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Krefeld: Unmut über Doppelradweg im Hafen

Krefeld : Unmut über Doppelradweg im Hafen

Purer Luxus oder notwendig? Die Krefelder Stadtverwaltung hat im Hafen auf einer Länge von rund 400 Metern zwei parallele Radwege gebaut. Bürger meinen: Ein Radweg dort hätte auch gereicht.

Radfahrer, die derzeit entlang der gerade fertiggestellte Hafenringstraße im Krefelder Südosten unterwegs sind, kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Gleich zwei Radwege rechts und links der Fahrbahn hat die Nothaushaltskommune Krefeld dort bauen lassen. Einerseits führt ein ausdrücklich in beide Fahrtrichtungen befahrbarer Radweg parallel zur neuen Hafenringstraße, auf einer Länge von rund 400 Metern führt ein weiterer Radweg mit neuer Fahrbahn unten durch ein Gebüsch. Eine Luxussanierung?

Links der Radweg durchs Wäldchen, rechts der beidseitige an der Hafenringstraße. 400 Meter weiter treffen sie sich. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Linnerin Britta Werthmann, die regelmäßig mit ihrem Hund Joy dort unten spazieren geht, wundert sich: "Absurd, dass dort zwei Radwege parallel gebaut wurden, wo es anderswo an Radwegen mangelt." Auch in Krefelds Nachbarstadt Meerbusch staunt man über eine in diesem Bereich spendierfreudige Krefelder Verwaltung. Bei einer Bürgerversammlung war jüngst Krefelds Planungsdezernent Martin Linne auf den Doppelradweg angesprochen und befragt worden, ob es sich um eine Fehlplanung handele. Der Dezernent war erstaunt - in der Bauverwaltung wurde das Thema besprochen.

Krefelds Tiefbauamtsleiter Hartmut Könner sagt: "Man kann natürlich diskutieren, ob das luxuriös ist. Aber es ist in jedem Fall im Sinne der fahrradfreundlichen Stadt." Über die Kosten des Radwegs durch das Wäldchen könne er noch nichts sagen, die seien "noch nicht herausgerechnet". Er erklärt die Planung mit einem besonderen Umstand: Der Radweg unten durch das Gebüsch sei schon geplant gewesen, als es die Hafenringstraße noch gar nicht gab. Er ist eine Verlängerung des Deichradwegs, der aus Meerbusch-Nierst kommt, in Richtung Gellep. Theoretisch ist dieser Weg überflüssig, weil die Radfahrer von Meerbusch aus auch einmal die Straße kreuzen und auf dem neuen Radweg parallel zur Hafenringstraße fahren könnten - zumal sich beide Radwege nach 400 Metern wieder treffen. Könner sagt: "Wir haben es so realisiert, wie es die beschlossene Planung vorgibt. In dem Bereich ist das eine gute Lösung für die Radfahrer." Sie müssten nicht die Straße queren, argumentiert er. Spaziergängerin Britta Werthmann sieht das anders: "Das Gebüsch, durch das der Radweg führt, war früher für Wildtiere ein willkommener Rückzugsraum. Der Förster hier hat uns Hundebesitzer immer gewarnt, die Tiere dort frei laufen zu lassen. Und ausgerechnet dort wird jetzt ein Radweg neu gebaut?"

Geld für einen zweiten Radweg parallel ist also da. Doch anderswo würden sich die Radfahrer mindestens ebenso sehr über eine Lösung freuen. Im Hafen entlang der Bataverstraße gibt es nämlich keinen einzigen Radweg. Da müssen Radfahrer dicht an dicht mit Riesen-Lkw eine Spur befahren. Viele andere Kommunen haben hingegen eigene Radwege entlang des Rheins. Tiefbauamtsleiter Könner räumt ein: "Ein Radweg an der Rheinschiene, das fehlt uns noch."

(RP)