Krefeld: Wie TAG gerettet wurde

Krefeld: Wie TAG gerettet wurde

Vor einem Jahre drohte die Insolvenz. Das mittelständische Unternehmen TAG fand geeignete Partner und stellte sich neu auf. Auf einem globalisierten Markt entwickelt sie Spezialprodukte. Seitdem geht es aufwärts.

Vor einem Jahr noch war die Lage der TAG fast hoffnungslos. Wichtige Aufträge waren verschoben worden. 240 Mitarbeiter mussten die Pensionslasten von 800 Ehemaligen erwirtschaften. Obendrein hatte sich der Pensionsfond mit Fehlspekulationen in den neuen Ländern nach der deutsch-deutschen Vereinigung vergaloppiert. Wenn TAG-Geschäftsführer Jürgen Farrenkopf vor einem Jahr in die Firmenkasse blickte, waren nach Auszahlung der Löhne manchmal kaum mehr als 10 000 Euro darin.

Den nötigen Optimismus, nicht aufzugeben und den Kampf gegen die Pleite aufzunehmen, schöpfte Farrenkopf aus der Habenseite. Da waren der im Textilstandort Krefeld verwurzelte Firmenstandort, eine überdurchschnittlich motivierte junge Belegschaft und Stammkunden, die zum Durchhalten rieten. Und doch musste sich einiges ändern. Unterstützt von der EssenerBeratungsfirma CP/Compartner entschloss sich die TAG, sich als TAG Composites & Carpets GmbH neu aufzustellen, ohne sich von der 90-jährigen Firmengeschichte abzukoppeln.

„Im Teppichbereich werden wir der Auftragsveredler bleiben“, sagt Geschäftsführer Jürgen Farrenkopf, der seit 2001 an der Spitze der TAG steht. „Bei den technischen Textilien haben wir uns zu einem breit aufgestellten Nischenanbieter gewandelt“. Ob es der Stoff der Schutzanzüge amerikanischer Soldaten gegen chemische Kampfstoffe ist, Skisäcke bei BMW oder Schiebedachabdeckungen bei Mercedes oder Honda, stets stammt das Gewebe aus Krefelder Produktion. „Für uns ist eine Nische so lange interessant, bis sie ein größerer Anbieter für sich entdeckt hat. Dann haben wir aber schon etwas Neues für den Markt entwickelt“, erklärt der Firmenchef.

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Auf Erfahrung und Schwung der 217 Mitarbeiter kann das Management zählen.. Tilmann Meuser von CP/Compartner ist beeindruckt: „Ich kenne nur wenige Mittelständler, die einen so entspannten Umgang zwischen Management und Mitarbeitern pflegen.“ „Die Kompetenz der Mitarbeiter war neben der Kunden-, Innovations- und Qualitätsorientierung ein wichtiger Faktor bei unserer Beteiligung an der TAG Composites & Carpets“, erklärt Peter von Sigriz von der Münchner specTra Industriekapital GmbH, die zusammen mit der Krefelder Kleinewefers GmbH die TAG mit einem hohen Millionenbetrag flott gemacht hat.

Dazu sagt Farrenkopf: „Wir wollten keinen Hedge-Fond bei uns, der in vier, fünf Jahren Kasse macht. Unter 31 Bewerbern haben wir Finanziers ausgesucht, die als Partner der Firmenleitung ein echtes Interesse an der Weiterführung der Firma und ihrer Arbeitsplätze haben.“

(RP)
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