so Jäger, der der Therapeutin Ronny Kolschewski bei den Übungen mit der 13-jährigen Acelya half. Das Mädchen aus Duisburg war vor sieben Jahren von einem Auto erfasst worden und laboriert seitdem an den Folgen ihrer Verletzung. Nur mühsam kann es laufen. Sie ist seit dem Unfall auch intellektuell gehandicapt. "Sie wird nie wieder gesund. Wir hoffen, dass wir für sie einen Beruf finden, der ihr Spaß macht", sagt Kristina Müller, Chefärztin der Neuropädiatrie der St.-Mauritius-Therapieklinik. Begeistert war der Minister von dem Lebensmut, der Kraft und dem "unglaublichen Humor" des Mädchens.

Kommt es zum Sturz auf den Kopf, ist es reine Glückssache, wie schwer der Schaden ausfällt. Schon ein vergleichsweise leichter Aufprall kann schwerste Schädigungen verursachen, denn entscheidend ist, welche Gehirnregion verletzt wird. Besonders fatal seien Verletzungen im Hirnstamm. Selbst minimale Verletzungen können dazu führen, dass Betroffene für den Rest ihres Lebens im Wachkoma liegen, obwohl alle Organe und Gliedmaße völlig intakt seien. Kristina Müller zeigte auf, dass es für viele Opfer von schweren Verkehrsunfällen - vor allem für Kinder und deren Eltern - ein langer und mühsamer Weg zurück in den Alltag ist. "Für die Familien ist nach einem solchen Unfall von einer auf die nächste Sekunde ein Leben lang nichts mehr wie vorher, sie fallen in ein tiefes Loch."

(RP)