Langenfeld/Monheim: 154 Jugendliche suchen noch Lehrstelle

Langenfeld/Monheim : 154 Jugendliche suchen noch Lehrstelle

Während sich der Arbeitsmarkt im Herbst positiv entwickelt, werden Ausbildungsstellen im Kreis Mettmann knapper.

Schon in der achten Klasse wusste Mara-Sophia Smiljanovski (19) genau, was sie will: Nach dem Abitur eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau, dann ein Studium und im Anschluss Karriere machen. Entsprechend zielstrebig arbeitet die junge Frau an ihrem Werdegang. Zurzeit absolviert sie ihre Wunschausbildung in der Firma Schukat in Monheim. Das Unternehmen für Handel und Vertrieb von Elektronikbauteilen hat rund 180 Mitarbeiter und engagiert sich besonders mit Blick auf zukünftige Fachkräfte. Insgesamt gehören 35 Auszubildende zur Belegschaft. Zielstrebigkeit sei beim Start in den Beruf besonders wichtig, sagten Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer sowie Kreishandwerkerschaft gestern, als sie bei dem Vorzeigebetrieb die aktuellen Zahlen zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt präsentierten.

"Ich fühle mich hier wohl", sagt die 19-Jährige. "Ich werde gut ausgebildet und das Arbeitsklima ist angenehm." Auch von der Arbeitsagentur und der IHK gab und gibt es lobende Worte für das an der Daimlerstraße ansässige Unternehmen. Bereits mehrmals wurde es für "herausragende Leistungen in der Berufsausbildung" ausgezeichnet — auch in diesem Jahr.

Die Zahl der Ausbildungsstellen ist in der Region rückläufig — vor allem in Lagerwirtschaft, Gastronomie, Metallbau und Metallbearbeitung. Bei 3084 Bewerbern waren bis Ende September 1929 Ausbildungsplätze zur Besetzung gemeldet worden. 2012 waren es noch 239 mehr, 2011 sogar 455. "Insgesamt sind 154 Jugendliche jetzt noch auf der Suche", berichtet Brigitta Kubsch-von Harten von der Mettmanner Arbeitsagentur. "Dem stehen 137 offene Stellen gegenüber. Den Rest konnten wir erfolgreich vermitteln und ein Teil hat sich entschieden, weiter zur Schule zu gehen." Sorgen bereitet vor allem der voranschreitende Mangel an Fachkräften. Hier gibt es oft weniger geeignete Bewerber als offene Stellen. In diesen Wochen läuft daher eine "Schlussoffensive", um Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen.

"Arbeitgeber sollten auch Bewerbern eine Chance geben, die nicht nur die besten Schulnoten haben", unterstreicht Kubsch-von Harten. "In vielen Fällen können wir mit einer entsprechenden Förderung helfen." Die Erfahrung zeige, dass die nicht so leistungsstarken Schüler eine gegebene Chance sehr gut nutzen können.

"Für die Jugendlichen ist es allerdings auch wichtig, über den Tellerrand zu schauen", findet Norbert Woehlke, stellvertretender Geschäftsführer der IHK. "Es bringt nichts, wenn man sich auf zwei Berufe festlegt." Auf dem Weg zum Traumberuf gebe es "viele alternative Routen". Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur (G8) und der daraus folgende doppelte Jahrgang haben sich indes kaum bemerkbar gemacht. "Viele sind an den Universitäten, für ein Jahr im Ausland oder machen Bundesfreiwilligendienst", erklärt Woehlke.

Im Handwerk ist der Markt weitgehend stabil. Die Anzahl abgeschlossener Verträge im Kreis ist zwar um knapp vier Prozent auf 665 gesunken, aber das sei "mit Blick auf die demografische Entwicklung kaum erwähnenswert", meint Gabriele Leßel von der Kreishandwerkerschaft. Für Edith Schukat, Prokuristin des Familienunternehmens, sind Azubis eine Investition in die Zukunft: "Sie sind ein Grund für unseren Erfolg", betont die Geschäftsfrau. "Nicht umsonst wird ein Großteil im Anschluss von uns übernommen."

(dora)