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Langenfeld: Namen der Toten im Massengrab nennen

Langenfeld : Namen der Toten im Massengrab nennen

18 russische und polnische Kriegstote sind anonym auf dem Waldfriedhof bestattet. Günter Schmitz recherchiert.

Überall auf dem städtischen Waldfriedhof haben zu Allerheiligen Hinterbliebene der Toten gedacht, Blumengestecke abgelegt und Kerzen angezündet. Unbeachtet blieb ein von Moos überzogener Grabstein unweit des Haupteingangs. Wer sollte auch dorthin kommen? Kein Name steht darauf, nur dieser Satz lässt sich mühsam entziffern: "Hier ruhen 18 russische und polnische Kriegstote." Fern der Heimat waren sie irgendwann vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Langenfeld gestorben, danach in den 1960er-Jahren in dieses Massengrab umgebettet worden. Nun sollen sie aus der Anonymität geholt werden. Der Lokalhistoriker Günter Schmitz ist dabei, die Namen aller in dieser Grabstätte Bestatteten herauszufinden, deren Schicksal zu erforschen und für eine Gedenktafel aufzulisten.

"Das erfordert eine akribische Recherche und ist ungeheuer aufwändig", merkte Stadtarchivarin Dr. Hella-Sabrina Lange im Gespräch mit der RP an. Auf einen Antrag der SPD hin hatten die Stadtpolitiker vor einem Jahr beschlossen, spätestens 2014 eine solche Namenstafel anbringen zu lassen. Doch das ist leichter gesagt als getan: "Schon die in den 1960er-Jahren erstellten Listen waren sehr unvollständig", sagt Schmitz, der den Arbeitskreis Geschichte der Langenfelder Volkshochschule leitet. "Ich habe sie durch Recherchen vervollständigt, so weit mir das möglich war."

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Sehr lückenhaft seien auch die Unterlagen im Archiv zum damaligen zentralen Sammellager für Kriegsgefangene in Schloß Holte-Stukenbrock, das Russen und Polen laut Schmitz "unter teils erbärmlichen Bedingungen" durchliefen, bevor sie auf Arbeitslager wie etwa an der Kronprinzstraße in Langenfeld verteilt wurden. "Erschwerend kommt hinzu, dass russische Archive teils immer noch verschlossen sind." Außerdem seien wegen der kyrillischen Buchstaben in Russland manche Namen hierzulande fehlerhaft übertragen worden.

Zu einigen der Toten in dem Massengrab hat Schmitz über deren Namen hinaus auch Details zu ihrem Schicksal zusammengetragen:

So kam im Alter von 16 Jahren die Polin Irene Adamczyk 1941 nach Langenfeld, war als Landarbeiterin und Hilfsköchin eingesetzt, warf sich zwei Jahre später in Berghausen vor einen Zug. Der Russe Michael Afanasenko arbeitete in Berghausen auf dem Feld. Bei einem Angriff am 22. März 1945 trafen Granatsplitter den 19-Jährigen an der Baumberger Straße und verletzten ihn tödlich. An einer Methylalkohol-Vergiftung starben 1944 die Russen Kain Bilik (62) und Alexeij Udalow (45). Auch zwei von russischen Zwangsarbeiterinnen geborene Babys sind nun namentlich bekannt: Nelly Aprimova und Michael Jhodakow. Insgesamt 16 Namen hat Schmitz bislang aufgelistet. "Zwei der 18 in dem Massengrab bestatteten Kriegstoten sind immer noch unbekannt. Es bedarf also weiterer Recherchen, um auch diese Lücken zu füllen."

"Es ist nicht sicher, wie viele Menschen wirklich dort beerdigt wurden", sagt Stadtarchivarin Lange. In einigen Listen gebe es fehlerhafte oder auch widersprüchliche Angaben. Im nächsten Jahr sollen die Namen, die Schmitz mühsam zusammen getragen hat, auf der Namenstafel stehen. Außerdem will Lange die recherchierten Fakten noch an anderer Stelle präsentieren: "Wir modernisieren ja zurzeit die stadtgeschichtliche Dauerausstellung im Freiherr-vom-Stein-Haus mit Computer-Terminals. Dort können wir die Informationen gut einbauen."

(RP)