Fußball : Triumph des Teamgeistes

Mittelrheinliga: Trotz vieler personeller Nackenschläge in der Rückrunde samt einem desaströsen Monat April wurde der FC noch Meister. Das schafften die Kleeblätter mit dem in der Breite nicht besten Kader der Liga - den hatte eindeutig Herkenrath.

WEGBERG Weder bestes Hinrundenteam (das war Alfter) noch beste Rückrundenmannschaft (Herkenrath), weder beste Heimelf (Bergisch Gladbach war ein Tor besser) noch bestes Auswärtsteam (Herkenrath) - alles geschenkt. Denn der FC Wegberg-Beeck zahlte dafür mit der härtesten Währung, lag in der einzig wirklich zählenden Tabelle, der Abschlusstabelle, vorn: Nach 2005, 2010 und 2015 wurden die Kleeblätter zum vierten Mal Meister in der hierzulande höchsten Amateurliga und schafften damit die sofortige Rückkehr in die Regionalliga.

Geplant war das nicht - erst recht nicht mehr Anfang Mai nach vier zum Teil desaströsen Heimniederlagen in Folge. Doch dann gewann Beeck zwei entscheidende Partien bei der direkten Konkurrenz: erst 2:0 beim größten Aufstiegskonkurrent Herkenrath, dann 1:0 in Alfter - beide jeweils mit einer Topleistung, beide völlig verdient. Womit die Kleeblätter zugleich die alte Weisheit auf den Kopf stellten, dass eine Meisterschaft zumeist nicht in den direkten Duellen entschieden wird, sondern bei der Frage, wer gegen die vermeintlich "Kleinen" mehr Punkte liegenlässt - bei Beeck war es nun genau umgekehrt. Neben den vier Heimniederlagen schmerzte im April gerade auch das höchst ärgerliche 2:2 bei Absteiger Rheinbach - und das nach 2:0-Führung.

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Umso bemerkenswerter, dass es am Ende trotzdem zu Meisterschaft und Aufstieg langte. Das gilt erst recht angesichts des großen Verletzungspechs, das Beeck in der Rückrunde ereilte. Den in der Breite besten Kader hatten die Schwarz-Roten sicher nicht - den hatte definitiv Herkenrath. Als es dann jedoch in den Topspielen Spitz auf Knopf stand, da wuchsen Akteure wie Norman Post und Amaar Zayton aus der zweiten sowie Yannik Leersmacher gar aus der dritten Reihe über sich hinaus und lieferten Leistungen ab, mit denen nicht zu rechnen war. Der ausgezeichnete Teamgeist war ein weiterer Trumpf.

Wie sehr Beeck - dessen ungeachtet - der Langzeitausfall der beiden etatmäßigen Innenverteidiger Sebastian Wilms und Senkrechtstarter Lorenz Klee (beide übrigens Eigengewächse) schmerzte, verdeutlichen zwei prägnante Zahlen: Bis einschließlich des 18. Spieltags, als beide zusammen verteidigten, kassierte Beeck nur 14 Gegentore (Schnitt knapp 0,8). Dann fiel Klee bis zum Saisonende aus - ein Spiel später auch Wilms. In diesen folgenden zwölf Partien kassierte Beeck 17 Gegentore (Schnitt 1,4) - signifikant mehr also.

Nach der Gegentorflut im April zog Coach Friedel Henßen die Notbremse: Er beorderte Allzweckwaffe Simon Küppers, einer von Beecks fußballerisch Besten, von der Sechs in die Innenverteidigung. Das ging zwar ein wenig zu Lasten des Aufbauspiels, diente aber enorm der Stabilisierung der Defensive - in den letzten vier Spielen, die Beeck allesamt sicher gewann, schluckte der FC nur noch zwei Gegentore.

Ein weiteres ganz großes Plus war, dass Beeck für die Konkurrenz nicht auszurechnen war. Zwar schoss kein Akteur mehr als zehn Tore (für einen Meister erstaunlich wenig), dafür lochten aber gleich 15 verschiedene Spieler ein (siehe Info). Dazu kamen gute Standards - speziell von Kapitän Arian Berkigt.

So gelang der große Triumph. Im direkten Anschluss und den Tagen danach erhielt Henßen zig Anrufe - zweierlei Art: Zum einen Glückwünsche, über die er sich auch sehr freute. Eher genervt war er dagegen über Anrufe der anderen Art: Da hatte er etliche Spielerberater an der Strippe, die ihm vermeintliche Wunderspieler andrehen wollten . . .

(emo)